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Klaus-Peter und Cornelia Baxmann sind erblindet, gehören aber zu den Treuesten der Treuen in der Nordkurve. © Petrow

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Hannover 96

96 mit dem Herzen sehen

Erblindet, aber voller Eifer: Die Baxmanns fiebern in der HDI-Arena mit.

Hannover. 52 Stufen. 52 Stufen sind es vom Eingang zu Block N 15 auf der Nordtribüne runter zur Reihe 6. 52: Diese Zahl haben sich bei Klaus-Peter (55) und Cornelia (42) Baxmann ins Gedächtnis eingebrannt. Denn die 96-Fans zählen die Stufen jedes Mal in Gedanken mit, wenn sie zu ihren Plätzen in der Arena gehen. Und das machen die Dauerkarteninhaber immerhin seit über 15 Jahren. Zu jedem Heimspiel.

Warum das Zählen für Klaus-Peter und Cornelia Baxmann so wichtig ist: Das Ehepaar aus Krähenwinkel (Langenhagen) ist erblindet. Bei dem 55-Jährigen wurde eine vererbbare Augenkrankheit zu spät erkannt, seit Jahrzehnten kann der Telefonist bei einer Immobilien-Dienstleistungsfirma in Laatzen nur hell und dunkel unterscheiden. Seine Frau Cornelia ist von Geburt an auf dem rechten Auge blind, das linke Auge ist nach Sehsturz und Unfall bei drei Prozent Sehkraft. „Das ist so, als wenn man durch einen Mini-Strohhalm schaut“, sagt die 42-Jährige. Nur: Weil sie insgesamt sieben Augenkrankheiten habe, nehme sie ihre Umwelt mit dem linken Auge in der Regel nur als äußerst nebelig wahr.

Als erblindeter Fan bei einem visuellen Sport wie Fußball regelmäßig dabei zu sein, heißt für Klaus-Peter und Cornelia Baxmann, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Ohne ihre Begleitpersonen gehen die Krähenwinkeler nämlich nie ins Stadion, und die heißen Michael und Gina Küsterbeck. Vater und Tochter sind ebenfalls Dauerkarteninhaber, Michael Küsterbeck ein Freund von Klaus-Peter Baxmann aus gemeinsamen, frühen Kindertagen, als der 55-Jährige noch sehen konnte.

Die besondere Aufgabe der Küsterbecks im Stadion: Sie sind eine Art Blindenreporter, die die Spielzüge für die beiden kommentiert. Wer den Ball hat, wer ausgewechselt wird oder welche Anzeigen auf der Tafel stehen. Inzwischen haben es die Baxmanns aber auch gelernt, ein Fußballspiel akustisch zu „lesen“. „Wenn 96 ein Tor schießt oder eine Chance hatte, dann muss uns das natürlich niemand vorsagen“, sagt Klaus-Peter Baxmann mit einem Anflug von Ironie.
96 hat auch sogenannte Blindenhörplätze mit Kopfhörern (siehe Beitext), über die die Spielzüge von professionellen Kommentatoren übertragen werden. Die befinden sich auf der Osttribüne, aber auf die will sich das Ehepaar Baxmann nicht setzen. In die Nähe würden sich Polizisten und Sicherheitsleute stellen, und mit ihren Funkgeräten störten sie die Frequenz: „Da kommt der Kommentar nur abgehackt an. Also setzen wir uns lieber auf die Nordtribüne“, so Cornelia Baxmann. 96 betonte gestern, diese Probleme seien inzwischen behoben.

Ihre Plätze in Block N 15, Reihe 6 sind aber ohnehin längst so etwas wie ihr zweites Wohnzimmer-Sofa geworden. „Wir fühlen uns wohl in N 15“, sagt die 42-Jährige. Nur manchmal,
wenn die Stammsitznachbarn ihre Dauerkarte verliehen hätten, komme es schon mal zu Sprüchen wie „Ja, wo laufen sie denn?“, berichtet sie. Solche Bemerkungen nehme man gelassen: „Wir haben ein dickes Fell, solche Spackos gibt es eben.“

Es geht aber noch mieser. Auf Schalke hätten sie vor ein paar Jahren mal die Hörplätze in Anspruch genommen. Die befinden sich unter den Schalker Fans. „Fast die gesamten 90 Minuten wurden wir mit Pommes beworfen, da wir unsere 96-Trikots anhatten“, berichtet Klaus-Peter Baxmann.

All dies kann ihre Liebe zu den Roten jedoch nicht erschüttern. Bei Wind und Wetter, bei Erfolg und Misserfolg – die Baxmanns pilgern 17-mal pro Spielzeit ins Stadion, freuen sich oder leiden wie alle 96-Fans: „Die alte Liebe. Die verlässt man nicht“, sagt das Ehepaar Baxmann.


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