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Hannover 96

"Hier lasse ich meine Energie raus"

Kinder, die am Rand der Gesellschaft aufwachsen, bleiben bei kostenpflichtigen Sportarten meist auf der Strecke. 96-Sportkoordinatorin Birgit Jonak wollte diese 
Mauern einreißen und richtete den Motoriksportkurs an der Grundschule Goetheplatz ein. Hier lernen Kinder Respekt und Miteinander und bleiben in Bewegung.

Hannover. Wer hier jeden Freitag herkommt, der steht auf der gesellschaftlichen Leiter weit unten. Chancengleichheit gibt es auf diesen Stufen nicht. Es sind Kinder. Meist aus Migrantenfamilien. Andere mit nur einem Elternteil. Fast alle einkommensschwach. Oft ist ihr Leben hart und unfair. Und genau da setzt der Motoriksportkurs von Hannover 96
an, der seit vier Jahren an der Grundschule Goetheplatz angeboten wird.

Es ist Freitag. Die Schule ist seit einer Stunde vorbei, als rund 20 Grundschüler in die Sporthalle der Goetheplatz-Schule stürmen. Sie sind laut, lauter als normal. Übungsleiter Oliver Kestner (45), gelernter Motopäde, ist längst da. Die Kinder strahlen, als sie „Oli“ sehen. Er hat einen Sportparcours, der automatisch zum Bewegen anregt, aufgebaut. Hier eine meterhohe Leiter, dort eine große Matte, die an Seilen in der Luft hängt und über Kisten zu erklimmen ist. Daneben Bänke zum Balancieren, Schaukel, Matten, Bälle.

Jeden Freitag ist das für eine Stunde die Welt von Justin, Amin, Joana, Efe und auch Salko. „Hier lasse ich meine Energie raus, auch die doofe“, sagt Berfin (9). „Das ist der einzige Sportkurs, den ich mache“, erzählt Joana (8). „Dabei bräuchten vor allem diese Kinder fast täglich Sport“, sagt Karin Wenzel. Die 56-Jährige ist Sportlehrerin der Grundschule und hatte die Idee zu dem Projekt. „Selbst der größte Schulschreck wird hier handzahm. Vermutlich, weil es freiwillig ist und niemand Druck ausübt“, sagt sie überzeugt.

Vielleicht auch, weil Oliver Kestner der richtige Trainer für diese Kinder ist. „Oli ist unser Goldstück“, schwärmt Wenzel. Kestner weiß, dass diese Schüler fast alle verhaltensauffällig sind. Aber er hat die Gabe, seinen Blick nicht ausschließlich darauf zu richten: „Das sind gute Kinder, die einfach viel Förderung brauchen. Das ist oft ein langer Prozess, aber einer, der sich lohnt.“ Sätze wie diese spricht er viele. Sie sagen viel über Oliver Kestner und seinen Blick auf Menschen aus.

Dann wandern seine Augen zu Salko. Der Junge gilt als schwierig, ein typisches Problemkind. „Manchmal weiß er mit seiner Energie nicht, wohin, dann bufft er einfach ein anderes Kind“, sagt der Trainer, „hier gilt für viele sonst noch das Faustrecht. Das haben sie so gelernt.“ In diesem Moment klettert Salko auf die große hängende Matte. Gemeinsam mit Efe soll er eine Aufgabe bewältigen. „Etwas gemeinsam zu machen, aufeinander hören, sich überhaupt zu respektieren – daran war anfangs gar nicht zu denken“, erinnert sich der Trainer: „Heute klappt das meistens richtig gut!“ Dass das, was sie hier über den Sport lernen, von größerem Nutzen sein wird, glaubt Kestner fest: „Die Kinder profitieren von dem, was wir hier machen, auch für den Schulalltag und das ganze spätere Leben.“ Soziale Stärke sei eine Schlüsselkompetenz.

Salko und Efe haben die Aufgabe geschafft. Sie freuen sich – gemeinsam. Kestner feiert die Jungen. Er ist sehr zufrieden: „Diesen Erfolg zu sehen, ist für mich der beste Beweis, dass dieser Kurs Sinn ergibt.“


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