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Hannover 96

Von Lüdenscheid bis nach Sevilla

In der Saison 1966/67 besuchte er mit seinem Vater sein erstes Heimspiel, seitdem ist Stephan Weil bekennender 96-Fan. NP-Redakteur Christoph Dannowski besuchte den Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei.

Hannover. Weil ist als Landesvater auch am Erfolg des VfL Wolfsburg, von Eintracht Braunschweig, dem VfL Osnabrück und allen Amateurvereinen interessiert. Aber der 56-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er ein wahrer Roter ist: „Fußballfans wissen, dass du nur einen Verein des Herzens haben kannst.“ Und das ist für Stephan Weil eben Hannover 96, sehr lange schon. „Ein Unentschieden gegen 1860 München in der Saison 1966/67 war mein erstes Heimspiel“, erinnert sich Weil, „und hinterher hat meine Mutter meinen Vater zur Schnecke gemacht, weil er mich bei der Eiseskälte ins Stadion geschleppt hat.“

Weil erinnert sich gern an die Anfänge seiner alten Liebe zu 96. An Horst Podlasly, den „legendären Torwart“, an Walter Rodekamp, den man heute Stürmerstar nennen und der Millionen verdienen würde. „Oh Rodekamp, oh Rodekamp, wie schön sind deine Tore“, zitiert Weil mit glänzenden Augen den damaligen Gesang der Fans. Der Glanz bleibt, als Weil von seinen Lieblingsspielen spricht. Dem 3:1 im September 1973 gegen Bayern München. „Dreimal Willi Reimann – und Beckenbauer flog vom Platz“, sagt Weil lachend, „das ist so ein Ding, das vergisst du nie.“ Natürlich gehört auch der 23. Mai 1992 zu den Tagen, die sich bei Weil eingebrannt haben auf der Fußball-Festplatte im Gehirn. Der Sonnabend, an dem Zweitligist 96 gegen Erstligist Gladbach eine der größten Überraschungen in der DFB-Pokal-Endspiel-Geschichte schaffte.

Stephan Weil war live dabei im Olympiastadion in Berlin, er sah die unglaublichen Paraden von 96-Keeper Jörg Sievers und das entscheidende Elfmetertor von Michael Schönberg. „Ich behaupte ja, dass die Bürgerbefragung zur Expo zwei Wochen später deshalb so positiv ausgefallen ist, weil Hannover immer noch im Höhenrausch war“, sagt Weil. Dann denkt er an den letzten großen Erfolg „seiner“ Roten: das Euro-
League-Spiel im August 2011 in Sevilla. „Der erste internationale Auswärts-Auftritt. Um mich herum waren lauter Fans in meinem Alter, die seit Jahrzehnten auf diesen Tag gewartet hatten“, so Weil, „die Stimmung beim Rückflug war genauso großartig wie das Unentschieden in Sevilla.“
Stephan Weil hat aber auch ganz andere Zeiten miterlebt. Abstiege, Trainerentlassungen, Führungschaos, zweite Liga, Regionalliga: „Der Tiefpunkt war ein Spiel gegen Rot-Weiß Lüdenscheid. Außer mir waren noch 500 andere wackere Fans im Stadion. Wie es ausgegangen ist, habe ich verdrängt.“

96 ist „ganz einfach Teil meines Lebens“, sagt der SPD-Spitzenpolitiker, „und sogar ein ziemlich wichtiger“. Deshalb lebt er diese Leidenschaft auch lautstark aus, und zwar nicht im Brötchenblock der VIPs. „Ich fühle mich seit 15 Jahren unter Freunden auf der Westtribüne wohl“, da fallen auch schon mal Worte, die der Ministerpräsident nur ungern in der Zeitung lesen würde, „gut, dass wir da unter uns sind.“ Geärgert hat ihn viel in der jüngsten Vergangenheit, die 96-Fan Weil „nervlich sehr angespannt“ erlebt. Am meisten geärgert haben ihn die „Kind muss weg“-Rufe. „Bevor sie das schreien, sollten diese Rufer daran denken, wie kurz 96 vor dem Aus stand, bevor Martin Kind kam, und was er hier alles geschafft und geschaffen hat.“ Neun Punkte in den letzten fünf Spielen müssten zum Klassenerhalt reichen, glaubt Weil. Wann sie gegen wen erreicht werden, „ist mir vollkommen egal. Hauptsache, wir bleiben drin.“ Damit Niedersachsens Ministerpräsident weiter erstklassig jubeln kann. Zum Schluss drückt Stephan Weil noch mal den Fahnenknopf und wir hören gemeinsam „Alte Liebe“. Besser kann dieses 96-Gespräch nicht enden.


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