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96-GARTENZWERGE: Michael Seibert mit Fan-Utensilien auf seinem Balkon in der List.

96-GARTENZWERGE: Michael Seibert mit Fan-Utensilien auf seinem Balkon in der List.© Florian Petrow

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Wir sind 96

Ein Leben in Fußball-Spieltagen

Ein Spiel reichte und er war angefixt. Der 47-jährige Michael Seibert, technischer Redakteur bei einer IT-Firma, ist seit 32 Jahren treuer Anhänger von Hannover 96. Ein Rückblick auf ein paar Partien.

18. März 1983: Hannover 96 - VfL Osnabrück 4:3 (2:3). Pep war schuld. Lange hatte der Schulfreund auf ihn eingeredet, doch mal mit ins Stadion zu kommen. „Ich habe mich lange gesträubt, damals war es noch peinlich, zu 96 zu gehen“, erinnert sich Michael Seibert. Aber gut, er kam mit. Und dann das: 0:3 nach 14 Minuten. „Das werde ich nie vergessen. Ein dicker Fan kam zu uns, sagte ,Jetzt hilft nur noch besaufen‘ und ward nicht mehr gesehen“, sagt Seibert. Er hat was verpasst, 96 drehte das Spiel und gewann 4:3. Dreifacher Torschütze: Frank Hartmann. Und die Leidenschaft bei dem damaligen 15-jährigen Seibert war da.

13. August 1983, Hannover 96 - Alemannia Aachen 0:0. Dabei war es damals eher schwer, begeisterter Fan zu sein: „Wenig Zuschauer, miese Stimmung.“ Immerhin, für fünf Mark gings ins Stadion. Da ließ man einiges über sich ergehen: „Es begannen Jahre des Leidens.“ Über den trostlosen Kick titelte die Zeitung damals: „Die öffentliche Misshandlung des Balls begann schon nach wenigen Minuten.“ Die Mappe mit alten Berichten hegt Seibert immer noch.

9. Juni 1985, Hannover 96 - Hertha BSC 2:0 (1:0). Kein Leiden, nur noch Jubel. Der Aufstieg in die erste Liga perfekt - was sich jetzt übrigens zum 30. Mal jährt: „Das war damals eine Sensation, 96 wurde als Absteiger Nummer eins gehandelt.“ Eine Woche zuvor hatte es das 2:2 bei Hessen Kassel gegeben, Seiberts erste Auswärtsfahrt. Gleich nach dem Start im Bus gab es einen kleinen Crash, eine Scheibe war komplett draußen. Egal, los gings: „Da schaute man sich als Jugendlicher schon um und dachte: Wow, was für kaputte Typen hier.“

23. Mai 1992, Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach 4:3 nach Elfmeterschießen (0:0). Jeder Fan muss sich wohl einmal im Leben entscheiden: Frau oder Fußball? Seibert entschied sich an diesem Tag für die Freundin: „Das hängt mir immer noch nach.“ Der Student hatte nur eine Karte, fuhr aber mit der Freundin nach Berlin zum legendären Pokalfinale: „Ich dachte, wir kriegen noch eine. Aber dann war ich nicht bereit, die horrenden Schwarzmarktpreise zu zahlen.“ Und er war auch nicht bereit, seine Freundin vorm Stadion sitzen zu lassen. Das Finale haben sie dann bei der Cousine der Mutter in Charlottenburg im Wohnzimmer erlebt. Und wie würde er sich heute entscheiden? „Heute würde ich den Preis für die zweite Karte bezahlen.“ Diplomatische Antwort.

2. Juni 1996, Hannover 96 - Chemnitzer FC 4:2 (1:1). Ein trauriger Sieg, der den Absturz in die dritte Liga nicht mehr verhindert: „Und das zum 100-jährigen Bestehen.“ Da waren sie wieder, die Jahre des Leidens. Die Erinnerungen sind blass: „Eine Art Selbstschutz.“

24. Mai 1998. Hannover 96 - Tennis Borussia Berlin 3:1 nach Elfmeterschießen (2:0 nach Verlängerung). Dieser Fallrückzieher! Vladan Milovanovic! „Eins der absoluten Highlights“, schwärmt Seibert immer noch. Der lang ersehnte Wiederaufstieg in die zweite Liga durch das Traumtor des Serben gegen die favorisierte Millionentruppe aus Berlin.

30. Juli 2001. Union Berlin - Hannover 96 1:1 (0:0). Na ja, man kann sich mal irren. Montagabend, Liveübertragung im DSF: „Das ist derselbe charakterlose Haufen wie im vergangenen Jahr.“ Nein, Fan Seibert hatte nach dem Auftaktspiel, wieder gequält von einigen Zweitligajahren, wenig Hoffnung. Es folgte mit Trainer Ralf Rangnick eine grandiose Saison, die in der ersten Liga endete. Eine Saison im Stehblock B 9, in einer Zeit, in der man das Bier noch im Rucksack reinschmuggeln konnte.

8. Mai 2010. VfL Bochum - Hannover 96 0:3 (0:3). Die Rettung, der Klassenerhalt: „Gefeiert haben wir das wie eine Meisterschaft. Das war das Schlimmste und Beste zugleich.“ Es war die Saison, die vom Tod Robert Enkes überschattet wurde.

23. Februar 2012. FC Brügge - Hannover 96 0:1 (0:1). Europapokalzeit! Zeit zu reisen. Nur leider gab es keine Karten mehr für den 96-Block in Brügge: „Als wir nur ein bisschen gejubelt haben, kamen belgische Fans sofort wie die Schießhunde auf uns zu. Da haben uns deutsche Polizisten in die Sicherheitszone gebracht.“ Zum Trost gab es den Sieg und was Süßes. von „Dumon Chocolatier“: „Da habe ich Schokolade für fast 100 Euro gekauft. Superlecker. Da muss ich dringend wieder hin.“

23. Mai 2015. Hannover 96 - SC Freiburg ?:?. Tja - das entscheidende Spiel, und Seibert ist nur nebenan auf dem Maschsee. Es ist Drachenboot-rennen. Und er ist der Kapitän der Karpfenverschieber: „Da kann ich nicht weg.“ Tradition verpflichtet: „Wir haben das Projekt 15 ausgerufen. Wir sind zum 15. Mal bei dem Pfingstcup dabei und wollen 15. werden. Und für 96 wär Platz 15 auch gut.“ Nein, das Boot will er nicht verlassen: „Aber verrückt macht mich das schon.“


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