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Mainz-Manager Heidel

Europa-League? "Lange nicht so interessant"

Hannover 96 gegen Mainz 05 - am Samstag ist das Endspiel um die Europapokal-Spiele. Mainz-Manager Christian Heidel erklärt im NP-Interview, warum die Europa League kein großer Anreiz ist.

Von Andreas Willeke

Christian Heidel, Sie waren Geschäftsführer eines Autohauses. Was haben Sie da für den Job als Bundesligamanager gelernt?

Auch in diesem Geschäft ist es von Vorteil, wenn man eine gescheite Menschenkenntnis hat. Und es schadet allgemein sicher nicht, wenn man ein bisschen mehr kennt als nur das Fußballgeschäft.

Sie machen seit 19 Jahren einen tollen Job, trotzdem reden alle nur von den Mainzer Trainern, ob die nun Klopp oder Tuchel heißen. Sind Sie nicht der unterschätzteste Manager der Liga?

Ich kann damit sehr gut leben. Natürlich war Kloppo das Gesicht von Mainz 05, das wurde von mir ja nicht unwesentlich gefördert. Und Thomas Tuchel steht natürlich auch sehr im Rampenlicht. Wichtig ist aber, dass wir intern wissen, wie das hier in Mainz abläuft.

Wie läuft es denn ab?

Man kann es an einer Tatsache festmachen. Beim Abschied von Kloppo haben alle gesagt, jetzt ist das mit Mainz vorbei. Wir sind aber ohne Kloppo sogar noch erfolgreicher geworden. Man sieht daran, der Verein ist nicht von einzelnen Personen abhängig. Das ist auch unser oberstes Ziel. Wenn der Trainer versucht, etwas an dem zu ändern, was Mainz 05 ausmacht, wird es problematisch. Das haben wir 2009 erlebt mit Jörn Andersen.

Fünf Tage vorm Saisonstart haben Sie Thomas Tuchel zum Cheftrainer gemacht. Auch diese kurios wirkende Entscheidung passte. Können Sie erklären, wie Sie mit wenig Geld so viel richtig machen?

Wir müssen immer versuchen, besser zu sein, was die Auswahl der Spieler und Zusammensetzung der Mannschaft angeht. Wir hatten dabei das Glück, dass wir bei Spielern, die Geld kosten, in den letzten Jahren nie einen Flop hatten. Geld kosten heißt bei uns, wenn einer mal 300 000 Euro kostet, und das kam in der Vergangenheit nicht so häufig vor. Wir achten auch sehr auf charakterliche Dinge. Da gibt es stundenlange Gespräche, mit dem Spieler, seiner Familie, um den Typen wirklich kennenzulernen. Wenn die Charaktere gut zusammenpassen, die natürlich auch gut kicken müssen, kann auch in Mainz etwas passieren wie in dieser Saison. Aber wir haben keine Garantie darauf. Die besten Spieler werden uns auch in Zukunft immer mal wieder verlassen. Das ist von uns eingeplant und teilweise auch forciert, wie jetzt bei André Schürrle. Aus ihm machen wir sieben, acht neue Spieler, die seine Ablöse alleine finanziert.

Leverkusen zahlt etwa zehn Millionen für Schürrle. Wollen Sie sich als Ausbildungsverein profilieren?

Wir versuchen, der Verein der hochtalentierten 18- bis 23-Jährigen zu sein. Wir sind nicht der Traumverein für alle 18-Jährigen, aber wir können eine überragende Durchgangsstation sein. Wir haben einen sehr guten Fußballlehrer, der die Spieler besser macht.

Wenn Sie nächste Saison Ihren Gesamtetat um 20 Millionen auf 54 Millionen steigern – sind da auch Europa-League-Millionen eingeplant?

Wer mir erklärt, wo die vielen Millionen aus der Europa League herkommen sollen, der ist ein Großer. Die Europa League ist lange nicht so interessant, wie viele glauben. Wer über Platz fünf jubelt, kann sechs Wochen später schon gegen den Tabellendritten der Ukraine ohne wirtschaftlichen Gewinn ausgeschieden sein. Viel wichtiger ist der Platz in der TV-Geldtabelle. Da bedeutet jeder Rang, um den man klettert, etwa 750 000 Euro mehr.

Ist Ihr Ziel, mit Mainz nun dauerhaft oben mitzuspielen?

Nein, unser Ziel wird auch nächste Saison der Klassenerhalt sein. Das Allerwichtigste ist, dass in den Köpfen keine Träumereien entstehen. Das wird man den Leuten in Hannover sicher auch sagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass 96 von null auf 100 durchstartet und regelmäßig um internationale Plätze spielen kann.

Wirds in Hannover ein Endspiel um Platz vier?

Nein, sicher nicht. Wenn Hannover gegen uns gewinnen sollte, ist zumindest die Europa League sehr nahe. Wir haben weiterhin alle Chancen, denn es gibt danach noch genug Spiele. Weil ich aber mit Mirko Slomka befreundet bin und ihn sehr schätze, gönne ich ihm und Jörg Schmadtke die Europareisen. Am liebsten wäre es mir aber natürlich, wenn wir beide unterwegs sind.


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