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© Treblin

Alte Liebe

Wenn die Liebe nie erlischt

Nur wenige Menschen können ihrer Leidenschaft für 96 so Ausdruck verleihen wie Hannovers Musik-Ikone Dete Kuhlmann: Der 67-Jährige sorgt mit seinem Kompagnon Osssy Pfeiffer seit fünf Jahren vor jedem Heimspiel mit der Hyme „96 – alte Liebe“ für einen anrührenden Moment im Stadion. Für Kuhlmann ist das eine sehr 
persönliche und sehr tiefgehende Herzensangelegenheit: Seit 1956 ist er regelmäßig Gast bei 96-Spielen.

Hannover. Natürlich muss man eben noch erwähnen, dass dieses Musikerleben fast in einer staatlich alimentierten Laufbahn versickert wäre. „War mal Finanzbeamter“, brummelt Dete Kuhlmann, „bis 1970 so.“

Dann aber entschied der damals so 22-jährige Finanzbeamte Dete, dass er sein Herz, seine Seele und auch sein Konto dem Rock ’n’ Roll verschreiben
 wollte. Die Beamtenkarriere klang dann ziemlich formlos aus: „Gekündigt und gut“, murmelt Kuhlmann diese unerquickliche Lebensphase flott weg.

Diese Kündigung war kein großes Ding, andere Trennungen dagegen sind für diesen äußerlich leicht zerzausten, innerlich gleichwohl schaffensfrohen Menschen nicht denkbar. Von seiner Musik etwa, für die und von der er lebt, von seiner Heimatstadt Hannover, in der er einen ikonengleichen Ruf genießt, und natürlich auch nicht von seinem Herzensverein 96, den er praktisch sein ganzes bewusstes Leben begleitet hat.

Was diese Leidenschaften angeht, haben sich für Dete Kuhlmann die Dinge ideal gefügt: Seit fünf Jahren singen sein Partner Osssy Pfeiffer und er die Hymne „96 – alte Liebe“, und zwar „live im Stadion, vor jedem Spiel, bei Wind und Wetter“, berichtet Kuhlmann nicht ohne einen Anflug von Stolz, „das wird ja mittlerweile sogar als Hannover-Hymne gehandelt“.

Wird es, und das Schöne daran ist, dass Kuhlmann das Lied 2002 selber getextet und sein Partner Pfeiffer es neu arrangiert hat, nach der Ursprungsversion von Martin Hylla und Kai Hoffmann aus dem Jahre 1998. An die Arbeit hatten sich die beiden gemacht, weil das Fanprojekt sich eine neue Hymne gewünscht hatte, der Rest ist dann Geschichte.

Und was für eine. Text und Musik überrollen die Zuhörer derart, dass auch der härteste Ultra weiche Tupfen in seiner Seele ausmacht. „Ich singe es ja auch auf Beerdigungen, das ist dann richtig ergreifend“, erzählt Kuhlmann, „wenn ein Roter vor der Zeit abgeholt wird und ich stehe dann am Sarg und singe – da weinen alle wie die Schlosshunde.“ Auch bei frohen Anlässen stimmt er die „Alte Liebe“ an, bei Hochzeiten beispielsweise, „da könnte ich Geschichten erzählen, wenn dann die Braut …aber das gehört nicht in die Zeitung, das erzähle ich lieber nicht“.

Was natürlich sehr bedauerlich ist, aber auch beweist, wie sehr der Mensch und Musiker Kuhlmann mit all seinen Leidenschaften in Hannover verwurzelt ist. 96 und die Hymne mögen auch eine geschäftliche Bedeutung für ihn haben, das ist aber eher vernachlässigenswert. 1956 hat sein Vater ihn erstmals zu einem 96-Spiel mitgenommen, damals noch an der Radrennbahn, 1985 durfte er erleben, wie sein Schwager Frank Hartmann 96 mit seinem 2:0 gegen Hertha BSC zum Bundesligaaufstieg schoss: „Das war ein emotionaler Moment“, stellt Kuhlmann verblüffend nüchtern fest.

Er hat schon einiges erlebt mit seinem Verein, und ein Abstieg wäre für einen wie ihn „ein Schlag. Das wäre nicht der Untergang, aber es ist auch einfach nicht nötig“, sagt er mit drängender Stimme, „die Differenzen müssen gelöst werden, aber nicht jetzt.“ Rosarot will er die Dinge nicht malen: „Dass was passieren muss, ist völlig klar.“ Aber erst muss gewonnen werden, „auch die Zuschauer müssen sich den Arsch aufreißen.“ Denn er setzt auf „drei Heimsiege, dann sind wir damit durch.“ So. Punkt.

Und wenn es doch schiefgeht? Das wäre dann halt so, ändern würde es Kuhlmanns Hingabe nicht. Im Herbst will er so oder so mit seinem neuen Projekt raus, „‚96 – die Fußball-Revue‘, mit Schauspieler, Chor und Band und allem“. Und überhaupt: „Ich würde 96 auch unterstützen, wenn sie absteigen würden, und selbstverständlich würde ich weitersingen – ich singe vor drei oder auch vor 300 000 Leuten.“

Michael Lange


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