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Misburg

Verkaufsstände bleiben sonnabends zu

Die Stadt schränkt den Verkauf von Gemüse und Erdbeeren im Zentrum von Misburg ein. Zum Schutz des Wochemarkts dürfen Landwirte ihre Produkte von Samstag 8 bis 13 Uhr nicht in ihren Ständen verkaufen.
Darf sonnabends keine Erdbeeren verkaufen: Der Stand an Meyers Garten.

Darf sonnabends keine Erdbeeren verkaufen: Der Stand an Meyers Garten.

© Piepho

Im ganzen Stadtgebiet schießen sie wieder wie Pilze aus der Erde: Die roten Riesenerdbeeren, in denen Landwirte zwischen Mai und August ihre frisch gepflückten Produkte direkt vermarkten. Bis Ende Juni steht gleich nebenan zumeist ein Spargelbauer, der das feine Frühlingsgemüse zusammen mit Schinken und Wein tagesfrisch an seine Kunden weiterreicht. Aber auch wenn die Geschäfte laufen – an den Ständen in Misburgs Zentrum soll es jetzt zumindest am Wochenende ruhiger werden. Die Stadt hat den Landwirten den Sonnabend-Verkauf zwischen 8 und 13 Uhr untersagt.

„Wir wollen die Konkurrenz zwischen Straßenhändlern und den Beschickern des Wochenmarktes vor dem Schulzentrum vermeiden“, sagte Klaus Helmer auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers. Der Stadtsprecher beruft sich auf die vom Rat beschlossene Sondernutzungssatzung, nach der Straßenhändler zum Schutz der Märkte einen Mindestabstand von 250 Metern zum Marktplatz einzuhalten haben. „Das gilt natürlich nur, wenn die Landwirte öffentlichen Straßenraum nutzen, den Verkauf auf privatem Gelände können wir nicht untersagen“, erläutert Helmer.

Auf privatem Raum wähnte sich mit seinem Standort auf dem Parkplatz vor dem Elka-Kaufhaus bis vor Kurzem auch der Betreiber vom Hof Drenge. Mittlerweile hat die Verwaltung das Missverständnis aufgeklärt – die Buchten sind städtisches Eigentum. „Deshalb muss unsere Bude nun am Hauptgeschäftstag geschlossen bleiben“, ärgert sich Drenge, der seinen Stand schon seit 15 Jahren auf dem ehemaligen Brachgelände an der Buchholzer Straße aufgebaut hat. Zusätzlich zu den verlorenen Einnahmen musste der Landwirt auch noch nachträglich tief in die Tasche greifen: Für das Saisongeschäft sind mehrere hundert Euro Standmiete fällig geworden.

Sarah Wantosch, die das Obst vom Erdbeer-Hof Gleidingen in der Riesenerdbeere nebenan verkauft, hat gegenüber Drenge einen großen Vorteil: Während die Spargelsaison am 24. Juni endete, verkauft sie die süßen Früchte und ihren süffigen Erdbeersekt noch bis in den August hinein. Bei den Kunden macht sich dennoch Unmut breit, wenn sie wie Manfred Aubert sonnabends vor verschlossenen Fenstern stehen. „Ich war vergangenen Sonnabend zum Essen eingeladen und hatte versprochen, von Meyers Garten ein Erdbeerkörbchen mitzubringen“, berichtet der Misburger. Statt Erdbeeren hat er ebenso wie viele andere Kunden nur den handgeschriebenen Hinweis des Bauern auf die Vorgaben der Stadtverwaltung vorgefunden.

„Das Vorgehen der Stadt führt nicht nur zu enormem Verlusten für die Händler, sondern enttäuscht auch die Kundschaft“, sagt Aubert. Bauer Drenge wird aus dem missglückten Geschäft seine Konsequenzen ziehen und sich für die Spargelsaison 2011 nach einem neuen Standort umschauen – auf privatem Grund und Boden.

Tanja Piepho


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