Navigation:

Anstoß - der NP-Expertentalk in der Nordkurve.© Petrow

|
Bengalo-Ärger

96-Chef Kind will Stehplätze abschaffen

Endlich wieder eine Europa-Woche für 96: Donnerstag
 kommt Brügge, am Sonntag Stuttgart. Aber die Problem-Fans machen immer größere Sorgen. Auch darum gings am Montag beim elften „Anstoß – der 96-Talk“ in der vollbesetzten Fankneipe „Nordkurve“.

Hannover. Der Chef redete schon vorher. Martin Kind war sauer. Richtig sauer. Denn 96-Fans hatten wieder gezündelt. Schon beim 1:0 in Berlin und nun am Sonnabend beim 1:1 in Mainz. Kind nannte „die Täter“ gestern „unbelehrbar“. Weil sie „regelmäßig gegen geltendes Recht verstoßen, zwingt uns das nun zum Umdenken“. Auf NP-Nachfrage wurde der 96-Boss konkreter: „Wir müssen zur neuen Saison noch ernsthafter darüber nachdenken, keine Stehplätze mehr zu haben, sondern nur noch Sitzplätze mit klarer Identifikationsmöglichkeit.“ Schließlich hätte 96 in dieser Saison schon 80 000 Euro Strafe gezahlt: „Preiserhöhungen sind da kaum zu verhindern. Dass damit auch die Falschen getroffen werden, müssen wir aushalten.“

Stadionchef Thorsten Meier sagte gestern Abend in der „Nordkurve“: „Die Stehplätze abzuschaffen, wäre sicher die schärfste Maßnahme. Ob wir das machen, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden.“ Das Pro
blem für 96 sei: „Wir sind in der Beweispflicht.“ Immerhin versprach Meier den friedlichen 96-Fans: „In Brügge sind wir gern gesehene Gäste.“ Nicht so wie in Lüttich – da hatten 96-Anhänger, ob friedlich oder nicht, Stadtverbot bekommen.

Karl Rothmund erklärte nochmal, warum es beim Thema Pyrotechnik keinen Handlungsspielraum gibt: „Die Vereine sind verpflichtet, das zu ahnden. Der vernünftige Fan“, so der DFB-Vize, „muss sich von diesen kriminell Handelnden trennen. Mit Vernunft ist hier nichts mehr zu machen.“

Dieter Schatzschneider sah es auf seine eigene Art: „Ich will nicht, dass die Stehplätze abgeschafft werden. Der größte Teil, der da steht, ist vernünftig.“ Was Schatzschneider nicht versteht: „Warum muss man sich vermummen, um ins Stadion zu gehen? Raus mit denen.“

Gegen Brügge soll es am Donnerstag friedlicher werden – hoffen alle. Angst vor dem Trainerfuchs Christoph Daum? „Der hat seine besten Jahre hinter sich“, weiß Schatzschneider, „und wir haben eine Mannschaft, die weiter begeistern wird – da bin ich sicher.“ Außerdem hat 96 den neuen Stürmer Mame Diouf. NP-Reporter Andreas Willeke würde ihn „Jim Rakete“ nennen – so schnell ist Diouf. Schatzschneider 
weiß: „In Mainz hat ihm Abdellaoue noch das Ding von der Birne genommen – aber er wird seine Tore machen.“

Froh war die Runde darüber, dass Zeiten, wie sie gerade Hertha BSC erlebt, in Hannover vorbei sind. Als Mirko Slomka bei 96 anfing, erinnerte sich Willeke, verlor er sechsmal hintereinander, wurde nicht gefeuert – und schaffte dann mit dem Dusel-2:1 in Freiburg die Wende. Michael Skibbe, der nun nach fünf Niederlagen in fünf Spielen rausgeflogen ist, habe zwar „kein Mitleid verdient, weil er weich fällt“, so Schatzschneider, „aber den Manager Preetz müssen sie dann auch feuern“.