Karl Ochs (links) freut sich mit seiner Ehefrau und Wolfgang Neubauer über die Ehrung.
Er hat den Hannover-Marathon mitbegründet, den MTV Herrenhausen über Jahrzehnte hinweg an die norddeutsche Leichtathletik-Spitze geführt und führte als Trainer Leichtatheleten zu mehr als 500 Meistertiteln – dafür erhielt Karl Ochs nun den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Überreicht wurde ihm die Auszeichnung vom stellvertretenden Regionspräsidenten Wolfgang Neubauer im Haus der Region. Zusammen mit dem Bundesverdienstkreuz erhielt Ochs eine von Bundespräsident Christian Wulff unterschriebene Ehrenurkunde und viele Glückwünsche aus Politik und Sport.
„Sie sind mittlerweile in Leichtathletikkreisen zu einer Legende geworden“, sagte Neubauer zum Geehrten. Über fünf Jahrzehnte habe sich Ochs um den Sport verdient gemacht und besonders auf dem Gebiet der Leichtathletik außergewöhnliche Leistungen erbracht.
Diese lobte auch die Präsidentin des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbands, Rita Girschikofsky. „Ich bin froh, dass es Menschen wie Karl Ochs gibt“, sagte sie und bat ihn darum, sein Engagement für die Leichtathletik fortzusetzen. Aber Karl Ochs denkt noch gar nicht ans Aufhören: „Ich bin noch fitter als mancher Fünfzigjährige“, meinte der 72-Jährige. Mit ihm sei noch in den nächsten Jahren zu rechnen.
Erst 2004 hatte er nochmal eine Stabhochsprunglaufbahn gestartet und verbesserte seitdem 33 Bezirks- und Landesrekorde. Außerdem belegte er den dritten Platz bei den Europameisterschaften im slowenischen Ljubljana 2008 und den sechsten Platz bei den Senioren-Weltmeisterschaften im finnischen Lahti 2009. Als Leichtathlet war Ochs aber auch schon früher erfolgreich: Achtmal wurde er deutscher Senioren-Mannschaftsmeister der Mehrkämpfer.
Erfolgreicher war der gebürtige Berliner aber noch als Trainer. Von ihm betreute Senioren wurden einmal Weltmeister, neunmal Europameister und 44-Mal deutscher Meister. Dabei stellten sie einen Weltrekord und fünf deutsche Rekorde auf, von denen zwei immer noch bestehen. Seine Trainerlaufbahn hatte Ochs 1956 beim MTV Leinhausen begonnen. 1963 setzte er sie beim MTV Herrenhausen fort, wo er auch für den Bau der Mehrkampfanlage verantwortlich war. Im Jahr 2000 wechselte er zum TuS Empelde, bevor er 2010 nach Herrenhausen zurückkehrte, wo er unter anderem die Sportanlage wieder auf Vordermann bringt.
Dazwischen fand der ehemalige Sportlehrer der Goetheschule Hannover noch die Zeit, 1991 den ersten Internationalen Marathon-Lauf zu organisieren, der heute als Hannover-Marathon bekannt ist. Diese Pionierarbeit schaffte er innerhalb von nur vier Wochen, in denen er rund 1000 Mitarbeiter und Helfer koordinierte. Dabei standen ihm ein 20-köpfiges Organisationsteam, eine altertümliche Schreibmaschine und vor allem seine Ehefrau zur Seite. „Ohne meine Frau Waltraut wäre nichts gelaufen“, meinte Ochs.
Er hat inzwischen nicht nur das Bundesverdienstkreuz, sondern auch mehrere silberne und goldene Ehrennadeln diverser Sportverbände verliehen bekommen. Dass er dies erreicht habe, habe zwei Ursachen: Die „knallharte Erziehung meines Vaters“ und ein Versprechen, dass er sich selbst zu Beginn seiner sportlichen Laufbahn gegeben habe: „Wenn ich gebraucht werde, will ich helfen.“
Christian Link
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