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96-Scout Dieter Schatzschneider, hier mit Martin Kind, erklärt, warum Hannover 96 für Talente  leider nicht erste Wahl ist.© zur Nieden

Interview

„96 für Talente leider nicht erste Wahl“

Warum fällt es 96 so schwer, begehrte Nachwuchsfußballer an sich zu binden? 96-Scout Dieter Schatzschneider erklärt es im NP-Interview.

Hannover. Herr Schatzschneider, was dachten Sie, als Niclas Füllkrug am Sonnabend für Bremen eingewechselt wurde?

Es ist schade, dass so ein Mann nicht bei 96 spielt. Aber da wurde früher einiges verkehrt gemacht. Die damals Handelnden hätten mit aller Macht versuchen müssen, so einen hannoverschen Spieler zu 96 zu holen.

Mertesacker, Rosenthal, Rausch – die Liste der Talente aus der Region, die zuletzt bei 96 zu Profis geworden sind, ist kurz. Woran liegt das?

Sicherlich ist es so, dass 96 für Talente leider nicht erste Wahl ist. Das muss man mal deutlich sagen. Erste Wahl sind Vereine, die ein Internat haben, was ich auch gut verstehen kann. Wir sind in der Eilenriede (Standort des Nachwuchs-Leistungszentrums, d. Red.) sehr bemüht. Ich finde, seit zwei, drei Jahren erzielen wir Super-Ergebnisse. Wir haben eine große Zahl an Talenten, bei denen wir aber aufpassen müssen, dass die uns nicht von der Fahne gehen.

Die sportliche Perspektive ist da: 96 spielt im Europapokal. Sind die Rahmenbedingungen der Haken?

Absolut, das ist unser Hauptproblem. Aber ich finde, dafür, dass wir eher schlechte Rahmenbedingungen haben, machen wir es gut. Wir haben hochkarätige Talente, um die uns ganz Deutschland beneidet. Ob wir sie halten können, ist eine andere Frage. Wir haben sechs Leute in unserem außergewöhnlichen 96er-Jahrgang, die – ähnlich wie Füllkrug – die Perspektive haben, mal in der Bundesliga zu spielen. Zwei davon sind schon Jugendnationalspieler, Tim Dierßen und Niklas Teichgräber. 

Fallen Ihnen vielversprechende Talente aus der Region ein?

Ganz ehrlich: Es gibt da ein 13-jähriges Riesentalent aus Havelse, von dem ich fest behaupte, dass es alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen wird. An dem Jungen bin ich jetzt seit einem Jahr dran. Ich wünsche mir, dass er zu uns kommt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er nach Bremen ins Internat geht, ist höher.

Wie frustrierend ist das?

Ziel von 96 muss es sein, diese Talente immer an sich zu binden. Ich will keine Gastfamilie vor den Kopf stoßen, aber ein Internat ist für die Kids nunmal am besten, weil sie da unter sich sind und auch Freundschaften pflegen können.

Vielleicht hat 96 ja bald auch ein Internat …

Ich freue mich sehr, dass Martin Kind das in Angriff nimmt. Aber ich kann nicht von ihm verlangen, dass er gleich morgen 20 Millionen Euro lockermacht, weil andere in Hannover die Entwicklung verschlafen haben. Ich übe keinerlei Kritik an den jetzt Handelnden, sondern das wurde eindeutig vorher verbockt, da wurde jahrelang gepennt. An erster Stelle steht aber immer die Profimannschaft, das muss ich betonen.

Wann wird 96 den Rückstand aufgeholt haben?

Es wäre erstmal wichtig zu wissen, wo wir landen. In der Eilenriede, auf dem Messegelände oder doch an einem ganz anderen Standort? Und ich brauche kein Internat mit 25 Betten wie etwa in Wolfsburg. Mir würden zehn reichen. Da muss dann die Elite rein.


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