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LANGE REISE:Trainingslager in der Türkei - Mirko Liesebach-Moritz ist mit demMannschaftsbus vorgefahren.

LANGE REISE: Trainingslager in der Türkei - Mirko Liesebach-Moritz ist mit dem Mannschaftsbus vorgefahren.© Emre Yaylagülü

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Hannover 96

Er gibt Gas für den Klassenerhalt

Wer bringt die Mannschaft wirklich in Fahrt? Der Busfahrer! Mirko Liesebach-Moritz kurvt Hannover 96 seit 15 Jahren durch die erste und zweite Liga. Ein Gespräch über verbotene Städte, Abstiegsängste und DJ Neururer.

Herr Liesebach-Moritz, sind Sie mehr Fan oder mehr Busfahrer?
Ich bin natürlich schon Fan, aber in erster Linie fahre ich den Mannschaftsbus, weil es mein Job ist.

War es dennoch ein seltsames Gefühl, das erste Mal die Mannschaft zu fahren, der man sonst zujubelt?
Naja, es war ja anfangs nur die zweite Liga, da saßen nun keine Weltstars. Ich bin damals sehr gut vom Team aufgenommen worden, und dann wurde es Routine.

Das war nicht unbedingt zu erwarten - Ihr Vorgänger ist am damaligen Trainer Horst Ehrmantraut gescheitert.
Das kann ich nicht beurteilen, habe aber von Schwierigkeiten gehört. Letztlich habe ich mich dann entschieden, diesen vakanten Job zu übernehmen. Mit dem zugegebenermaßen starken Charakter Horst Ehrmantraut habe ich mich arrangiert.

Wie behandeln die Spieler Sie?
Ganz normal, freundschaftlich. Früher haben dafür Stevie (Cherundolo, d. Red.) und Altin (Lala) gesorgt, die Neuzugängen gewisse Gepflogenheiten auch im Bus erklärten. Und wir schlafen in denselben Hotels, essen am selben Tisch.

Was machen die Spieler während der Fahrt?
Einige lesen, andere gucken Filme, und damals wie heute wird hinten Karten gespielt. Direkt nach dem Spiel guckt das ganze Team im Bus eine Zusammenfassung aller Spiele.

Wer macht den DJ?
Der letzte, den wir hatten, war Peter Neururer. Der hat auf dem Weg zum Stadion immer eine CD mit Fußballliedern gespielt, die ihm sein Sohn gebrannt hatte. Inzwischen ist das natürlich längst anders, weil fast alle Spieler eigene Musik übers iPhone hören.

Gibts auch mal eine Party?
Nein. Die Spieler haben ja auch ihre Autos in Hannover am Stadion stehen. Die letzte, die wir hatten, war nach dem Rettungsspiel in Bochum 2010 - da mussten wir unterwegs noch an der Tanke halten und Nachschub holen.

An welche Kollegen denken Sie gern zurück?
An Ralf Rangnick. Und Ewald Lienen, der war wie ein Vater für mich. Neururer war Kult. Stajner und Kaufman ... (überlegt) Diese Tschechen sind ein Volk für sich. Niemals vergessen werde ich Robert (Enke). Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis, kommen beide aus dem Osten. Stevie und Altin, das sind Freundschaften, die halten.

Und wie kommen Sie mit dem aktuellen Trainer zurecht?
Wir haben ein gutes Verhältnis. Dazu gehört auch, dass man sich am Anfang kennenlernen und aufeinander einstellen muss.

Zum Beispiel?
Ach, das bleibt intern. Eins nehme ich immer für mich in Anspruch: Ich bin der Chef im Bus, aber wir finden für alles eine Lösung.

Busfahrer bei 96 - ist das ein Job, mit dem man bei seinen Freunden prahlt?
Nein. Durch die Arbeitszeiten am Wochenende bleiben einem leider nicht viele Freunde, und mit denen spreche ich über alles außer Fußball. Aber ja, es gibt Menschen, die sehr viele Fragen stellen, die wissen wollen, was der Ribéry oder Kahn für einer ist. Ich bin aber nicht der Typ, der gern quatscht.

Wie reagieren die Menschen unterwegs?
Positive Reaktionen hängen oft vom Tabellenplatz ab, wobei es natürlich grundsätzlich ein Unterschied ist, ob man durch Braunschweig oder München fährt. Wir machen uns deshalb schon vorher Gedanken, wo wir den Bus parken können. Zuletzt in Frankfurt haben wir ihn zum Beispiel untergestellt, damit in der Nacht nichts passiert. Was einfach nervt und wirklich gefährlich ist, sind Menschen, die auf der Autobahn neben uns fahren, uns ausbremsen und überholen lassen, um von allen Seiten Fotos zu schießen.

Am letzten Spieltag wurde der Bayern-Bus beschmiert - leidet man da als Kollege mit?
Ja, absolut! Das ist unser Wohnzimmer. Wenn ich so einen mal erwische ...

Jetzt geht es wieder gegen den Abstieg. Für Sie als Busfahrer würde sich wenig ändern, die Ziele sind vergleichbar.
Das ist mir auf keinen Fall egal. Die Stadt lebt von der ersten Liga! Viele Menschen, die man in der Öffentlichkeit nicht wahrnimmt, verdienen damit ihr Geld. Auch die Fans haben das nicht verdient.

Apropos Leiden: Wie übersteht man eine Busfahrt nach Belek in die Türkei? Dorthin sind Sie vorausgefahren, die Mannschaft ist mit dem Flieger ins Trainingslager nachgekommen.
Das stimmt, wir haben einen Großteil der Ausrüstung im Bus mitgenommen. Mein Job ist die akribische Vorbereitung der Fahrt: Welche Route fahre ich? Wo sind Hotels, wo kann man sicher den Bus parken? Und: Gibt es auf der Wegstrecke vielleicht einen Grenzer, den wir mit einem Trikot oder einem 96-Ball schneller überzeugen können?

Hofft man als Busfahrer auf die Europa League? Oder schreckt die lange Fahrt ab?
Ich würde gern wieder international fahren. Die zwei Jahre waren fantastisch, alle waren euphorisch, die Fans sind uns in Scharen gefolgt - ich hoffe, diese Erlebnisse kommen zurück. Mit einem Verein ist es eben wie in einer Ehe: Es gibt gute und schlechte Zeiten. Und eins steht für mich fest: Wir schaffen den Klassenerhalt, 96 bleibt in der Bundesliga.


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