Vor den Auffahrten zum Messeschnellweg würden sich bei einer Ansiedlung des Logistik-Konzerns noch mehr Lastwagen stauen. Die Halle läge rechts von der Emmy-Noether-Allee (Foto).
Bemerode/ Mittelfeld. Bei einem Info-Abend der Stadt in der vergangenen Woche rechnete eine Anwohnerin vor: „Wenn nachts geschätzt vier Stunden lang keine Lkw fahren, dann verteilen sich die 1000 Lkw auf die restlichen 20 Stunden – das macht pro Stunde durchschnittlich 50, also etwa jede Minute ein Lastwagen.“ Diese würden dann mit röhrenden Motoren an den Ampeln zur Schnellwegauffahrt stehen. Andere Anlieger fürchten zunehmenden Verkehr in den Wohnstraßen.
Wie berichtet, will die Stadt auf den nicht mehr benötigten Expo-Parkplätzen südlich der Emmy-Noether-Allee ein 110 000 Quadratmeter großes Logistikzentrum ansiedeln. Bis zu 2500 Menschen sollen dort in Spitzenzeiten arbeiten und Artikel, die im Internet bestellt werden, sortieren, lagern und zum Abtransport fertigmachen. Die Stadt rechnet sich gute Chancen auf die Ansiedlung aus – dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem Unternehmen um die Firma Amazon –, eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.
Aus dem gut 40-seitigen Verkehrsgutachten der Firma Schnüll Haller Partner (SHP) gehen für die Straßen im Süden Hannovers folgende Berechnungen hervor:
2100 Pkw-Bewegungen: Bei 2500 Beschäftigten sind durch die Großansiedlung in Spitzenzeiten etwa 1700 Pkw-Fahrten am Tag zusätzlich zu erwarten. Zusammen mit der möglichen Bebauung eines weiteren Gewerbeareals in der Nachbarschaft und möglichen Kleinliefer- und Kundenverkehrsströmen summiert sich die Zahl auf rund 2100 Fahrten. Der Wert wäre deutlich höher, wenn nicht eine Stadtbahnhaltestelle in der Nachbarschaft läge – das soll für den Investor ein wichtiger Ansiedlungsgrund sein.
965 Lkw-Bewegungen: Das geschätzte Aufkommen an schweren Lkw (ohne Kleintransporter) gibt SHP mit 800 Fahrten pro Tag an, hinzu kommen geschätzt 165 Fahrten durch den neuen Gewerbebetrieb in der Nachbarschaft.
Keine Kollision mit Messeverkehr: Weil der Großlogistiker im Dreischicht-24-Stunden-Betrieb arbeitet, sind den Gutachtern zufolge kaum Probleme mit den Messe-Sonderverkehren (Maßnahme A und R) zu erwarten. Diese lägen zu anderen Zeiten als der klassische Schichtwechsel. Sei der Messeschnellweg wegen der Maßnahmen A/R einseitig gesperrt, sei der Lieferverkehr aufgrund möglicher Umfahrungen nicht betroffen.
Messeschnellweg: Da auf dem Schnellweg ohnehin mehr als 80 000 Fahrzeuge täglich unterwegs sind, verträgt dieser nach Einschätzung von SHP das erwartete zusätzliche Aufkommen (2250 Fahrten täglich, davon 975 Lkw) problemlos. Eng könnte es während der Messezeiten an den Auffahrten werden. Der Hinweis von Prof. Wolfgang Haller, zu Messezeiten seien diese Knotenpunkte ja eh überlastet, sodass eine weitere Belastung kaum zusätzlichen Schaden anrichte, rief beim Publikum allerdings höhnisches Lachen hervor.
Kattenbrookstrift: In der sogenannten Basisstraße des Neubaugebiets am Kronsberg werden rund 500 zusätzliche Fahrzeugbewegungen am Tag (davon 20 Lkw) erwartet. Allerdings ist das nicht so sehr der Ansiedlung direkt geschuldet, sondern zu wesentlichen Teilen einem Nebenaspekt. Durch die Ansiedlung fällt die Cousteaustraße als normale Zufahrt der Laatzener Straße weg. Dadurch werde sich der Verkehr automatisch von der Laatzener Straße Richtung Kattenbrookstrift verlagern, sagen die Gutachter.
Weniger los auf Laatzener Straße: Entsprechend sieht die Prognose für die Laatzener Straße (führt an IBM vorbei zum Bemeroder Emslandviertel) eine Abnahme um täglich rund 150 Pkw vor – allerdings auch eine Zunahme um 15 Lastwagen.
Starker Zuwachs auf Brabeckstraße: In der Brabeckstraße wird mit 575 Pkw und 25 schweren Lkw täglich mehr gerechnet, in der Wülferoder Straße Richtung Kronsberg sogar mit 635 Pkw und 15 Lkw.
Zuwachs auf Wülfeler Straße: Selbst auf der Wülfeler Straße Richtung Messeschnellweg bewegen sich laut Prognose noch rund 90 zusätzliche Pkw am Tag und zehn schwere Lkw.
Kattenbrookpark soll wachsen: Als Ausgleich für die Baumfällungen auf dem ehemaligen Parkplatzgelände neben der Messe will die Stadt unter anderem den sogenannten Kattenbrookpark vergrößern. Der Park war entlang der Siedlung Seelhorst und der heutigen Finanz Informatik (früher: Finanz IT) zur Expo angelegt worden und deckt zum Teil die alte Bemeroder Mülldeponie ab. Er soll jetzt Richtung Osten am Südrand der Integrierten Gesamtschule und des Wohngebiets erweitert werden. Weitere Ausgleichsflächen sollen als reine Aufforstungen an der Wülferoder Gaim geschaffen werden.
Initiative trifft sich: Frank Podschadly, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Seelhorst und Sprecher der Initiative gegen die Ansiedlung des Logistik-Unternehmens, kündigte in dieser Woche gegenüber dem Stadt-Anzeiger an, dass mindestens zwei Gegengutachten beauftragt werden sollen. „Wir zweifeln die Gutachterergebnisse zum Verkehr und zum Naturschutz an“, sagt Podschadly. Allerdings fehle noch Geld für die Finanzierung. Die Initiative trifft sich das nächste Mal am Montag, 13. Februar, 19 Uhr im Berufsbildungswerk des Annastifts an der Wülfeler Straße.
Conrad von Meding
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