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EIN VOLLES STADION SIEHT ANDERS AUS: Auch gegen Paderborn blieben viele Plätze frei. Für 96-Boss Martin Kind (links) ist die Stimmung in der HDI-Arena „eine Katastrophe“.

EIN VOLLES STADION SIEHT ANDERS AUS: Auch gegen Paderborn blieben viele Plätze frei. Für 96-Boss Martin Kind (links) ist die Stimmung in der HDI-Arena „eine Katastrophe“.© imago sportfotodienst

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Analyse

Hannover 96 und das Stimmungstief im Stadion

Sportlich kämpft 96 gegen den Abstieg, atmosphärisch steht Hannover schon ganz unten - in keinem Bundesligastadion ist die Stimmung schlechter.

Hannover. „Die ganze Stimmung ist eine Katastrophe“, ärgert sich der 96-Chef. Martin Kind erkennt dabei eine „unglückliche Gemengelage“. Wir dröseln auf:

Da ist zuerst die Mannschaft, die ihre Fans enttäuscht. Wenn sogar der 96-Boss sagt, „das Spiel gegen Paderborn war das schlechteste, an das ich mich erinnern kann“, kann keiner erwarten, dass die Zuschauer begeistert sind. Sie haben mächtig gepfiffen, zur Halbzeit und mehr noch nach Abpfiff.

Da sind aber auch die laut Stadionchef Thorsten Meier „30 bis 40 Stimmungskiller“, die mit ihren nervigen „Kind-muss-weg“-Rufen das Klima vergiften - selbst in für die Mannschaft heiklen Phasen, in der sie dringend Unterstützung bräuchte. „Das ist auch für uns ein Problem“, meint Meier.

Sie warten am Oberrang der Nordkurve, „bis gerade Ruhe ist, um loszulegen. Darauf pfeifen die anderen, und dann ist erst mal alles plattgemacht.“ Unbegreiflich für den Stadionchef: „Man sollte doch denken, aus der Fankurve wird die Mannschaft unterstützt.“ Wichtig noch für Meier: „Das sind keine Leute, die der Ultra-Szene zuzuordnen sind.“

Der Boykott der Ultras ist ein weiterer Grund fürs Stimmungstief. 150 bis 200 Ultras kommen zwar noch zu den Bundesligaspielen, bleiben aber ruhig - und sind nicht wie früher Stimmungskanonen, die am lautesten (an)feuern. Im Hintergrund laufen Gesprächsversuche, alle zur Rückkehr und zur Unterstützung des Teams zu bewegen - Ende offen.

Dazu kommt, dass Hannover nicht wie Dortmund oder Schalke ein alles verzeihendes Publikum hat. „Identitäten wie bei den Klubs haben wir nicht“, meint Kind.

Alles zusammen ergibt für den 96-Chef: „Die Stimmung ist nicht akzeptabel.“

Was also tun? Die Anti-Kind-Schreier „lassen wir von Ordnern ansprechen“, berichtet Meier. Was die zu hören bekommen, kann man sich denken. „So kann es jedenfalls nicht weitergehen“, meint Kind, „dabei gehts nicht um mich, sondern einzig und allein um die Mannschaft.“

Eine über Facebook organisierte Gruppe „Pro Stimmung“ von jetzt gut 100 wackeren, aber noch unerfahrenen Leuten versucht, das Klima zu verbessern. „Das können und wollen wir nicht steuern“, erklärt Meier.

Schließlich können Mannschaft und Trainer die Atmosphäre verbessern und mal wieder gewinnen. „Die nächsten zwei Spiele werden entscheidend sein“, glaubt Kind, „in Köln dürfen wir am Sonnabend auf keinen Fall verlieren.“ Sonst sinkt auch die Stimmung beim 96-Chef in gefährliche Tiefen für alle sportlich Verantwortlichen.


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