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Wir sind 96

„Es geht um die Hannoveraner“

Längst ist aus Fußball mehr geworden als die Faszination über Taktik und Tore: Das liebste Hobby vieler Deutschen ist ein enormer Wirtschaftsfaktor - davon profitieren auch Städte. Der Sport bedeutet zusätzliche Steuereinnahmen - und Hannover 96 hat mit dem Stadion auch ein Wahrzeichen für die lokale Identität geschaffen, sagt Hannovers Tourismuschef Hans Nolte im NP-Interview.

Hannover. Herr Nolte, 96 steckt in akuter Abstiegsnot. Wie 2010. Damals hatte die Hannover Marketing und Tourismus GmbH (HMTG) im März die Fan-Offensive „Gemeinsam für die 1. Liga“ gestartet. Warum kommt diesmal nichts?

Das hat zwei Gründe. 2010 war trotz der schwierigen Lage das Stadion nicht so gut besucht. Das ist heute anders. Und die Situation 2010 schien bedrohlicher, es haben sich deshalb einige Entscheidungsträger zusammen gesetzt und die Kampagne konzipiert. In diesem Jahr hat uns die sportliche Entwicklung überrascht wie offenbar viele andere auch, denn es gab keine gemeinsamen Aktivitäten.

Dann gibts in diesem Jahr also keinen Marketing-Support?

Nein, weil es, anders als 2010, diesmal keinen Austausch hierzu gab. Wir, die HMTG, sind aber auch überzeugt: 96 hält die Erste Liga.

Und wenn nicht? Welche negativen Folgen hätte dies für Stadtimage und Städtetourismus?

Die Wertschöpfung ist auch in Hannover enorm, etwa in der Gastronomie und im Einzelhandel. Städtetouristisch sehe ich keine gravierenden Auswirkungen. Maximal zehn Prozent sind überregionale Touristen, das Kartenkontingent für die Gäste ist ja begrenzt im Stadion. Die meisten 96-Fans kommen aus einem näheren Umkreis. Diese würden 96 sicher auch weiterhin begleiten. Aber die nationale Größe Hannovers würde in Frage gestellt.

Können Sie dies näher ausführen, bitte?

Eine Stadt, die in der Bundesliga spielt, ist in jeder Gazette der Welt vertreten, wenn über die Bundesliga berichtet wird. Hat das Auswirkungen auf den Tourismus? Ja, allerdings nicht gravierend. Berichte haben aber einen extremen Imagewert für eine Stadt, die in der ersten Liga spielt.

Blieben denn auch die Spiele im Europapokal aus Sicht des Tourismus ohne Nachhaltigkeit?

Wir haben langfristig keine touristischen Effekte erkennen können. Der Fan, der nach Hannover gekommen ist, war am nächsten Tag schon wieder im Flieger nach Hause. Für die Stadt hat er sich eher nicht interessiert.

Ist diese Schnelllebigkeit auch der Grund dafür, dass die HMTG in den vergangenen Jahren kaum mit Sport im Allgemeinen und 96 im Besonderen geworben hat?

Es gab es schon einige 96-Kampagnen: 2002 zum Aufstieg, 2008 zur Mitglieder-Werbung, und eben 2010. 96 ist darüber hinaus dauerhaft in unseren Werbemedien präsent. Aber: Vor fast vier Jahren wurde der Leitbildprozess für Hannover abgeschlossen. Anhand deren Erkenntnisse ist herausgekommen: Sport ist nicht das Aushängeschild für Hannover. Deshalb läuft Sport bei uns nur zweitrangig unter dem Lebensumfeld „ideale Region“. Gleiche Vorgehensweisen erkennt man auch in anderen Städten wie München oder Hamburg.

Fans beleben Stadion und Stadt, heißt es immer wieder in Wirtschaftsuntersuchungen zum Profifußball in Deutschland. Bliebe ein Bundesligaabstieg also tatsächlich ohne gravierende Folgen für Hannover?

Wirtschaftlich wäre ein Abstieg für den Verein natürlich ein Desaster. Aber da könnte 96 besser Auskunft geben. Beim Bundesliga-Fußball geht es auch um die Hannoveraner und um die Menschen in der Region, die sich mit 96 schichten- und religionsübergreifend verbunden fühlen. Das ist viel wichtiger für einen Standort als das, was von außen in einen Standort hineingetragen wird. Wer sich mit der Region, in der er lebt, identifiziert, der trägt ganz automatisch auch ein positives Bild nach außen.

Sprechen wir noch das Thema Medien an. Hannover litt lange unter einem schlechten Image. Haben Sie Sorge, dass das alte Schubladendenken bei einem Abstieg wieder hoch kommt?

Das ist zu befürchten. Wir haben im Städtetourismus starke Konkurrenz. In den vergangenen Jahren hat sich viel Neid und Missgunst gegenüber Hannover aufgebaut. Wenn eine Großstadt wie Hannover jetzt aus der Bundesliga aussteigt und eine vermeintlich kleine Stadt nachrückt, provoziert dies gewiss Spott und Häme. Aber noch mal: Ich gehe davon aus, dass wir nicht absteigen.


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