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Tour de Bissendorf

Landessportbundchef Reinhard Rawe genießt die Natur

Hier wiehert ein Pferd, dort muht eine Kuh. Trecker statt Skatern. In der Luft liegt ein feiner Hauch von Gülle. Die Tour de Bissendorf ist eine Landpartie. Die Pfützen sind noch ein wenig matschiger, größer und tiefer, die Wege menschenleerer als in der Stadt.
Landessportbund-Direktor Reinhard Rawe auf seiner Tour in der Wedemark

Landessportbund-Direktor Reinhard Rawe schätzt es, dass er auf seiner Tour in der Wedemark die Strecken meist für sich allein hat.

© Florian Petrow

Dafür ist die Strecke vielfältiger und naturbelassener als jeder City-Parcours. Genau das ist es, was Reinhard Rawe (49), Direktor des Landessportbundes, an den Laufstrecken der Wedemark schätzt. „Die Naturverbundenheit und Einsamkeit“, sagt er. „Ich laufe gern für mich alleine.“ Heute nicht – die NP begleitet ihn auf seiner Hausstrecke.

Start der Tour ist an der Michaeliskirche in Bissendorf. Es regnet, schon den halben Tag. Für Rawe kein Problem. „Ich laufe zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter“, sagt er. „Manchmal zwinge ich mich nach einem Abendtermin noch zu laufen – egal, ob es schon Mitternacht ist.“

Der Mann ist fit. Das Tempo, dass der 49-Jährige für den Zwölf-Kilometer-Rundlauf vorlegt, ist zügig. „Meine Laufleistung ist genauso schnell wie vor 30 Jahren“, sagt Rawe, der Sport, Germanistik und Politik studiert hat. Richtung Wennebostel geht es an Bauernhöfen und Wiesen vorbei. Das Eisstadion am Rande von Mellendorf ist ein markanter Punkt der Strecke. Nur etwa hundert Meter an der Hauptstraße entlang – dann folgt wieder Natur pur.

  ZITAT
  Es ist wunderbar, der Natur zuzuschauen.
  Reinhard Rawe, Direktor des Landessportbundes

Felder, Wald und Wiesen, Gräben, Tiere. „Es ist einfach wunderbar, der Natur zuzuschauen“, sagt Rawe. „Wenn ich im Frühling einmal die Woche an dieser Stelle vorbeilaufe, sehe ich förmlich, wie der Raps wächst.“ Der Lenz lässt noch auf sich warten. Dennoch, der Ausblick ist auch an diesem grauen Sonnabend im April bemerkenswert: Hasen hoppeln übers Feld. Ein Dutzend der sonst so scheuen Rehe traut sich aus dem Wald.

Da könnte man glatt die körperliche Anstrengung vergessen. So ist das Laufen für Rawe auch „Stressbewältigung, ein Ausgleich zur Arbeit. Es ist entspannend.“ Dreimal die Woche schnürt er seine Joggingschuhe. Er variiert seine Läufe nach Länge und Strecke, mal acht Kilometer kurz, mal 20 Kilometer lang.

Mittlerweile blinzelt die Sonne durch die aufgerissene Wolkendecke. „Herrlicher Sonnenschein, wunderbar“, schwärmt Rawe. Nach etwas mehr als elf Kilometern verheißt das Ortsschild Bissendorf das baldige Ende der Strecke. Im Dorf riecht es jetzt nach Kaminfeuer. Die Badewanne und das Sofa in greifbarer Nähe – doch die plötzliche Steigung auf der Burgwedeler Straße, vorbei an wunderschönen Fachwerkhäusern hinauf zur Kirche, reißt zurück in die Realität. Und wer es mit trockener Kehle und wackligen Beinen nicht mehr bis zum Gotteshaus schafft, kehrt einfach ein paar Meter vorher auf ein kühles Getränk beim Italiener ein.

Rawe schafft es. Natürlich. Er schaut auf seine Armbanduhr: zwölf Kilometer in 60 Minuten – Fünfer-Schnitt. „Das ist ganz in Ordnung.“

von Simon Lange


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