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Mauritius

Den Göttern sei Dank

Kleine Insel, große Toleranz: Auf Mauritius ist Platz für jede Religion.
 Viele Götter, viele Gesichter: Auf Mauritius funktioniert das Nebeneinander der Religionen.

Viele Götter, viele Gesichter: Auf Mauritius funktioniert das Nebeneinander der Religionen.

© iStockphoto/Patrick Laverdant

Port Louis. Sie war gestern schon hier, und morgen wird sie auch hier sein. In der Prüfungszeit kommt Shaheenah Banou Bibi jeden Tag in den kleinen Gebetsraum. Sorgfältig zieht die 15-jährige Schülerin ihr Tuch über dem Haar straff, stellt sich vor den Bildern der Propheten-Enkel Hassan und Hussein auf und betet flüsternd für gute Ergebnisse.

Vor besonders schwierigen Aufgaben formuliert sie ihre Bitten auch schon mal ein wenig lauter, sie will sicher sein, dass sie auch wirklich Gehör findet. Denn von nebenan dringt laute Musik in den kleinen Raum – scheppernder Hindi-Hip-Hop vom Band. Durch einen Türspalt zieht der strenge Geruch von Räucherstäbchen. Die hinduistische Gemeinde bereitet seit Tagen ein Fest zu Ehren Shivas vor. Nur eine dünne Wand trennt das geschäftige Treiben von der stillen Andacht.

In Vacoas – rund 60 Kilometer von Mauritius’ Hauptstadt Port Louis entfernt – verehren Moslems und Hindus seit mehr als 50 Jahren ihre Schöpfer unter einem Dach. Und damit nicht genug: Auch die Tamilen beten im selben Haus zu ihrem Gott. Das ist trotz der großen Toleranz auf Mauritius auch hier einmalig.

„Für mich ist das nichts Besonderes. In Frieden miteinander zu leben, das ist unsere Mission“, sagt der Hindu Sudu Randanikum und breitet beseelt lächelnd seine Arme aus. „Leider haben wir hier im Ort nur wenig Christen, sonst würden wir aus unserem Haus ein religiöses Zentrum machen.“ Und auch die junge Muslima Shaheenah Banou Bibi findet: „Warum sollten wir nicht Tür an Tür beten? Wir sind doch schließlich auch im Ort Nachbarn.“

Mauritius, von Holländern, Franzosen und Engländern nacheinander kolonisiert, zeigt heute, wie eine multikulturelle Gesellschaft funktionieren kann: Von den knapp 1,3 Millionen Einwohnern sind mehr als die Hälfte Hindus, ein Viertel ist katholisch, 16 Prozent sind Muslime und eine kleine Minderheit von zwei Prozent Buddhisten. Von Adventisten bis zu den Zeugen Jehovas sind mehr als 80 Glaubensgemeinschaften und Konfessionen auf der Insel im Indischen Ozean eingetragen. Zu den Nationalfeiertagen auf Mauritius gehören das christliche Weihnachtsfest, das hinduistische Maha Shivaratree (Die große Nacht Shivas), das chinesische Neujahrsfest, der Unabhängigkeitstag und das Opferfest der Moslems.

Es ist nicht unbedingt ein Miteinander, aber ein akzeptiertes Nebeneinander der Religion. Die Gruppen bleiben unter sich, Mischehen gibt es kaum, man lässt sich in Ruhe, akzeptiert einander. Trotz dieser Bevölkerungsstruktur ist die Insel, mit 2000 Quadratmetern Fläche gerade zweieinhalbmal so groß wie die Stadt Hamburg, von inneren Unruhen weitgehend verschont geblieben. Die Menschen hier gelten als besonders tolerant, aufgeschlossen, freundlich.

Die meisten Touristen buchen eine Woche Luxusurlaub in einer der zahlreichen Nobelherbergen der Insel. Gleich 40 Fünf-Sterne-Hotels gibt es auf der Insel – zwei weitere werden zurzeit gebaut, vier sind zudem in Planung. Ausgezeichnete Küche, exzellente Golfplätze, erstklassige Wellnessangebote, Logieren mit Blick aufs Meer, Traumstrand inklusive – Luxus ist hier Standard. Vor allem die Gäste aus dem europäischen Ausland, die auf der Insel ihre Ferien verbringen, verlassen ihre Hotelanlage im Schnitt nur ein bis zwei Tage.

