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Südstadt

Kunstprojekt als Mahnung an die Stadt

Die Wilhelm-Raabe-Schule in der Südstadt hat aus freigelegten Wandbemalungen im Schulgebäude ein Kunstprojekt konzipiert. Für den Schulleiter hat es noch eine andere Bedeutung: Eine Mahnung an die Stadt, das Versprechen einer Komplettrenovierung nicht zu vergessen.
Alte Anstriche als Kunst: Schulleiter Martin Thunich zeigt in der Südstädter Wilhelm-Raabe-Schule Spuren längst vergangener Sanierungen.

Alte Anstriche als Kunst: Schulleiter Martin Thunich zeigt in der Südstädter Wilhelm-Raabe-Schule Spuren längst vergangener Sanierungen.

© Weiße

Südstadt. Irritierende Kunstwerke hängen seit Kurzem in der Wilhelm-Raabe-Schule in der Südstadt. Schon die Platzierung ist merkwürdig: Eines hängt schräg über einem Rundbogen über einem Fenster, eines mitten im Stuck, bei einem anderem ragt der Rahmen über eine runde Aussparung im Treppenhaus hinaus. Beim genaueren Hinsehen irritiert noch etwas anderes. Diese Bilder sind sehr abstrakt, sie zeigen zumeist nur mehrere Striche nebeneinander in ähnlichen gedeckten Farbtönen. Und die Zettel mit Erläuterungen zu den Bildern hängen nicht neben, sondern im Rahmen.

An etwa zwanzig Stellen sind vor allem im Treppenhaus des Gymnasiums in der Südstadt solche Entdeckungen zu machen. Aufgehängt hat die Rahmen die Fachgruppe Kunst. Für das, was im Inneren der Rahmen zu sehen ist, ist sie aber nicht verantwortlich: Die unscheinbaren Striche sind Zeugnisse der Arbeit von Restauratoren, die Ende vergangenen Jahres in der Schule waren.

Ausgerüstet mit Schutzbrillen, weißen Handschuhen und Besteck legten sie an vielen Stellen die Wandbemalungen aus dem Jahre 1908 frei. „Unter sechs Farbaufträgen kam die ursprüngliche Bemalung in Creme, Taubengrau und Moosgrün zum Vorschein“, erläutert Kunstlehrer Robert Packeiser. „Einige Stellen zeigen als Schablonenmalerei der Jahrhundertwende stilisierte Pflanzenornamente.“ Mithilfe dieser freigelegten Bemalung wollen die Architekten ein Farbkonzept für die Räume erarbeiten, dass sich an die ursprüngliche Gestaltung anlehnt.

Entgegen den Hoffnungen der Schulleitung soll das Gebäude nun jedoch nicht komplett renoviert werden. Die freigelegten Stellen sollten aber auch nicht einfach wieder zugespachelt werden. Für Kunstlehrer Robert Packeiser kommt das schon aus künstlerischer Sicht nicht in Frage: Er findet, die Rahmen sind Kunstwerke, interessant in Struktur, Komposition und Farbgebung.

Für Schulleiter Martin Thunich sind sie darüber hinaus aber auch als Mahnung zu verstehen: Eine Mahnung an die Stadt, das Versprechen einer Komplettrenovierung nicht zu vergessen. Denn das 1908 errichtete Gebäude ist zuletzt 1967 saniert worden. In dem alten Haus müssten dringend die Versorgungsleitungen und die Elektrik ausgetauscht werden, so Thunich. Außerdem benötigen die Schüler einen Freizeit- und Ruhebereich für die Ganztagsbetreuung. Und auf dem Pausenhof fehlen Spielgeräte.

Ein Teil der Umbau- und Sanierungsarbeiten wird laut eines Schreibens der Stadt bald in Angriff genommen: Ab Ostern 2013 soll die Außenstelle Birkenstraße der Wilhelm-Raabe-Schule aufgelöst werden. Die Schüler aus den fünften und sechsten Klassen werden dann im Hauptgebäude an der Langensalzastraße unterrichtet. Das Büro des Schulleiters sowie die Räume von drei Koordinatoren im Erdgeschoss sollen zu zusätzlichen Unterrichtsräumen umgestaltet werden. Die Verwaltung wird künftig komplett im ersten Obergeschoss zu finden sein. Dort werden Räume zu Büros umfunktioniert, die zur Zeit nicht häufig genutzt werden, zum Beispiel ein Raum, in dem alte Wandkarten aufbewahrt werden. Im Rahmen der Umgestaltung wird auch das Lehrerzimmer verlegt. Im jetzigen Lehrerzimmer wird künftig der Schuldirektor arbeiten.

Der freut sich schon darauf, dass die Fünft- und Sechstklässler künftig in demselben Gebäude lernen wie die Großen. „So entsteht eine Schulgemeinschaft von Anfang an. Es tut der Schule gut, wenn alle in einem Haus sind“, betont Martin Thunich.

Sonja Weisse


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