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SCHWARZ-WEISS-GRÜN: Pfarrer Heinrich Plochg vorseiner Kirche.   Foto: Heusel

SCHWARZ-WEISS-GRÜN: Pfarrer Heinrich Plochg vor seiner Kirche.© NANCY HEUSEL

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Hannover 96

Seine Kerze brennt für Hannover 96

Pfarrer Heinrich Plochg (55) aus der katholischen St. Josef-Gemeinde in der List ist 96-Fan. Er engagiert sich aber auch für Motorradfahrer und die Aidshilfe. Plochg lebt seit elf Jahren in Hannover, er hat Robert Enke beerdigt. In seiner Kirche steht die Figur des Fußball-Heiligen Luigi, vor der Fans Kerzen anzünden vor 96-Spielen.

Herr Plochg, wird im Himmel eigentlich Fußball gespielt?
Ich wünsche es mir, ich möchte da schließlich nicht nur Harfe spielen. Nicht, dass es zu langweilig wird.

Langweilig wirds bei 96 ja nie, Sie kennen viele Spieler. Haben die Profis denn einen himmlischen Job?
Das frage ich mich auch oft. Es sind ja junge Leute. Manchmal stelle ich mir die Frage, ob sie zu viel verdienen. Wenn ich das aber schon verdiene, dann muss ich auch meinen Job gut machen und alles geben. Das sieht leider nicht immer so aus.

Wenn Sie Oberhaupt der 96-Gemeinde wären, was würden Sie in der Abstiegsnot raten?
Man steckt doch selber oft genug in einer Formkrise. Man fühlt sich sauwohl, aber dann kommt einer und sagt, Mensch, du siehst aber schlecht aus. Natürlich muss man sich zusammensetzen, wenn es nicht läuft. Das muss ich hier in der Kirche auch machen. Man muss schon gucken, wohin soll die Reise gehen und mit wem.

Wann waren Sie zuletzt im Stadion?
Ich war beim Hertha-Spiel, auch durch den Aufruf der NP.

Haben Sie vorher eine Kerze beim Fußball-Heiligen Luigi in Ihrer Kirche angezündet?
Ja, auch gleich einen Acht-Tage-Brenner. Ich habe gedacht, das muss diesmal ein bisschen mehr sein. Es sah ja auch erst gut aus, aber ich habe mich gefragt, wie lange das gutgeht. Christian Schulz hat ja gesagt, das Tor zum 1:0 sollte einem Flügel verleihen. Dann sage ich: Da waren einige wohl in der Mauser und haben Federn gelassen.

Auch die Kirche hat Probleme mit ihren Schäfchen - wie die 96-Gemeinde mit den Fans. Wie sehen Sie die Problematik?
Eigentlich sind doch genug Fans da. Ich denke, dass ist so ein bisschen spezifisch Hannover. Wenn es läuft, bin ich dabei. Läuft es nicht, bleibe ich lieber zu Hause. Das ist auch bei der Kirche so. Macht der Papst was Tolles, kommen alle. Sagt er etwas, was den Leuten nicht passt, bleiben sie weg. Wir verstehen die Problematik, aber irgendwann reicht es auch.

Waren denn 96-Spieler bei Ihnen schon zur Beichte?
Wenn, dann dürfte ich das nicht sagen. Aber gebeichtet wird immer noch viel, meistens am Stammtisch.

Welche Bedeutung hat 96 für die Menschen der Stadt? Ist es wie eine neue Religion, ist der Verein sinnstiftend?
Eine Religion hat schon noch einen ganz anderen Stellenwert. Ich wer-de ja nicht durch 96 erlöst und bekomme auch nicht das ewige Leben geschenkt. Aber 96 hat mir schon gute Stunden geschenkt. Und das auch noch nach einem 1:1 gegen Hertha. 96 gehört zu Hannover. Manchmal wünschte ich mir nur, Hannover würde noch mehr hinter 96 stehen.

Haben Sie eine Dauerkarte?
Die hatte ich bis zum letzten Jahr, aber sonnabends sind zu viele Hochzeiten. Der Freitagtermin wie gegen Hertha passt mir besser.

Fehlt Ihnen der 96-Sonnabend?
Ich kann 96 auch mal 96 sein lassen. Es reicht mir dann, wenn der Organist mir einblendet, wie der Stand ist. Wahre Fans heiraten natürlich nach dem Spielplan.

Ist 96 eine Heimat für die Menschen der Stadt?
Ich habe wie viele Menschen eine Verbundenheit mit 96. Es gibt ja viele Fan-Gruppen. Wenn ich mit meinen 20 Leuten einen Rundruf mache, wer mitgeht, sind wir ja auch eine Fan-Gruppe. Ich habe auch schon zwei Fans beerdigt, beide waren behindert. Ich fand es bewundernswert, wie die Fan-Gruppen und die Menschen drum herum das begleitet haben. Das hat mich sehr berührt.

Ihr Job sind auch die großen Fragen des Lebens - Geburt und Tod. Ist da die Abstiegsfrage nicht eine kleines, vernachlässigbares Problem?
Vor unserem Gespräch war ich ge-rade auf dem Friedhof. In letzter Zeit sind es auch nicht gerade ältere Menschen, die gestorben sind. Ich merke, wie schnell ein Leben vorbei sein kann, was an Leid dahintersteckt. Ich vergleiche das aber nicht. Der Fußball macht mir Spaß, aber er gibt mir keinen Trost. Kirche ist Kirche, auch wenn wir viele Gemeinsamkeiten haben - bei mir war das Stadion am Sonntag voll.

Wie viele Fans sind dann beim Gottesdienst?
Zwischen 250 und 400, wir sind immer gut besucht.

Ist 96 im Gottesdienst ein Thema?
Der Spruch vor dem Schlusssegen zum Spiel darf schon mal sein. Wenn ich gar nichts sage, fällt das auf.

Ist Ihre Kirche eine Anlaufpunkt für 96-Fans?
Am kommenden Sonntag schon, da ist der Marathon, da wird es vor unserer Kirche eine Sekt- und Bierbar mit Kaffee und Kuchen geben. Dann werden viele, die mit 96 verbunden sind, kurz abgrüßen.

Wie ist das mit der verbotenen Stadt Braunschweig, gibts da Berührungsängste?
Bei einer Braunschweiger Hochzeit habe ich mal ein Hannover-Trikot überreicht. Aber die haben schnell reagiert, weil auch ein Braunschweiger Spieler eingeladen war. Der hat mir noch bei der Feier ein paar Schuhe aus Braunschweig geschenkt.

Es wird viel über den 96-Trainer diskutiert. Was können Sie ihm mit auf den Weg geben?
Es ist immer schwierig, sich in einen Trainer zu versetzen. Aber ich muss ja auch manchmal umdenken. Ich habe in der Kirche gelernt, dass es manchmal Überraschungen gibt mit Menschen, die man nicht auf dem Schirm hatte. Den Mut wünschte ich ihm, das mal auszuprobieren.


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