Dabei gibt es auf der Insel mitten im Indischen Ozean mehr zu sehen als Strand vor der Hoteltür. Auf kleinstem Raum offenbart sich eine höchst vielfältige Landschaft: Bizarre Steilwände erloschener Vulkane erheben sich im zentralen Hochland gegen den blauen Himmel, ein reicher Teppich üppig tropischer Vegetation bedeckt Berge und Ebenen, die kilometerlange Küste besteht zum größten Teil aus Sandstränden, Taucher finden in der Unterwasserwelt faszinierende Korallengärten. Vom Cap Malheureux im Norden bis Souillac an der wilden Südküste wiegt sich Zuckerrohr im Wind.

Mauritius ist ein Paradies, wie es im Katalog steht

Tausende Menschen aus aller Welt kommen jedes Jahr hierher, um sich das Versprechen fürs Leben zu geben, buchen ein Stück himmlische Kulisse – in der Hoffnung auf das ewige Liebesglück. „Erst vor Kurzem hat eine Hochzeitsgesellschaft mit 450 Leuten am Strand gefeiert“, erzählt Sudu Randanikum stolz, während er zwei betörend duftende Blumenketten um eine Götterfigur wickelt. „Alle Menschen lieben Mauritius“, sagt der Hindu und zeigt lächelnd seine schneeweißen Zähne.

Was würde er den Touristen außer den Stränden empfehlen? „Das ist nicht so einfach.“ Sudu Randanikum wackelt mit dem Kopf. „Die einen mögen vielleicht den Trubel in der Hauptstadt Port Louis, wollen an der Waterfront oder auf dem Markt einkaufen, die anderen sind vom botanischen Garten in Pamplemousses begeistert oder vom Zuckermuseum gleich in der Nähe“, sagt der 52-Jährige. „Für mich ist der wichtigste Ort Grand Bassin.“

Dieser Kratersee ist für alle Hindus der Insel der heiligste Ort auf Mauritius – eine der bedeutendsten Pilgerstätte des Hinduismus außerhalb Indiens. Shiva selbst soll den See erschaffen haben. Als er mit dem heiligen Wasser des Ganges in seinen Händen über die Erde flog, hat er ein paar Tropfen verloren, so heißt es. Sie wurden zum Grand Bassin.

Und so strömen jedes Jahr im Februar oder März Hunderttausende Hindus weiß gekleidet und oft barfuß zum Maha Shivaratree, zu Shivas großer Nacht am heiligen Wasser. Auch Sudu Randanikum aus Vascos pilgert zum Grand Bassin. Für den 52-Jährigen, der noch nie in seinem Leben die Insel verlassen hat, ist das jedes Mal eine aufregende, weite Reise. Die junge Muslima von nebenan registriert genau, wenn Maha Shivaratree mit seinen Glaubensbrüdern unterwegs ist, sagt Shaheena Banu Bibi. „Dann ist es hier so still, dass man sein eigenes Flüstern versteht.“

Katrin Schreiter


Anreise
Condor fliegt regelmäßig von Frankfurt/Main nach Port Louis, Air Mauritius fliegt ab München über Paris. EU-Bürger benötigen für die Einreise nach Mauritius kein Visum.

Beste Reisezeit
Die Jahreszeiten in Mauritius sind den europäischen entgegengesetzt. Mauritius hat aufgrund der Äquatornähe ein tropisch-warmes maritimes Klima mit zwei Jahreszeiten: heiß und feucht von November bis April und warm und relativ trocken von Mai bis Oktober.

Unterkunft
Edel:„Maradiva Villas Resort & Spa“, Flic en Flac an der Westküste, DZ/F ab 530 Euro. www.maradiva.com
Gediegen: „Heritage Awali Gold & Spa Resort“, Domaine de Bel Ombre, DZ/F ab 204 Euro. www.heritageawali.mu
Erschwinglich: Ferienwohnungen und Gästehäuser gibt es ab 150 Euro pro Nacht für zwei Personen. www.mauritius-ferien.de
Günstig: Hostel gibt es schon ab zehn Euro pro Nacht. www.ehostel.de

Weitere Informationen
www.tourism-mauritius.mu


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