Mit Anspruch: Jürgen Wißmann bietet gehobene Küche im Le Chalet.
List / Vahrenwahld.
Ambiente
Die Einrichtung wirkt zurückhaltend. Jürgen Wißmann hat zunächst das alte Le-Chalet-Mobiliar übernommen. Die Wände sind hingegen frisch in Beige gestrichen und sollen einen Kontrast zur dunklen Holzoptik des Tresens und der Wandleisten schaffen. Bilder aus der Irma-la-Douce-Reihe der Künstlerin Cathy Beck und frische Gerbera in Vasen auf den Tischen sorgen für Farbtupfer. Die Fensterbänke sind mit großen Muscheln dekoriert. Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass dem Interieur der letzte Feinschliff fehlt, den die Gäste gehobener Gastronomie erwarten. Angekündigt ist immerhin, dass die Fassade des Hauses sowie die Toiletten demnächst renoviert werden.
Service
Mit der zuvorkommenden Bedienung beginnt ein gelungener Abend. Wir werden freundlich begrüßt und an unseren Tisch geführt. Die Jacken werden uns selbstverständlich abgenommen. Der Service ist während des ganzen Abends aufmerksam und nimmt sich auch Zeit für einen charmanten Plausch.
Essen und Trinken
Der Gruß aus der Küche ist ein guter Appetitanreger: Uns wird auf einem großen Löffel geräucherte Forelle auf einem Pumpernickeltaler serviert. Dazu kommt frisches warmes Weißbrot mit Schinkenwürfeln und Butter.
Als Vorspeise wählen wir eine Hummer-Karottencreme-Suppe mit Jakobsmuscheln und Frühlingstrüffeln (9,50 Euro), deren einzelne Bestandteile sich sehr gut herausschmecken lassen und die gut harmonieren. Gerade die Muscheln sind eine hervorragende Ergänzung zum Hummer-Karotten-Geschmack.
Der bisherige gute Eindruck setzt sich bei den Hauptgerichten fort. Das gebratene Zanderfilet (23,50 Euro) ist fest, aber auch saftig, die Haut anständig kross gebraten. Anstatt der geschmorten Dillgurken bestellen wir Pfifferlinge in Rahmsauce – kein Problem für die Küche. Der heimliche Star des Gerichts ist aber die Beilage: Elsässer Krautravioli. Ein Geschmackserlebnis der Extraklasse.
Als weitere Hauptspeise wählen wir ein Fleischgericht mit dem hübschen Namen „Dialog vom US-Beef und geschmortes Bäckchen vom Iberico-Schwein“ (25,50 Euro). Auch dabei stoßen wir wieder auf Außergewöhnliches: Die geschmorten Bäckchen vom Iberico-Schwein zergehen fast auf der Zunge und haben das typische Aroma, das sich ergibt, wenn die Tiere hauptsächlich mit Eicheln gefüttert werden. Dazu gibt es ein zartes Rinderfilet, das rosa gebraten und damit innen noch angenehm saftig ist. Die Beilagen – gerahmte Pfifferlingen, getrüffelte Karotten und Rosmarinkartoffeln – ergänzen das Gericht bestens.
Zum Essen trinken wir zum einen den Aimery Chardonnay (4,80 Euro), der das Versprechen hält, fein-fruchtig nach Aprikose und Vanille zu schmecken. Außerdem nehmen wir einen Côte du Rhône (4,90 Euro) mit Aromen von dunklen Beeren, der etwas schwerer ist und damit gut zum Fleisch passt.
Fazit
Das Le Chalet bietet hervorragendes Essen und hat das Zeug, mehr als ein Geheimtipp zu sein. Jürgen Wißmann schafft es, seine Menükarte mit überraschenden Zusammenstellungen und Zutaten aufzuwerten.
Ist es das Geld wert? Das Le Chalet bietet gehobene Küche mit Hauptgerichten ab 20 Euro – das ist aber keineswegs zu teuer für das, was in dem Restaurant serviert wird. Ein Super-Tipp für den besonderen Anlass.
Besonderheiten