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SCHNITTCHENTRIBÜNE? 
Im VIP-Bereich ist es 
schick - das schließt eine 
große Leidenschaft der 
Besucher für 96 aber
 nicht aus.

SCHNITTCHENTRIBÜNE?
Im VIP-Bereich ist es
schick - das schließt eine
große Leidenschaft der
Besucher für 96 aber
nicht aus.© Florian Petrow

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Wir sind 96

Die Leiden der Logen

„Wir sind die Fans, und ihr seid es nicht“ schallt es dem Brötchenblock gelegentlich bei Heimspielen entgegen. 1500 Zuschauer fasst der VIP-Bereich. Und dabei handelt es sich tatsächlich auch um echte Fußballfans.

Hannover. HANNOVER. Sonnabend, 15 Uhr. Seit einer Stunden schon strömen sie vom Eingang Stadionbad aus in den VIP-Bereich. Nun kommen auch die großen Namen. Ministerpräsident Stephan Weil. Gesellschafter Gregor Baum. Hannovers Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette. Die Dezernentin wirkt angespannt. Noch 30 Minuten bis zum Anpfiff des Nordderbys gegen Bremen. „Ein unglaublich wichtiges Spiel“, sagt Tegtmeyer-Dette. Die Grünen-Politikerin ist seit zehn Jahren eine bekennende Rote. „Wer sagt, dass ich kein richtiger Fan bin, der kennt mich nicht“, empört sich die 54-Jährige, „das empfinde ich als Beleidigung.“ Über Politik will sie an Spieltagen nicht reden, „wenn 96 spielt, bin ich im Tunnel“.

Sekunden vorm Anpfiff sieht Eckhard Scholz sorgenvoll ins erstklassig gefüllte Rund hinaus. „Hoffentlich können wir die Klasse halten“, sagt der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen Nutzfahrzeuge, der heute ein rotes Trikot mit den Unterschriften aller 96-Stars unter der braunen Lederjacke trägt: „Flagge zeigen und sichtbar machen, wofür wir stehen“, will der Chef von 17 000 Mitarbeitern, er ist nervös: „Es geht um viel, es geht um meinen Klub.“

Halbzeit. 1:0. Der VIP-Bereich hofft auf den ersten Sieg nach 15 sieglosen Spielen. Sparkassen-Vorstandschef Heinrich Jagau gehört dazu, weil Punktverluste auch bei ihm persönlich Wirkung zeigen. „Die Abende nach schlechten Spielen sind zu Hause gefürchtet“, sagt der 61-Jährige, „ich bin so auf 96 fokussiert, dass ich drei Stunden nach Abpfiff nicht sprechen kann.“ Und wehe, 96 verliert. „Dann werde ich ungenießbar“, erzählt der Banker, der seit 1966 Fan ist.

Auch für Regionspräsident Hauke Jagau (54), Cousin zweiten Grades von Heinrich, bestimmt 96 den Verlauf eines Wochenendes mit: „Wenn 96 verliert, kann ich mir keine einzige Sportsendung ansehen, dann überlege ich ständig, was warum falsch gelaufen ist.“ Mit fünf ging der kleine Hauke zum ersten Mal an der Hand des Vaters zu 96, „die Faszination hat mich nie mehr losgelassen“.

Vorbei an Volksbank-Vorstandssprecher Jürgen Wache, der eigentlich immer da ist und an 96-Spielen weit mehr als die Halbzeit-Currywurst für schlicht unverzichtbar hält, vorbei zur größten Loge ganz hinten an der linken Seite der Westtribüne. Hier ist der Biergigant AVInBeV zu Hause. 16 Plätze, eigener Tresen mit Zapfanlage, hierhin lädt Gilde-Standortchef Andre Hilmer die Gastroszene ein. Party-Organisator Michael Rüger, Kathrin Krull, Inhaberin des „Kronsberger Hof“, Diskochefs, Restaurantbesitzer, Kneipiers. „Natürlich bin ich normaler Fan“, sagt Krull, „warum sollte ich das nicht sein. Nur weil ich hier sitze statt da hinten zu stehen“, sagt die Hotelchefin und zeigt auf die Nordkurve: „Da steht mein Sohn Johannes. Früher hat er U 14 bei 96 gespielt, jetzt sorgt er bei den Ultras für Stimmung.“ Locker gehe es in dieser Loge zu, sagt Hilmer. 50 Liter Gilde gehen über den Tresen, nach Schlusspfiff kommen auch Gastronomen, die anderswo im VIP-Bereich eigene Plätze haben wie „Nordkurve“-Chef Winfried Kirchner. „Mit mehr als 50 Leuten schauen wir die Übertragung der Pressekonferenz und alle Tore in der Sportschau“, sagt Hilmer. Auch nach dem 1:1 ist es so. Die Stimmung ist gedämpft. Viele glauben noch an den Klassenerhalt, andere sind mutlos nach dem 16. sieglosen Spiel. Aber: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so Hilmer, dessen Handy schon wieder klingelt: „Fürs Freiburg-Spiel habe ich 100 Anfragen für die 16 Plätze.“

Denn dieses eint die 96-Fans auf den „normalen“ Plätzen und den Business-Seats bestimmt: Sie sind alle Rote. Und sie wollen alle erstklassig bleiben.


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