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DAMALS:Die Kapitän KarstenSurmann (rechts) und Karl-Heinz Körbel. Am17. Juni 1989gabs im letz-ten Saison-spiel ein 1:1.96 stieg ab,Frankfurtblieb amEnde über dieRelegation drin.

DAMALS: Die Kapitän Karsten Surmann (rechts) und Karl-Heinz Körbel. Am 17. Juni 1989 gabs im letzten Saisonspiel ein 1:1. 96 stieg ab, Frankfurt blieb am Ende über die Relegation drin.

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NP-Interview

Hannover 96: Surmann weiß, was Abstieg heißt

Er war der Kapitän der 96-Sensationspokalsieger von 1992: Heute leitet Karsten Surmann (56) eine Fußballschule. Er war in der Saison 1988/89 dabei, als 96 zum letzten Mal aus der Bundesliga abgestiegen ist. Auch daran erinnert sich Surmann im NP-Interview.

Herr Surmann, rechnen Sie damit, dass 96 absteigt?
Ja, leider. Wir treffen uns ja mit Ehemaligen regelmäßig zum Frühstück und diskutieren natürlich darüber. Und wir sind uns einig, dass es schon seit zweieinhalb Jahren nur noch bergab geht. Ich verstehe nicht, warum das die Verantwortlichen nicht sehen oder gesehen haben: Das sehen doch alle im Stadion, dass wir immer schlechter spielen. Vor zwei Jahren war es eng mit dem Abstieg, letztes Jahr war es ganz eng, und dieses Jahr ... Ich sehe fußballerisch nicht viel Hoffnung, wir stehen zu Recht da unten.

Die Rückrunde hat mit dem neuen Trainer Thomas Schaaf und einer halben neuen Mannschaft mit drei Niederlagen angefangen.
Jetzt sind sechs neue Leute da, dafür müssen andere weichen. Der Zusammenhalt, den man jetzt braucht und so gerne propagiert, der kann eigentlich gar nicht da sein. Man drückt die Daumen, aber mehr kann man eigentlich gar nicht machen.

In der Saison 1988/89 ist 96 zum letzten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. Sie waren dabei. Da war es ja auch sehr zeitig absehbar.
Wir hatten damals Stammspieler verloren, unter anderem Peter Hobday, da hat uns richtig Substanz gefehlt. Trotzdem war die Motivation noch da: Ich gehe raus und spiele Fußball - das ist doch das Schönste, was es gibt. Ich bezweifele, dass das bei allen heute noch genauso ist.

Was fehlt 96 heute noch?
Vor allem die Qualität. Jetzt hast du zwei neue Stürmer geholt, aber die schießen auch nicht aufs Tor. Und jetzt hoffen wir alle auf den einen, Kiyotake - ja, soll der das alleine machen?

Was hilft jetzt noch?
Okay, der Trainerwechsel ist schon ein bisschen verpufft. Thomas Schaaf bemüht sich an der Außenlinie. Ich habe manchmal das Gefühl, der macht mehr als die auf dem Platz. Normalerweise müsste man jetzt so einen Ausreißer schaffen - einen Punkt in Dortmund, Sensation! Was dann vielleicht noch ein paar Kräfte freisetzt und den Glauben daran, doch nicht abzusteigen.

1989 war es im Grunde endgültig aus nach dem 28. Spieltag, der 3:4-Heimpleite gegen den späteren Mitabsteiger Stuttgarter Kickers vor nur noch 4477 Zuschauern ...
Jeder Spieler merkt doch, ob in der Mannschaft noch was geht. Damals war es das Knackspiel. Natürlich gibst du hinterher nicht auf - aber letztendlich landest du immer wieder bei dem Thema Qualität. Und da ist 96 heruntergewirtschaftet worden. Sonst stimmt es ja, der Verein ist wirtschaftlich gesund.

Was würde ein Abstieg für Hannover bedeuten?
Nach 14 Jahren Bundesliga geht da ja auch ein Stück Lebensqualität verloren. Was machen wir dann am Samstagnachmittag? Man sieht das auch bei den Kindern, die ich trainiere: Die tragen 96-Trikots, die fiebern ja auch alle mit. Da wird es vielleicht einen Einschnitt geben.

Es heißt immer: Es ist schwieriger wieder aufzusteigen, als nicht abzusteigen. Sie sind mit 96 vor 27 Jahren abgestiegen und nicht wieder aufgestiegen. Es hat sogar 13 lange Jahre gedauert, bis 96 wieder Erstligist war.
Du musst jetzt schon einen Plan B in der Tasche haben. Ich frage mich: Kann das die neue sportliche Führung schon alles richtig einschätzen, wenn sie erst ein halbes Jahr hier ist? Was ich mich noch frage: Wo ist denn die sportliche Kompetenz im Verein? Ist das immer nur einer? Martin Kind ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, kommt aber nicht aus dem Sport. Die Strukturen, die er bei 96 in den letzten 15 Jahren geschaffen hat - das ist sensationell, wir sind da auf dem richtigen Weg. Da tut ein Abstieg natürlich richtig weh.

Entwickeln Sie, auch wenn es schwerfällt, mal ein Rettungsszenario.
Na gut: Du lässt dich in Dortmund nicht abschlachten, machst da ein gutes Spiel. Und dann musst du Augsburg schlagen, danach in Stuttgart gewinnen, dann auch gegen Wolfsburg. In Bremen, gegen Köln, in Frankfurt und gegen den HSV - der Spielplan ist eigentlich gar nicht so schlecht. Sechs, sieben Siege musst du schon noch machen. Aber da muss eine Leistungsexplosion kommen, die ich so nicht so sehe.


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