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Experten-Runde beim NP-Anstoß (v.l.): Dieter Schatzschneider, Jens Rehhagel, Christoph Dannowski, Otto Rehhagel, Andreas Willeke.© Petrow

Nordkurve

Anstoß: Rehhagel weckt bei 96 das Wir-Gefühl

König Otto hielt Hof beim NP-Talk: Trainerlegende Rehhagel (76) begeisterte das Publikum in der Fußballkneipe Nordkurve, weckte bei den Fans das Wir-Gefühl vorm Bayern-Kracher. Großer Applaus.

Die großen Stars besuchen am Sonnabend Hannover. Die Bayern kommen. Am Donnerstag war die größte Trainerlegende Deutschlands schon zu Gast beim 96-Talk der NP in der Nordkurve. Otto Rehhagel begeisterte das Publikum und merkte irgendwann kaum mehr, dass er über 96 sprach, als sei es seine eigener Herzensangelegenheit. „Was wir sehen wollen gegen Bayern ist doch, dass sich die Mannschaft reinhängt. Ach, jetzt rede ich schon im Wir.“
Das große Wir-Gefühl, sagt Rehhagel, sei zurzeit das wichtigste in der verfahrenen 96-Situation vor dem Bayern-Spiel. „Selbst wenn die nächsten drei Spiele verloren gehen, dann muss man trotzdem zum Verein halten“, meint Rehhagel. „Ihr seid alle in Hannover 96 verliebt. Aber dann zeigt sich die echte Liebe.“

Sturm-Ikone Dieter Schatzschneider hatte genau dieses Gefühl gegen Stuttgart vermisst. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass es kracht und zischt. Aber ich sage eines: Überall, wo das Gemeinsame ist, dort steigen die Mannschaften nicht ab.“ Dennoch macht sich 96-Chef Martin Kind „große Sorgen“, weiß NP-Redakteur Andreas Willeke. „Er ist ein bisschen auf Distanz zum Trainer gegangen.“
Das war natürlich Rehhagels Thema. Ein Trainer, der kritisiert wird? „Ich habe immer mit intelligenten Menschen gearbeitet. Der Präsident in Bremen hat mir gesagt: Trainer, jedes Mal, wenn Sie kritisiert werden, verlängert sich ihr Vertrag automatisch.“


Aber Rehhagel wurde auch ernst bei dem Thema. „Mir wurde mal gesagt, man braucht als Trainer ein dickes Fell. Da sage ich: Es gibt kein dickes Fell. Jeder ist verletzlich. Als Trainer bist du der einsamste Mensch.“ Ihm sei es immer um den „Umgang mit den Menschen“ gegangen: „Schlage nie eine Tür zu, dafür werde ich heute überall eingeladen.“


Er mahnte auch zu vorsichtigen Erwartungen bei 96: „Leute, ich sage, der beste Fußball wird da gespielt, wo das meiste Geld ist.“ Das spielt zurzeit bei den Bayern. Wer, außer Rehhagel, sollte 96 Tipps geben? „Ich bin schließlich der Trainer, der am häufigsten gegen die Bayern gewonnen hat.“ Er rät der 96-Abwehrkette, nicht zu weit ins Zentrum zu rücken auf die Außen Robben und Ribéry aufzupassen, „sonst haben die Platz und fangen an zu tanzen, solche Außenspieler haben nur die Bayern“. Mit diesen Hinweisen und einem Tipp von 3:3 entließ Rehhagel 96 in die Aufgabe gegen die Bayern.
Über die größte tatsächliche 96-Baustelle wacht König Ottos Sohn Jens Rehhagel. Als Talentchef bei 96 spürt der „eine Aufbruchstimmung im Eilenriedenstadion, das ist ein ganz großer Schritt, dass ins Nachwuchsleistungszentrum investiert wurde.“


„Eine verantwortungsvolle Aufgabe“, sagte auch der Vater, der sich selbst als „demokratischen Diktator“ bezeichnete – so führte er Griechenland 2002 zur Europameisterschaft. „Die anderen haben immer gedacht, wir brechen im nächsten Spiel ein“, erzählte Rehhagel, „ich habe den Jungs gesagt, wir ziehen das Ding durch, bevor es einer merkt.“
In der Nordkurve war es zu spüren: So ein weiser Geist tut auch de 96-Sache gut. Auf die Zuschauerfrage, ob er auch 96 trainieren würde, „gebe ich keine Antwort“. Ihm habe Pep Guardiola mal „einen Satz gesagt, der hätte von mir kommen können: Ohne deine Spieler bist du als Trainer nichts.“ Die Zuhörer dankten Rehhagel alles mit großem Applaus. So einen Andrang auf Autogramme gab es in der Nordkurve noch nie. Der Saal wartete auf ein warmes Wort von Rehhagel. Hannover liebt König Otto.


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