Tradition pur: Nico Kerastas in seinem „Minoas“ – das Lokal in Bothfeld gibt es seit 31 Jahren
Bothfeld .
Ambiente
Von der Podbi aus ist das „Minoas“ bestens ausgeschildert, auch dank der auffälligen Außen-Deko lässt sich das Restaurant inmitten eines Wohngebietes gut finden. Drinnen scheint die Zeit ein bisschen stehengeblieben – so wie die Uhr an der Wand, die vermutlich schon seit langem 17.41 Uhr anzeigt. Dunkle, wuchtige Holzbalken tragen die Decke, wir sitzen unter einem Baldachin aus bunter Glasmalerei. Überall steht, hängt oder liegt griechischer Nippes. Modern wirkt das Ambiente nicht, was außer uns aber niemanden zu stören scheint.
Publikum
Selbst an einem verregneten Sonntagabend im Januar ist der große Speiseraum mit seinen 130 Plätzen (im Sommer kommen in dem Biergarten an der Straße noch einmal 80 Außenplätze dazu) gut gefüllt. An elf Tischen wird gequatscht, gelacht und gegessen, altersmäßig ist alles dabei: Eine große Runde aus drei Generationen speist im „Minoas“, eine junge Familie, einige Pärchen, Freunde, die zum Bier ihre E-Zigaretten genießen. Das ist in dem Nichtraucher-Lokal offensichtlich erlaubt.
Service
Eine Griechin, eine Iranerin, eine Brasilianerin – drei Bedienungen mit drei Nationalitäten kümmern sich um uns. Anfangs wirkt der Service freundlich-gelangweilt, tatsächlich ist er aber zurückhaltend-aufmerksam. Getränke kommen sofort, die Vorspeisen nach zehn, die Hauptgerichte nach 25 Minuten. Der Ablauf ist nicht zu hektisch, nicht zu langsam – genau so soll er sein. Schon mit den Getränken gibt es zwei Ouzo aufs Haus. Im Schnapsglas und ohne Wasser – typisch deutsch.
Essen & Trinken
Die Speisekarte als vielfältig zu bezeichnen, ist noch untertrieben. Bis 158 sind die Positionen durchnummeriert. Es gibt zwei Suppen, 13 Vorspeisen, vier Platten für zwei, neun Klassiker, neunmal Lamm, sieben Pfännchen und vieles, vieles mehr. Zu allen Hauptspeisen gibt es einen Salat vom Buffet, das viel Frisches und nichts Außergewöhnliches aufweist. Abgesehen vielleicht von Rosenkohl, den wir beide aber nicht mögen. Meine Frau entscheidet sich als Vorspeise für Melizanosalata (4,90 Euro), die Auberginencreme ist eine prima Wahl. Drei kleine Häufchen, gut gekühlt und mit genau dem rauchigen Aroma, das beim Pürieren des Gemüses entsteht. Mein Zaziki (3,90 Euro) ist etwas enttäuschend. Zu warm und für meinen Geschmack zu knoblauchhaltig.
Die Suflaki (10,90 Euro) versöhnen mich – auch wenn sie in Griechenland anders auf den Teller kommen. Dort sind Souvlaki kleine, auf Holzspießchen ge-steckte Schweinewürfel ohne Beilage, hier bedeutet Suflaki: ein Teller mit vier großen Stücken auf Eisenspieß, Pommes, Tomatenreis und roter Sauce. Bei einem klassischen Griechen, der seit 31 Jahren seine Kunden findet, hatte ich es auch so erwartet und werde nicht enttäuscht. Das Fleisch ist saftig und gut gewürzt, der Reis schön fest, die Sauce angenehm scharf. Meine Frau ist mit dem Mykonos-Teller (für 14,50 Euro kein Schnäppchen) nicht ganz so zufrieden. Der Filetspieß ist etwas trocken geraten, die Röstkartoffeln schmecken (zu) sehr nach Fritteuse. Immerhin: Das Gyros-Fleisch ist zart und so lecker wie der rote Hauswein (0,2 Liter für 3,90 Euro).
Fazit
Überraschendes darf der Gast im „Minoas“ nicht erwarten. Aber wer gerne viel Frisches und Klassisches auf dem Teller hat, wird in Bothfeld von Gründer-Sohn Nico Kerastas und seinem Team handwerklich ordentlich verköstigt.
Besonderheiten
Für Kinder geeignet
Hunde willkommen
Zahlung: bar, EC, Visa und Mastercard