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Wir sind 96

Ein Fan auf Spurensuche: 96 ist überall

Hans-Heinrich Kellner reist im Urlaub Ex-Spielern hinterher. Die sind häufig, aber nicht immer begeistert.

Hannover. Werner Lorant ist, sagen wir mal, kein klassischer Kandidat für einen frohgemuten Überraschungsbesuch. Selbst nach einem Auswärtssieg beim BVB im September 2000 bewegt sich die Laune des 1860-Trainers, dessen Team danach auf einem sensationellen dritten Platz steht, im Abstiegskampf. Und dann klingelt es auch noch an der Tür in München.

Auf der Matte steht Hans-Heinrich Kellner. Lorant kennt ihn nicht, umgekehrt aber schon. Denn wer jemals für 96 gespielt hat, hat es schwer, von Kellners Radar zu verschwinden - Lorant verteidigte in der Saison 83/84 im Niedersachsenstadion. Weshalb Kellner auch bei Lorant ist.

„Er war ein bisschen angefasst“, erinnert sich Kellner (56) heute an das Treffen. Dabei stellte er nur die Frage, die er immer stellt, wenn er bei Ex-96ern klingelt: ob er ein Autogramm und ein Foto haben könne, in der stillen Hoffnung, dass sich daraus wenigstens ein kleiner Smalltalk entwickelt. „Wenn es sein muss. Aber schnell“, sagte Lorant. Wie gesagt, der Smalltalk ist nur Bonus.

Kellner ist die etwas andere Sorte einer „aktiven Fanszene“. Hannover 96 ist sein Hobby, mindestens. Nicht Temperaturen oder die Hotelausstattung bestimmen das Urlaubsziel, sondern der Zusammenhang mit der Vereinshistorie - häufig bestimmen eben ehemalige Spieler, die er aufsuchen könnte, über die Destination. Seine Lebensgefährtin Annette Büscherhoff (52) trägt es mit Fassung: „Ich bin immer mit im Boot, ob ich es will oder nicht. Doch ich finde es gut, dass wir sein Hobby mit unseren Städtereisen verbinden können.“

Zumal die Atmosphäre auch nicht immer so angespannt ist wie in Lorants Stube. Kaj Poulsen zum Beispiel, 96-Stürmer in den 60er Jahren, habe sich im Juli 2003 richtig gefreut über den Fan-Besuch in Bredsten, einer kleinen Kirchspielsgemeinde in Dänemark. „Wir waren auf der Rückfahrt von Legoland und haben dort einfach geklingelt“, erzählt Kellner. Poulsen aber war arbeiten, seine Frau rief ihn an und schickte die Gäste aus Hannover los zu ihm. „Es ist erstaunlich, welches Vertrauen die Leute haben“, wundert sich Kellner selbst manchmal - zum Beispiel, als er in Berlin im Wohnzimmer von Horst Grunenberg, früherer Ersatztorwart bei 96, saß. Mehr als 20 Spieler hat er schon besucht: „Meistens brechen meine alten Fotos das Eis.“

Die Taktik eines Archivars. Vermutlich hat kein anderer Mensch eine bessere Aufzeichnung, mehr Fotos und Zeitungsartikel über 96. Allein die Dokumentation über alle Kader in der Vereinsgeschichte füllt rund 50 DIN-A4-Ordner mit den Daten von knapp 1000 Spielern. „Ab 1948 ist die Aufzeichnung komplett“, sagt Kellner. Derzeit recherchiert er den Torwart Ferdinand Backhaus, der bis 1906 in Hannover spielte, dann aber nach Amerika auswanderte. „Ich bin dem Sohn Fritz auf der Spur. Es ist sehr schwer, etwas herauszufinden, aber die Recherchen laufen noch“, so Kellner, der dem Verein auch schon offiziell bei dessen Ahnenforschung half. Viel Aufwand ist das alles, aber klar ist damit immerhin auch: „Ich habe so viel durchgemacht, dass mich jetzt ein Abstieg davon auch nicht abbringen kann.“


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