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Polizeieinsatz beim Bayern-Spiel: 96-Fans gingen gegenseitig aufeinander los.© Ulrich zur Nieden

Bundesliga

Hannover 96: Polizei muss Fan-Streit schlichten

Jetzt beschimpfen sich die Zuschauer schon gegenseitig! Anfeindungen, Wortgefechte, Pöbeleien, Drohungen – während des Debakels gegen die Bayern gabs großen Fan-Stress bei 96, sogar die Polizei schritt ein.

Hannover. Einige Anhänger in der Nordkurve sind so sauer auf Martin Kind, dass sie während des Spiels mehrmals riefen: „Kind muss weg“. Jedes Mal bekamen sie dafür die prompte Quittung, 96-Fans auf den übrigen Tribünen pfiffen die Kind-Kritiker aus. Das wiederum stieß anderen 96-Fans sauer auf, sie tadelten diejenigen, die die eigene Anhängerschaft auspfiffen.

Alles war so emotional, dass sich Handgreiflichkeiten anbahnten, Fans beschimpften sich in ihren Blöcken über mehrere Stuhlreihen hinweg. Die Polizei marschierte auf, unterband Schlägereien. Das Spiel geriet zur Nebensache.

Auch „Kind-muss-weg“-Plakate wurden im Nord-Oberrang ausgerollt. Die übrigen Zuschauer pfiffen nicht nur, sondern riefen im Gegenzug „Ultras raus!“. Die Mehrheit duldet die Anti-Kind-Parolen nicht, das wurde am Sonnabend deutlich.

Eines eint die Fans: Die Sorge um 96. Nach zwei Jahren im Europapokal ist seit Monaten ein Abwärtstrend erkennbar, die Mannschaft hat ihren Zauber verloren. Der Verein gab zudem ein fürchterliches Bild ab durch den Manager-Trainer-Zwist, der in der vergangenen Woche in der Trennung von Jörg Schmadtke endete. „Jörg Schmadtke, du bist der beste Mann“ skandierten Fans während des Bayern-Spiels, es gab ein Plakat „Danke, Jörg“.

Die Schmadtke-Trennung, der Maßnahmenkatalog, Einbahnstraßen-Dialoge bei den Pyro-Debatten: Die Kind-Kritiker kreiden dem Klubchef viele Dinge an und fordern den Rücktritt des Mannes, der seit 1997 mit einer kurzen Unterbrechung an der Spitze des Vereins steht.

Die Anfeindungen hatte Kind „erwartet“, er reagierte gelassen darauf. „Damit muss man leben, wenn man Entscheidungen trifft“, sagte er, „aber ich bin überzeugt, dass die Entscheidungen, die ich getroffen habe, richtig und notwendig waren. Dass sie nicht geliebt werden, überrascht mich nicht.“

Trainer Mirko Slomka nannte die Fangesänge „unpassend“, erstmals gabs sie nach einer Viertelstunde. Bizarr: Genau in dem Moment traf Lars Stindl zum 0:1 ins eigene Tor. Verunsichert war das Team wegen des Fan-Stresses nicht, sagte Verteidiger Christian Schulz: „Die Tumulte haben wir mitbekommen, aber nicht, was genau abgelaufen ist.“


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