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Erde verdichtet

Bagger hinterlassen Lehmwüste in erster Nullernergie-Siedlung

In der bundesweit einzigartigen NullenergieSiedlung finden die Bauherren nur noch eine Lehmwüste statt wertvollem Ackerboden vor. Bagger haben in dem Gebiet in Wettbergen die Erde extrem verdichtet. Möglciherweise entstehen den Käufern nun Extrakosten.

Panne in Hannovers anspruchsvollstem Baugebiet: Auf etlichen Grundstücken der bundesweit einzigartigen NullenergieSiedlung ist nach Abschluss der Straßen- und Kanalarbeiten nur noch betonharter Lehmboden übrig. Als die künftigen Bewohner ihre Grundstücke vor Monaten gekauft hatten, befand sich dort noch wertvoller Ackerboden. Einem Gutachten zufolge müssen die Bauherren bis zu 10.000 Euro extra ausgeben, um den Originalzustand wieder herzustellen und später ihre Gärten bepflanzen zu können. Doch Schuld will an dem Dilemma jetzt niemand sein.

Mit Fotos haben die Grundstückskäufer dokumentiert, wie die Tiefbaufirmen beim Anlegen der Baustraße und beim Graben der Kanäle den Aushub der tief liegenden Ton- und Lehmschichten in großen Haufen auf die Grundstücke gekippt haben. Später haben sie offenkundig mit schweren Fahrzeugen rangiert und den Lehmbrei extrem verdichtet. Statt Mutterboden ist dort jetzt eine rissige Lehmwüste.

Am Mittwoch wurde den Bauherren auf ihre Fragen hin ein Brief der städtischen Bauverwaltung ausgehändigt. Die Stadt habe niemanden beauftragt, Boden von den Privatgrundstücken zu entfernen oder hinzubringen, steht dort trocken. Es sei aber bei den Erschließungsarbeiten „augenscheinlich zu Befahrungen der Privatgrundstücke“ gekommen, heißt es. Und dann geht es lapidar wie folgt weiter: „Wer die Grundstücke im Einzelnen befahren hat, entzieht sich unserer Kenntnis.“

„Wir müssen mit dem Bau beginnen, für ein monatelanges Beweissicherungsverfahren bleibt uns keine Zeit“, sagt Bauherr Rainer Friske. Zum Jahresende will der Richter am Sozialgericht mit seiner Familie das neue Haus beziehen. Ebenso wie seine Nachbarn ist er wütend, dass die Entscheidung für das nachhaltige Bauen schon vorab so viel Ärger macht.

Am Mittwochabend schaltete sich der Geschäftsführer des Wohnungsbauunternehmens Meravis, Mathias Herter, in die Diskussion ein – das Unternehmen hat die Grundstücke an die Bauherrn verkauft. „Wenn tatsächlich unsere Käufer darunter zu leiden haben, dass es bei Erschließungsarbeiten möglicherweise Fehler gegeben hat, dann wird es eine Lösung geben“, sagt Herter gegenüber der HAZ zu. Er werde alle Beteiligten und die Stadt kurzfristig zum runden Tisch einladen.

[Conrad von Meding]

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