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Keine Abrisspflicht

Brandruine in der List gammelt weiter

Vor fast sechs Jahren ist ein Gebäude Am Listholze abgebrannt, seine langsam verrottende Ruine ist Anwohnern und Bezirksrat ein Dorn im Auge. Die Stadt kann den Eigentümer des Grundstücks in der List jedoch nicht zum Abriss zwingen.
Kein schöner Anblick: Die Brandruine Am Listholze steht seit dem Jahr 2006 leer.

Kein schöner Anblick: Die Brandruine Am Listholze steht seit dem Jahr 2006 leer.

© Schwarzenberger

List. Schmuck sieht das Wohnhaus in der Staatswiesenstraße mit seiner verzierten Fassade und dem kleinen Erker aus. Doch die Bewunderung währt nicht lange – die Blicke der Passanten wandern wie magisch zur Brandruine nebenan. Seit einem Feuer im Jahr 2006 steht das weitläufige Gebäude, Ecke Am Listholze, wie ein drohender Fingerzeig da – zum Ärger von Anwohnern, die schon vor Jahren über die mangelhafte Absicherung des Geländes klagten.

Auch Mitte Januar hat die Stadt die Umzäunung wieder kontrolliert und dort Lücken festgestellt. Inzwischen sei das Grundstück jedoch vorschriftsmäßig eingezäunt, verschlossen und gesichert, sagte Stadtsprecher Dennis Dix dem Stadt-Anzeiger.

Das Gelände ist Privateigentum, die Absicherung der Fläche Pflicht des Besitzers. „Derzeit besteht keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“, sagt Dix. Der Eigentümer sei nach den jüngsten Kontrollen aufgefordert worden, die Lücken im Zaun zu schließen. Das ist passiert; mehr kann die Stadt nach eigenem Bekunden nicht tun.

Was der Eigentümer mit der langsam verrottenden Ruine vorhat, ist der Stadtverwaltung bislang nicht bekannt. Rechtliche Möglichkeiten, den Eigentümer zur Sanierung, zum Abriss oder gar zu einer neuen Bebauung zu zwingen, hat die Verwaltung nicht. Miteigentümer Abdulkadir Manap betonte schon vor Jahren, dass er selbst regelmäßig die Ruine besichtige und die Umzäunung ausbessere.

Anwohner und Stadtteilpolitiker sehen das anders: Sie beklagten immer wieder, dass der Bauzaun wenig ausreichend ist. Immer wieder nutzen auch Kinder das verfallende Haus mit seinem verkohlten Dachstuhl und den zersplitterten Fensterscheiben als Abenteuerspielplatz. Manap würde gern in etwas Neues investieren: „Eine Sanierung wird kaum möglich sein“, sagte er. Eher sei ein Neubau in Betracht zu ziehen. Die Ruine war früher ein Wohn- und Geschäftshaus der Firma Stahl-Com gewesen. Eine ähnliche Nutzung stellt sich auch Manap vor.

Doch bis es so weit ist, muss der Eigentümer nach eigenen Angaben noch etliche Fragen vor Gericht klären. Dabei gehe es unter anderem um die Versicherung. Die Staatsanwaltschaft vermutete 2006 Brandstiftung als Ursache für das Feuer, konnte aber keinen Täter ermitteln. Was genau noch juristisch geklärt werden muss und wie lange das noch dauert – darüber wollte Eigentümer Manap keine Auskunft geben.

Der Bezirksrat Vahrenwald-List will den Schandfleck möglichst rasch beseitigen. SPD-Fraktionschef Bruno Gill hofft, dass ein ähnlicher Fall aus Vahrenwald keine Schule macht. An der Melanchthonstraße habe es schon ein langsam verfallendes Gebäude gegeben, als er 1982 in den Stadtteil zog. „Erst vor wenigen Jahren wurde es endlich abgerissen“, sagt er. Statt einer Ruine stünden dort nun neue Wohnhäuser. Jahrzehnte solle der Verfall im Haus Am Listholze möglichst nicht dauern, sagte Gill. „Aber wir können da wenig tun“, räumte er ein.

Marcel Schwarzenberger


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