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Fans von Hannover 96. Sind darunter auch Polizeiinformanten?

Fans von Hannover 96. Sind darunter auch Polizeiinformanten?
 © Körner

Landtag

Hat Polizei Informanten in 96-Fan-Szene?

In weniger als eineinhalb Jahren ist die Zahl der Fans, die die hannoversche Polizei als problematisch speichert, um mehr als ein Drittel gestiegen. Eine klare Begründung dafür bleiben die Behörden schuldig.

Hannover.  In weniger als eineinhalb Jahren ist die Zahl auffälliger Fußballfans, die von der Polizeidirektion Hannover gespeichert werden, um mehr als ein Drittel gestiegen. Möglicherweise wirbt die Polizei außerdem in Hannover gezielt Hinweisgeber unter Fans an.

Das Innenministerium hat jetzt auf eine Anfrage der FDP Landtagsfraktion zum Thema „Sicherheitslage am Fußballstandort Hannover“ geantwortet. Von Mai 2015 bis Dezember 2016 stieg in Niedersachsen die Zahl der registrierten Fans um 7,7 Prozent auf 1248 Personen. Aufgeschlüsselt ergibt sich dieses Bild: In Braunschweig sank die Zahl von 344 auf 256 (minus 34,36 Prozent). In Wolfsburg wurden aus 230 Akten noch 185 (minus 24,3 Prozent). Aber: In Hannover stieg die Zahl der registrierten Fans von 583 auf 798. Ein Plus von 36,88 Prozent in knapp eineinhalb Jahren.

Das Innenministerium schreibt zur Erläuterung, der Anstieg sei „auf verschiedene sicherheitsbeeinträchtigende Ereignisse im Zusammenhang mit Fußballbegegnungen zurückzuführen, an denen Störer mit Bezug zum Verein Hannover 96 beteiligt waren“. Dabei sei „zu berücksichtigen, dass auch bis dahin nicht in Erscheinung getretene Personen beteiligt waren“.

Außerdem will die FDP wissen, ob es stimme, dass die Polizei unter Fans gezielt nach Informanten suche. Antwort aus dem Ministerium: „Eine ,Anwerbung’ von Hinweisgebern im Fußballkontext ist keine gängige Praxis in Niedersachsen.“ Jan-Christoph Oetjen, innenpolitischer Sprecher der FDP im Landtag, übersetzt die Antwort so: „Daraus schließe ich, dass es im Einzelfall also doch passiert.“ Die Polizei könne das auch durchaus tun, sagt Oetjen, aber: „Wir kritisieren, dass die Landesregierung nicht mit offenen Karten spielt und Informationen immer nur verschwurbelt preis gibt.“

Zur gestiegenen Zahl der von der Polizei als problematisch gespeicherten Fans wüsste die FDP außerdem gerne mehr. „Wir finden diesen Anstieg in Hannover ungewöhnlich.“ Ihm seien keine Ereignisse bekannt, die das Plus erklären würden. Weder Ministerium noch Polizeidirektion Hannover wollten zu der Frage gestern Einzelheiten nennen.

Der hannoversche Strafverteidiger Andreas Hüttl, der auch Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Fananwälte“ ist, sagte am Freitag der NP: „Mir berichten Mandanten davon, dass die Polizei sie fragt, ob sie als Hinweisgeber zur Verfügung stehen wollen.“ Der Versuch des Ministeriums, „das zu verschleiern, ist seltsam“. Die gewachsene Zahl registrierter Fans sei erstaunlich, in Hamburg und Nordrhein-Westfalen seien zahlreiche gelöscht worden.

Von Dirk Altwig


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