Ein Militärgelände wird zum Wohnviertel: 220 neue Häuser sowie Geschäfte und sozial Einrichtungen sollen die verlassene Kaserne wiederbeleben.
Als die „Gartenstadt Hannover-Nord“ aus der Taufe gehoben wurde, sollte alles möglichst schnell gehen. Nun plant die Projekt-Gesellschaft des Berliner Ingenieurbüros Gräf und Partner (IGP) den Umbau der ehemaligen Freiherr-von-Fritsch-Kaserne im Sahlkamp zu einem modernen Wohngebiet schon seit eineinhalb Jahren.
Anfang 2011 sollten die Gebäude westlich der General-Wever-Straße saniert sein, Mitte des Jahres die ersten Neubauten stehen. Doch noch immer liegt das 270.000 Quadratmeter große Grundstück brach. Das Erstellen der notwendigen Gutachten und Pläne hat offenbar deutlich länger gedauert als ursprünglich geplant. „Wie alle Projektentwickler hatten wir ambitionierte Pläne. Doch die Realität hat ihren eigenen Zeitplan“, erklärt IGP-Geschäftsführer Stefan Gräf. Mittlerweile ist der Baubeginn auf die zweite Jahreshälfte 2011 verschoben worden – sollte der Rat der Stadt bis dahin zugestimmt haben.
Zusammen mit drei israelischen Geldgebern hat die IGP das Grundstück vom Bund gekauft und will 50 Millionen Euro in den Umbau investieren. Was auf dem einstigen Militärgelände zwischen der Autobahn und den Wohngebieten des Sahlkamps entstehen soll, ist ein eigener kleiner Stadtteil: Insgesamt 220 neue Einfamilien- und Reihenhäuser sind vorgesehen, ergänzt durch ein Gebiet für Gewerbe und soziale Einrichtungen. Die Wohnhäuser wollen die Bauherren vor allem im Norden und Westen errichten. Dazu verhandele die IGP derzeit mit mehreren Bauträgern aus der Region, sagt Projektentwickler Gräf.
Der Osten soll das gewerbliche und soziale Zentrum des neuen Quartiers werden: Rund um einen Marktplatz wollen die Investoren Einzelhändler, eine medizinische Einrichtung, ein Seniorenheim sowie einen Kindergarten und eine Privatschule ansiedeln. Laut Gräf wollen die Stadtwerke auf dem Gelände ein Biogas-Kraftwerk bauen, um das Quartier mit Energie zu versorgen. Ein Grünzug trennt das Wohn- vom Gewerbegebiet und gibt dem Projekt „Gartenstadt“ auch seinen Namen.
Dass die Umsetzung der ambitionierten Pläne stockt, liegt laut IGP-Chef Gräf vor allem an der Größe des Geländes. „Es ist, als plane man eine neue Stadt. Und das dauert eben seine Zeit.“ Gutachten zu den Auswirkungen auf Verkehr, Umweltschutz und angrenzende Gewerbegebiete wurden bereits erstellt. Im vergangenen Sommer untersuchte die IGP den Norden des Grundstücks, wo die ersten Häuser entstehen sollen, auf Kontaminationen – bis in drei Metern Tiefe entdeckten die Bagger aber nur unbelasteten Bauschutt. Erst im Dezember 2010 war der sogenannte Erschließungsplan fertig. Demnach kann das gesamte Grundstück von der General-Wever-Straße aus mit Strom, Gas und Wasser versorgt werden.
Nun muss der städtische Rat über die endgültige Freigabe des Projekts entscheiden. „Wir hoffen bis Mitte des Jahres den Bebauungsplan in der Tasche zu haben, um mit der Sanierung der Bestandsgebäude und anschließend mit den Neubauten beginnen zu können“, sagt Gräf. Nach Aussage von Stadtsprecher Dennis Dix bereitet die Verwaltung derzeit die entsprechenden Entwürfe vor. Der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans, der das ehemalige Militärgrundstück als „Sondergebiet“ ausgewiesen hatte, stimmten die städtischen Gremien bereits im Frühjahr 2010 zu.
Wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt, soll die Gartenstadt in fünf Jahren fertig sein. Ein sogenannter Gestaltungsbeirat wird die Umsetzung der Pläne überwachen; neben einem Architekten und einem Landschaftsplaner gehören dazu jeweils ein Vertreter der IGP und der Stadt.
Nach Ansicht des Bürgermeisters des Bezirks Bothfeld-Vahrenheide, Hans Battefeld, wird die Gartenstadt den Sahlkamp deutlich aufwerten. Zusätzliche Arbeitsplätze könnten entstehen, und auch der Bedarf an höherwertigem Wohnraum sei groß: „Der Sahlkamp wartet dringend auf den Baubeginn für die Gartenstadt.“
Michael Soboll
| Städtewetter |
| Ihre Stadt/Ihr Ort |
Tagestemperatur |
|
Nachttemperatur |
|
Regenprognose |
|
Windstärke |
|
Pollenflug |
|