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BEIM NP-INTERVIEW: Altin Lala in Massimos Café am Steintor.© zur Nieden

96-Kämpferherz im NP-Interview

Lala: "Warum nicht Europa?"

Seit 1998 ist Altin Lala (35) als Profi bei 96, sein Vertrag endet 2011. Noch will er nicht aufhören, „wenn ich gebraucht werde“. Die NP traf sich in Massimos Café am Steintor mit dem 96-Kämpferherz.

VON DIRK TIETENBERG

Altin Lala, Didier Ya Konan nennt Sie „Patron“. Sind Sie der Vater dieser 96-Mannschaft?

Didier ist eben ein respektvoller Mann, nicht nur ein guter Spieler, sondern auch ein guter Mensch. Er nennt mich immer so, weil er weiß, dass ich schon lange hier spiele. Andere sagen das auch. Das ist nur eine Art von Respekt.

Das erinnert uns an den Film „Der Pate“. Was sagen Sie Emanuel Pogatetz, wenn Sie mit ihm im Training streiten? Du kommst in mein Haus ...

... und ich dachte, ich kann dir Vertrauen (zitiert Don Corleone aus dem Film und lacht). Ich halte wirklich viel von Hierarchie. Ich finde es gut, wenn man dem anderen Respekt entgegenbringt. Das gilt für junge und erfahrene Spieler, ob man Schmiedebach heißt oder Cherundolo.

Dabei hat man den Eindruck, dass die Hierarchie in der aktuellen Mannschaft sehr flach ist. Ich das ein Erfolgsgeheimnis?

Ich sehe das so: Jeder kann den anderen helfen. Nur Geschrei bringt nichts. Wer nur schreit, den kann ich nicht für voll nehmen. Zurzeit passt es, wir haben Qualität, wir kämpfen füreinander. Es ist kein Zufall, dass wir erfolgreich sind.

Schlägt in dieser Bundesliga-Saison „Teamgeist“ alles andere?

Ja. Auch der Trainer ist offen zu den Spielern. Er gibt allen eine Chance. Das ist nicht selbstverständlich im Fußball. Im Erfolg tendieren einige dazu, Fehler zu machen. Die macht er nicht. Was er zu sagen hat, sagt er den Spielern ins Gesicht. Das rechne ich ihm hoch an.

Dabei hatte Slomka bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr gesagt, dass er eiskalt handeln will.

Er hat seine Linie durchgezogen. Auf Dauer kam der Erfolg.

Im Abstiegskampf waren aber nicht alle Spieler auf der Linie des Trainers.

Manchmal versuchen Spieler in schwierigen Momenten abzulenken und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Das ist zu einfach und nicht in Ordnung.

Nach 13 Jahren bei 96, bedauern Sie eine Trainerentlassung besonders?

Für Andreas Bergmann war die Situation schwierig. Für ihn hat es mir am meisten leid getan. Gut, dass er noch im Verein ist. Alle anderen Trainer haben alle ihren Weg gefunden. Es ist so, dass der Trainer immer als Erster fliegt.

Nach dem Pokal-Aus gegen Elversberg musste Jan Schlaudraff auf die Tribüne, der Trainer blieb.

Das ist es eben. Im Fußball geht es schnell. Jetzt ist Schlaudraff wieder dabei. Der Trainer gibt auch Jan Schlaudraff eine neue Chance, das macht nicht jeder. Genauso wars mit Konstantin Rausch. Er war in Elversberg nicht einmal im Kader. Zu ihm habe ich gesagt, er soll seinen Job machen, hart arbeiten. Eine Woche später spielt er und macht ein Tor, in Schalke macht er noch ein Tor. Da habe ich ihm einen Schlag auf den Hinterkopf gegeben und gesagt: Siehste Junge? Das ist Fußball.

Wie viel müssen Sie denn noch arbeiten, bis der Trainer Ihnen eine Chance gibt?

Ich werde den Trainer in eine Sackgasse treiben (lacht). Nein. Ich war lange verletzt, meine Leistung ist jetzt auf einem hohen Niveau. Fallen Schmiedebach oder Pinto aus, kann ich spielen.

Sie nennen Manuel Schmiedebach den „kleinen Albaner“. Weil er Ihr Nachfolger ist?

Weil es Ähnlichkeiten gibt. Er ist ein Schlitzohr, hat eine ähnliche Statur und kann dem Gegner wehtun. Als meine Mutter zu Besuch war, haben wir Manuel in der Stadt getroffen. Sie dachte, er wäre ein Albaner.

Wenn Sie die Wahl hätten, in welchem Spiel wollen Sie unbedingt spielen wollen?

Beim HSV. In Hamburg ist immer gute Stimmung in einem der schönsten Stadien. Vielleicht auch in Dortmund.

Endet 2011 Ihr Karriere?

Ich gebe mir Zeit bis März. Dann werde ich sehen, wo ich stehe. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, noch ein weiteres Jahr zu spielen. Natürlich nur, wenn ich etwas bewegen kann, ich will nicht überflüssig werden. Aber das würde ich merken.

Bleiben Sie 96 auch im Fall eines Karriere-Endes erhalten?

Als Fußballer hast du die schönste Zeit deines Lebens. Deshalb würde ich gern noch ein Jahr spielen. Danach muss man sehen. Ich werde mit dem Präsidenten darüber sprechen. Ich würde auf keinen Fall einen Alibi-Job machen, nur eine Aufgabe, die Sinn macht.

Ist das 96-Spiel in der Zwischenzeit zu schnell für Sie geworden?

Nein. Ich habe ja einige Spiele von der Tribüne gesehen. Unsere Stürmer marschieren und die Außen. Früher mit Otto Addo und Gerald Asamoah sind wir ähnlich abgegangen. Es geht ums frühe Pressing und darum, den Ball so schnell wie möglich nach vorne zu spielen.

Weil 96 den Ball nicht halten kann wie der FC Barcelona?

So etwas wie Barcelona gibts nicht noch einmal. Diese Spielweise ist unglaublich. Das ist Fußball aus einer anderen Welt. Wahnsinn! Am Elfmeterpunkt spielen die noch Doppelpass. Ich schaue mir das an und denke, ich wäre gerne Busfahrer bei Barcelona.

Spielt 96 in dieser Saison den besten Fußball, seit Sie im Verein sind?

In der Bundesliga spielen wir einen guten Ball. Ich sehe die Kinder mit 96-Schals, die Fans sind glücklich. Ich fühle so etwas. Ich bin lange hier, aber das Interesse war nie so groß wie jetzt. Aber das Aufstiegsjahr war eigentlich das schönste Jahr. Mit Barcelona kann man das natürlich nicht vergleichen.

Fängt 96 nach 31 Punkten in der Hinrunde auch an, von Europa zu träumen?

Das war meine Angst. Bis jetzt ist das nicht so. Wir hatten mal eine gute Hinrunde mit Ewald Lienen. Dann haben Tarnat und Schröter gefehlt, die Ausfälle konnten wir nicht kompensieren. Jetzt sind wir in der Breite besser aufgestellt. Es wäre schade, wenn wir nicht so weitermachen wie in der Hinrunde.

Mal angenommen, 96 macht wirklich so weiter und spielt im europäischen Wettbewerb ...

Dann muss ich unbedingt verlängern (lacht). Wir haben einen großen Flughafen in Hannover, also können wir überall hinfliegen. Vielleicht ist es zu früh, das zu sagen. Aber warum nicht Europa? Bremen und Wolfsburg sind kleinere Städte als Hannover. Also können wir das auch schaffen.


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