Die Hindenburgschleuse in Hannover-Anderten kann am Tag des offenen Denkmals im September besichtigt werden.
Schließlich ist der Mittellandkanal die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands und verknüpft die großen Flüsse Rhein, Weser und Elbe von West nach Ost miteinander. Doch nur wenige Flusskreuzfahrten führen an Hannover vorbei.
Reinhard Smolczinski kennt sich aus: Er ist Betriebsleiter des bedeutendsten Wasserbauwerks von Hannover und bereits seit mehr als drei Jahrzehnten fast täglich vor Ort. „Geschlossen haben wir nur an Weihnachten und Neujahr“, sagt er und schmunzelt. Gemeinsam mit derzeit elf Mitarbeitern kümmert sich der Beamte des Wasser- und Schifffahrtsamts Braunschweig in drei Schichten rund um die Uhr um den Betrieb der Hindenburgschleuse. Sie ermöglicht es Schiffen mit einer Länge von bis zu 225 Metern, zwölf Metern Breite und 3,5 Metern Drempeltiefe, ein Gefälle von fast 15 Metern mühelos zu überwinden – und das bereits seit 84 Jahren.
Entstanden ist das massive Bauwerk aus wasserundurchlässigem Eisenbeton und Klinker bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihr Namensgeber ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg, der die ehemals für Schleppzüge konstruierte Schleuse am 20. Juni 1928 feierlich eröffnete und damit den Schiffsverkehr bis Peine und Hildesheim möglich machte. Heute durchfahren mehr als 17 000 Schiffe jährlich die beiden Schleusen- becken, das sind 50 bis 60 pro Tag. „40 000 Kubikmeter Wasser benötigen wir für eine Schleusung“, erklärt Smolczinski. Drei Viertel davon werden in insgesamt 100 riesigen Kammern in den Wänden der Becken gespeichert, ein Viertel wird jedes Mal neu hinzugepumpt.
Auf dem Mittellandkanal herannahende Schiffe nehmen über Funk Kontakt in die Steuerbrücke auf, die sich zentral über den Kammern befindet. Smolczinski und seine Kollegen teilen ihnen mit, in welche der beiden Schleusen sie einfahren können. „In beiden Becken sind Berg- und Talfahrten möglich“, sagt der Betriebsleiter. Ist das Schiff in der Schleuse, schließt sich das Tor. Der Wasserspiegel wird über Durchlässe am Fuß der Kammerwände Stück für Stück angehoben oder abgesenkt, die Kammern leeren oder füllen sich. Meter für Meter – wie in einem Aufzug – steigt das Gefährt nach oben oder unten und kann von dort seine Reise fortsetzen.
Sigrid Krings
| Wussten Sie's? |
| Das Angebot an Schnupperkreuzfahrten steigt. Die kurzen Seereisen werden vor allem von Menschen gebucht, die noch keine längere Kreuzfahrt unternommen haben. So können sie sich mit der Schifffahrt vertraut machen. Quelle: Report 2011/2012 des European Cruise Council (ECC) |