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Jörg Schmadtke versuchte beim Spiel in St. Pauli, die aufgebrachten 96-Fans zu beruhigen.

Jörg Schmadtke versuchte beim Spiel in St. Pauli, die aufgebrachten 96-Fans zu beruhigen.

Meinung

Hannover 96: Gewalt bedroht das Image

Schlägereien und Pöbeleien, alles nur aus Provokation? Die Ultras von Hannover 96 machen abseits des Platzes von sich reden - und werden für den Verein langsam zum Problem, schreibt hier ein jahrelanger Fan.

Es gab in dieser Saison viele Gründe, auf Hannover 96 stolz zu sein. Nicht nur auf die Mannschaft, auch auf die Fans. Beim Spiel gegen die Bayern saßen wir fast neben dem Gästeblock - dennoch dröhnten die Hannover-Rufe in unseren Ohren, so dass niemand Zweifel haben konnte, wer hier in diesem Stadion das Sagen hatte. 96 und sein Umfeld scheinen in diesen Momenten reif für Größeres.

In St. Pauli saßen wir in der obersten Reihe im Gästefanblock, als zehn Meter unter uns einige Fans auf Ordner einschlugen. Die Sicherheitskräfte waren eingeschritten, weil bengalisches Feuer entzündet wurde. Die Polizei folgte wenig später, die Tumulte wurden größer. Das Spiel musste kurz unterbrochen werden. Es hatte ein bisschen was von Dynamo Dresden, dritte Liga.

Einige Fans sprachen von Provokationen seitens der Einsatzkräfte. Und überhaupt sei der Verbot von Pyrotechnik ein Angriff auf die wahre Seele des Fan-Daseins - so ähnlich konnte man es auch auf Flugblättern im Heimspiel gegen Mainz lesen. In St. Pauli schien deutlich: Wer anderer Meinung ist, kriegt Gegengewalt.

Schon häufiger drängte sich in der Vergangenheit der Verdacht auf, dass die Hemmschwelle mit jedem gewonnenen Punkt weiter sinkt. Nur mit Schlagstöcken konnte die Polizei am Wochenende verhindern, dass ein wütender Fan-Mob im Umsteigebahnhof in Uelzen auf wartende Pauli-Fans losging. Danach musste die Einrichtung eines ICEs dran glauben. So viel zum Thema Provokation.

Ich gehe gerne und häufig ins Stadion. Ich juble, klatsche und singe mit. Pyro-Technik ist mir egal, und ich glaube, dass das den meisten im Stadion ähnlich geht. Gewalttäter prügeln nicht für irgendwelche höheren Werte, sie tun es aus Dummheit, und sie sollten dafür in den Genuss kreativer Strafen kommen - und nur sie. Zurzeit leidet der ganze Verein unter den Chaoten: Das gerade mühsam aufgebaute überregionale Image droht mit den Faustschlägen zertrümmert zu werden.

Nun denn, schlagen wir zurück. Ideen gibt es. Zuletzt war als Strafe der Idiotentest im Gespräch. Nomen est omen.


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