Navigation:

Thomas Schaaf (Mitte) im August- Wenzel-Stadion in Barsinghausen zwischen Christian Möckel (links) und Martin Bader. Foto: Petrow

Hannover 96

Was wird aus der
 96-Führungsetage?

Karfreitagmorgen, Trainingsplatz an der Mehrkampfanlage. Wolfgang Rolff leitet das Training der 96-Profis, das letzte vor einer drei Tage langen Osterpause. Es brennt normalerweise nichts an, wenn der Co-Trainer das „Auslaufen“ nach einem Test-Match für den Chef übernimmt. Tags zuvor hatte 96 gegen St. Pauli mit 4:1 gewonnen. Aber die Summe der Ostersignale verstärkt den Verdacht, dass die Zeit von Thomas Schaaf als Cheftrainer bei 96 vorüber sein könnte.

Hannover. Die NP erfuhr: Schaaf war gestern gar nicht im Stadion, genau wie sein Vertrauter und Co-Trainer Matthias Hönerbach. Ostern ohne Schaaf – zumindest ungewöhnlich. Auf Nachfrage teilte 96 mit, Schaaf sei aus privaten Gründen nicht in der HDI-Arena gewesen, genau wie Hönerbach.

Am Donnerstag war die Mannschaft nach Barsinghausen gefahren. Schaaf auch, aber er saß nicht im Mannschaftsbus. Der Trainer fuhr auch nicht mit dem Team zurück. Co-Trainer Rolff coachte die Mannschaft, und in der zweiten Halbzeit saß sein Boss nicht einmal auf der Bank (wie allerdings auch sein St.-Pauli-Kollege Ewald Lienen). Schaaf stand auf der Tribüne zwischen Martin Bader und Christian Möckel. Cheftrainer, Geschäftsführer, Sportlicher Leiter – in der Führungsetage eiert 96 seit Wochen herum.

Nach Ostern sollen endlich Tage der Entscheidungen folgen. Die Zeit drängt, weil der Abstieg realistischerweise feststeht. 96-Chef Martin Kind hatte angekündigt, während der Länderspielpause Personalien für den Zweitligaplan zu klären – zuerst die des Trainers. Dabei sind immer noch verschiedene Szenarien möglich. Dass Schaaf weitermacht, auch in der zweiten Liga, kann sich nach den bisherigen Misserfolgen kaum jemand vorstellen.
Er versuchte alles, funktioniert hat nichts. Die früheren Nürnberger Bader und Möckel sind außerdem wegen der Transferflops im Winter heftig in der Kritik. Bei 96 gab es bisher wenig, was Vertrauen schafft in die Chefetage.

Beim aktuellen Zweitligadritten Nürnberg, erklärte der Geschäftsführer zuletzt, sehe man allerdings die erfolgreiche Arbeit des Bader-Möckel-Konzepts. „Das ist eins-zu-eins der Kader, den wir zusammengestellt haben“, sagte Bader. Aber die Kaderplanung für 96 im vergangenen Winter ging nicht auf. Deshalb bleibt es denkbar, dass ein neuer Sportdirektor mit Bader arbeiten soll, mit Möckels Unterstützung oder ohne. Bader, das wurde zuletzt deutlich, kämpft um seinen Vertrauten.

Ob Schaaf den Kampf nach den vielen Rückschlägen aufgibt? Vieles deutet auf ein Ende der kurzen Ära nach nur 123 Tagen, zehn Spielen und neun Niederlagen hin. „Dem ist nicht so“, versicherte Bader gestern der NP. Noch nicht. Der Trainer war nach dem Test in St. Pauli zwar gesprächsbereit, aber kurz angebunden. Er wurde gefragt, ob er sich entschieden habe, ob er weitermacht, in der zweiten Liga, oder ob er aufhört. Schaaf wünschte daraufhin nur freundlich „Frohe Ostern!“.

Nach Ostern könnte Rolff den Posten Schaafs für den Rest der Saison ganz übernehmen – oder A-Juniorentrainer Daniel Stendel, der als interne Lösung für eine neue 96-Zukunft steht. Bader hatte zuletzt über Stendel gesagt: „Er hat die Qualität, und es gibt doch nichts Schöneres, als einen Trainer nach oben durchzubringen.“ Viel länger auf eine Entscheidung zu warten, bringt 96 jedenfalls nichts mehr.

Dirk Tietenberg


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

NP-Sportstiftung

Wir helfen dem Sport, helfen Sie mit! Seit ihrer Gründung bei der NP-Sportgala im Januar 2007 unterstützt und fördert die Sportstiftung der Neuen Presse den Amateur- und Breitensport in der Region Hannover.