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ER LEBT 96:
Archivar
Sebastian
Kurbach
vor den Räumen
der alten
Geschäftsstelle
an der
Clausewitzstraße.
Fotos: Petrow

ER LEBT 96:
Archivar
Sebastian
Kurbach
vor den Räumen
der alten
Geschäftsstelle
an der
Clausewitzstraße.
Fotos: Petrow© Florian Petrow

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Wir sind 96

Der 96-Archivar träumt vom Museum

Sebastian Kurbach macht das Archiv von 96 „Champions-League-reif“ - der studierte Historiker träumt von einem Vereinsmuseum.

Hannover. Wir hätten da mal eine Idee, die es zum guten Schluss sogar bis in ein 96-Museum schaffen könnte. Also: Lars Stindl - wer sonst? - schießt am Sonnabend das goldene 1:0 gegen den SC Freiburg, damit bleibt 96 in der Bundesliga. Stindl stellt danach seine ausgelatschten orangefarbenen Nike-Treter dem 96-Archivar Sebastian Kurbach zu Verfügung, der sie in den Räumen an der Clausewitzstraße direkt neben die Kopien der Meisterschale und des DFB-Pokals stellt. In der Tat hätten die Abstiegsverhinderer-Schuhe einen enormen historischen Wert - denn 96 ohne Bundesliga ist nach jetzt schon wieder 13 Jahren mit Bundesliga kaum noch vorstellbar.

Das weiß auch Kurbach. Der studierte Historiker ist seit zwei Jahren festangestellter Archivar von 96, er arbeitet die Geschichte des Vereins systematisch auf. Der 37-Jährige wälzt vornehmlich in der alten Geschäftsstelle an der Clausewitzstraße Akten und sichtet Aufzeichnungen und Unterlagen. Er lässt sich von ehemaligen Spielern beraten und helfen und geht zu den regelmäßigen Ehemaligen-Treffen, um sich Infos aus erster Hand zu holen. 96 habe eines der größten Archive in der Bundesliga, weiß Kurbach, „da sind wir Champions-League-reif“. Ein Abstieg würde daran zwar erst mal nichts ändern - aber auf Dauer können sich eben nur ambitionierte Profiklubs auch einen professionellen Archivar leisten.

Kurbach ist nicht nur 96-Angestellter, sondern auch Fan: „Früher stand ich im legendären Block H 31. Von morgens bis abends dreht sich bei mir alles um 96. Meine Freundin beschwert sich schon - aber da muss sie durch.“ Seine Doktorarbeit schrieb Kurbach selbstverständlich „zur Entstehung des Archivs von Hannover 96“. Er weiß fast alles über 96. Oder hätten Sie gewusst, dass die Bundesligamannschaft 1965 mit dem Schiff von einer 31-tägigen USA-Reise zurückkehrte? Mit dem Überseedampfer „Constitution“ der American Export Lines gings auf der südlichen Atlantikroute via Casablanca nach Genua - und dann mit dem Flugzeug nach Hannover. Neulich hat der damalige Spieler Udo Nix die Menükarte des Bordrestaurants beim Archivar vorbeigebracht, das Glas Wein an Bord kostete beispielsweise 2,20 Dollar. Auch diese Kleinigkeiten dokumentieren 96-Geschichte, freut sich Kurbach. Er weiß aber auch, worauf sein Archiv erst mal verzichten kann: „Einen Wimpel von Sandhausen haben wir noch nicht - aber den können wir uns auch irgendwann über den DFB-Pokal holen.“

Kurbach sieht seine Aufgabe im „Sammeln, Sichern und Bewahren“. Ohne seine ehrenamtlichen Helfer aus dem Verein „wäre ich als Einzelkämpfer chancenlos“. Etwa 150 neue Fundstücke kommen pro Monat rein „vom VIP-Bändchen bis zu dicken Pokalen - und jede Menge Akten“. Natürlich träumt Kurbach weiter von einem 96-Museum. Als Vorbild gilt der Hamburger SV, der als erster Bundesligist seit 2004 seine Vereinsgeschichte in einem Museum (700 Quadratmeter) präsentiert - direkt in der Arena mit Stadionführung und anschließendem Besuch des Fanshops.

Sportlich taugt der HSV im aktuellen Abstiegskampf allerdings nicht als Vorbild, er muss künftig vielleicht damit anfangen, Zweitklassiges in sein Museum zu stellen. Dann schon lieber Stindls Schuh vom goldenen Tor fürs Archiv: „Eine gute Idee“, findet Kurbach, „die WM-Schuhe von Zieler haben wir ja schon.“

3 Führungen durchs Archiv bietet 96 donnerstags zwischen 16 und 21 Uhr an. Kontakt: Sebastian Kurbach (Telefon 0511/76 069 135).


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