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DAS INTERVIEW: Schmiedebach spricht mit NP-Redakteur Toni Lieto in der Hotelbar.

DAS INTERVIEW: Schmiedebach spricht mit NP-Redakteur Toni Lieto in der Hotelbar.© Nigel Treblin

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NP-Interview

"Musste Slomkas Ansicht so hinnehmen"

Ex-96-Trainer Slomka warf Manuel Schmiedebach einst Unreife vor. Aber wie unreif kann einer sein, der sich nicht zu schade ist, mit Fans zu diskutieren oder Pfandflaschen mit dem Einkaufswagen zurück zum Supermarkt zu bringen? Ein NP-Interview.

Hannover. Manuel Schmiedebach, erinnern Sie sich noch an die Zug-Rückfahrt vom Spiel in Nürnberg im Mai?

Klar, sogar aus zwei Gründen. Es war die Fahrt nach meinem ersten Bundesligator, aber da gab es auch meine Unterhaltung mit den Fans.

Darauf wollte ich hinaus. Welche Erinnerung haben Sie an das Gespräch auf dem Gang des ICE?

Es ging vor allem um den Stimmungsboykott zu dieser Zeit. Ich habe den Fans gesagt, dass es mich nervt, wenn man uns Spieler ausbuht, auch dann, wenn wir Tore schießen oder sogar gewinnen. Uns wurde zudem von einigen aus der Kurve der Mittelfinger gezeigt. Da habe ich gesagt: „Leute, da könnt ihr auch zu Hause bleiben und euch das Spiel im Fernsehen anschauen.“

Ihre Gesprächspartner wirkten aggressiv, zwei waren fast zwei Köpfe größer als Sie. Haben Sie den Moment als bedrohlich empfunden?

Ich muss ja damit umgehen können, dass die meisten Menschen größer sind als ich (lacht). Nein, im Ernst: Ich fühlte mich nicht bedroht - es sind und bleiben unsere Fans. Ich konnte ja verstehen, dass die Stimmung in der Phase so kurz nach dem Spiel in Braunschweig aufgeheizt war.

Suchen Sie solche Fan-Begegnungen?

Nein, aber ich gehe ihnen im Zweifel auch nicht aus dem Weg.

Sie haben in der Diskussion energisch Klubchef Martin Kind, der für einige ein Feindbild darstellt, verteidigt. Warum lag Ihnen das so am Herzen?

Er hat viel erreicht mit 96, der Verein ist seit 2002 in der Bundesliga - das ist in hohem Maße sein Verdienst.

Verdienst ist ein gutes Stichwort. Wie ist Ihre Beziehung zu Geld?

Gut. Ich muss mir nicht jeden Monat neue Dinge leisten. Mir reicht mein Essen, das ich mir kaufe.

In den Supermarkt gehen Sie auch, um mit dem Einkaufswagen Pfandflaschen wegzubringen. Können Sie nachvollziehen, wenn sich viele Fans dieses Bild bei einem Bundesligastar nur schwer vorstellen können?

Vielleicht, aber ich finde das praktisch. Ich habe keine Lust, die Flaschen und Kästen zu tragen. Ich wohne Parterre, da kann ich mit dem Einkaufswagen direkt bis zur Küche durchfahren.

Viele schmeißen die Flaschen auch achtlos weg.

Aber wenn da 20 Euro zusammenkommen, überlegt man sich das.

Auch als gutverdienender Profi?

Mein Vater hat immer gesagt: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist die Mark nicht wert.“

Sie leben in einer Erdgeschosswohnung, haben keinen Führerschein und fahren mit der Bahn zum Training. Könnten Sie sich vorstellen, mit einem völlig konträren Profi wie Cristiano Ronaldo gut befreundet zu sein?

Natürlich. Wenn sich einer beispielsweise teure Autos leistet, finde ich das völlig okay. Das heißt doch nicht, dass er ein schlechter Mensch ist.

Wie groß ist Ihre Lust, mal wieder gegen Weltstars zu spielen?

Ich will wieder nach Europa. Ob wir das mittelfristig erreichen können, müssen wir abwarten.

Klubchef Kind spricht von einem einstelligen Tabellenplatz. Muss das der Anspruch sein für 96?

Ich denke, dass das der Anspruch jedes Einzelnen in der Mannschaft sein muss. Der Verein hat hohe Investitionen getätigt, wir als Mannschaft müssen nun schauen, dass wir das mit Erfolg zurückzahlen.

Wie können Sie der Mannschaft am besten helfen?

Indem ich die Drecksarbeit mache.

Das macht Ihnen nichts aus?

Einer muss sie ja machen (lacht). Leon (Andreasen) und ich sind prädestiniert dafür, viel für andere zu laufen und dahin zu gehen, wo es weh tut. Szabi (Szabolcs Huszti, im Vormonat nach China gewechselt) hat immer recht treffend gesagt: Die einen spielen das Piano, die anderen reparieren es.

Bei Mirko Slomka waren Sie irgendwann raus aus dem 96-Orchester, er hatte Ihnen Unreife unterstellt. Sind Sie seitdem reifer geworden?

Man reift von Jahr zu Jahr, aber ich bin kein anderer Mensch geworden. Ich musste seine Ansicht so hinnehmen. Es war schwierig für mich, dann wieder zurückzukommen ins Team.

Wie gut war der Trainerwechsel im Januar für Sie?

Das kann jeder sehen, denke ich. Wenn ich nicht verletzt war, habe ich in der Rückrunde eigentlich immer gespielt.


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