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Abiturient aus Hannover geht trotz Katastrophe nach Japan

Abiturient Jannis Piek aus Hannover-List ist auf dem Weg nach Tokio, um dort sein Gamedesign-Studium zu beginnen - trotz Erdbeben, Tsunami und Fukushima-Katastrophe. Mit welchen Gefühlen er nach Japan fliegt, erzählte er Susanna Bauch.
Jannis Piek mit seiner Mutter

Auf gepackten Koffern: Jannis Piek will nach Tokio, Mutter Tanja ist skeptisch.

© Bauch

Der Computer wird in diesen Tagen nicht abgeschaltet. Jannis Piek lebt mit dem Live-Ticker und mit den aktuellen Meldungen aus Japan. Als dort am 11. März die Erde bebte, der Tsunami Teile des Landes überrollte und das Atomkraftwerk Fukushima schwer beschädigt wurde, geriet auch die nahe Zukunft des Abiturienten in Gefahr. Jannis Piek will in Tokio am 1. April mit seinem Studium beginnen: Game Design, das Entwickeln von Computerspielen. Der Studienplatz ist sicher, das Zimmer im Wohnheim ebenfalls, der Flug ist gebucht und etliche Tausend zusammengesparte Euro sind überwiesen. Und jetzt stand das ganze Projekt in Frage. „Es ist das erste Mal, dass uns so eine Katastrophe persönlich betrifft“, sagt Jannis Mutter Tanja Piek-Schwenger.

Jannis ist schon seit der achten Klasse ein echter Japan-Fan. „Damals habe ich mit Aikido angefangen, mich dann für die japanischen Animees, die Comiczeichnungen, interessiert.“ Aus eigenem Antrieb hat er sich mit 16 Jahren in der Volkshochschule für Japanisch angemeldet und für sich eine Ferienreise in die Hauptstadt gebucht. „Die Kultur finde ich genauso spannend wie die Architektur und die Menschen in Japan“, schwärmt der sonst eher zurückhaltende 20-Jährige. Und seine Mutter ergänzt: „Er hat gesagt, er bekommt Heimweh, wenn er wieder nach Hannover muss.“

Er musste. Aber Jannis war klar, dass er in Hannover nur noch die Schule beenden wollte, um dann nach Japan aufzubrechen. Gemeinsam mit seinen Eltern kümmerte er sich um Austauschprogramme, Voraussetzungen für einen Studienplatz und Unterkunftmöglichkeiten. Seine Karteikästen füllten sich mit Kärtchen voller japanischer Schriftzeichen. Und er sparte. „Erst im Februar habe ich das endgültige Okay aus Japan bekommen“, berichtet Jannis.

Der Abiturient beobachtet die Vorgänge in Japan durchaus mit Unbehagen. „Ich habe mich natürlich im Netz genau informiert“, betont er. Doch er sieht die Gefahr für Tokio relativ gering. „Dass der Wind dauerhaft dreht und Radioaktivität in hohem Maße in die Hauptstadt gelangt, halte ich für relativ unwahrscheinlich. Ich will unbedingt fliegen.“ Seine Mutter sieht das natürlich etwas anders. „Ich weiß ja gar nicht, wie sich das dort weiter entwickelt. Nach derzeitigem Stand entlasse ich mein Kind in ein Katastrophengebiet. Auf der anderen Seite stehen bei uns die Zeichen seit Wochen auf Aufbruch, so einfach abblasen möchte ich die Sache auch wieder nicht“, sagt Tanja Piek-Schwenger. Am liebsten wäre ihr, die Verantwortlichen in Japan würden den Semesterstart aus gegebenem Anlass einfach um drei Monate verschieben. „Da würden alle Zeit gewinnen.“”

Jannis will lieber heute als morgen los. Obwohl er besorgt ist und weiß, dass in seiner künftigen Uni bereits Flüchtlinge aus der zerstörten Küstenregion aufgenommen wurden und es dort eng werden könnte. Für ihn spielt seine Zukunft in Japan. Eine Woche lang hat er keinen Kontakt mehr zu der Vermittlungsorganisation in Tokio gehabt. Er sitzt am Rechner unter seiner Japanflagge und wartet, verfolgt den Live-Ticker und hofft. Einen Plan B gibt es zwar – Mediendesign in Berlin zu studieren –, aber daran möchte er gar nicht denken. Anfang der Woche ist dann die erlösende Nachricht gekommen. Die Uni in Tokio startet nach Plan – und Jannis auch. Heute sitzt er im Flugzeug nach Japan. Und ist voller Zuversicht.

[Susanna Bauch]

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