Kinderlieb: Daniel Grabe kommt bei jungen Gästen gut an.
Ambiente
Das Restaurant, das einst ein Toilettenhäuschen war, besteht aus einem halbrunden Raum mit großer Glasfront. Die Tische sind schön eingedeckt, alles macht einen aufgeräumten, offenen Eindruck. Die Dekoration ist herbstlich – mit Kastanien, Blättern und viel Kerzenlicht. Das „Saison“ hat noch einen weiteren Raum, eine Art runden Wintergarten nach vorne zur Marienstraße hinaus, nicht ganz so edel, aber hier sind wir unter uns – für Familien ideal. Begeistert packen unsere Kinder (1, 6, 10) ihr Malzeug aus, können auch mal aufstehen und etwas lauter reden, ohne dass sich die anderen Gäste gestört fühlen.
Publikum
In unserem Séparée bekommen wir von den anderen Gästen (viele Pärchen jeden Alters) nicht so viel mit – und die nicht von uns. Aber als unser Einjähriger vorwitzig stiften geht, um im Hauptrestaurant nach dem Rechten zu schauen, bekommt er dort so viel Zuspruch, dass er am liebsten immer wieder dorthin flitzen will. Das spricht für eine tolle, kinderfreundliche Atmosphäre.
Service
Unser Kellner, Daniel Grabe, ist ein Phänomen: Der junge Mann wirft den ganzen Laden, ist sehr aufmerksam, wirkt nie gestresst und hat immer einen fröhlichen Spruch auf den Lippen. Obwohl wir abseits vom Hauptrestaurant sitzen, hat uns Grabe gut im Blick. Besonders gut kann der junge Mann mit den Kindern, er spaßt mit ihnen, berät sie bei der Getränke- und Essensauswahl, ermutigt sie zu Neuem: Für das Probieren des Amuse Gueule (Kürbis und Pilze) verspricht er ihnen eine Überraschung. Er überredet sie, mal eine Kräuterbionade (2,50 Euro) zu trinken, das selbstgemachte Pesto für die Pastasorte Strozzapreti bringt er in einem Extra-Schälchen, damit die kleinen Gourmetkritiker es erstmal testen können. So viel Entgegenkommen tut gut. Auch wir Erwachsenen kommen nicht zu kurz. Bei fast allen Gerichten kann man zwischen einer kleinen und großen Portion wählen, der Wein ist großzügig eingeschenkt.
Essen & Trinken
Die Speisekarte orientiert sich an den saisonalen Angeboten, alles wird frisch zubereitet. Trotzdem gibt es keine langen Wartezeiten. Das Essen wird zügig und zusammen serviert. Die Tagliolini schmetcken unserem Großen bis zur letzten Nudel, die erwähnten Strozzapreti mit Pesto kommen gut an. Die Kinderportionen sind in der Größe perfekt und werden zu unserer Überraschung jeweils nur mit 3,50 Euro berechnet.
Für uns Erwachsene gibt es einen vegetarischen Flammekuchen (8,20 Euro) – im Herbst ein Muss, vor allem ein Genuss. Der Teig ist dünn, am Rand knusprig und weich im Inneren. Die Rinderbäckchen mit Speckrosenkohl (18,90 Euro) – eine gute Männerportion – sind verführerisch zart. Sehr lecker ist das beigelegte Kartoffel-Möhren-Püree – der Vater muss aufpassen, dass ihm sein Jüngster nicht vor lauter Begeisterung alles vom Teller stibitzt. Die Schokoladen-Brûlée mit Rotwein-Birnenkompott setzt das i-Tüpfelchen auf das gelungene Mahl. Auch die Weine – Bickensohler Steinfelsen Grauburgunder und Saint-Chinian Clos Bagatelle (jeweils 0,2 Liter für 5,80 Euro) – passen gut und sind wohltemperiert.
Kinderfazit
Es ist falsch zu glauben, dass Kinder immer viel Brimborium und zu jedem Gericht Pommes brauchen, um glücklich zu sein. Im „Saison“ gibt es zwar keine Kinderkarte, aber die Küche macht (fast) alles möglich. Und zeigt den jungen Gästen auch schmackhafte Alternativen auf. Für unsere jungen Kritiker ist der „Saison“-Besuch ein gelungener Abschluss ihrer Herbstferien.
Elternfazit:
Die herzliche Atmosphäre begeistert uns ebenso wie das Essen. Unsere Nachfrage nach einem Kinderstuhl wird prompt erledigt. Wir hatten Malzeug dabei, aber Bilderbücher und Ähnliches sind auf Nachfrage vorhanden. Das Séparée ist so groß, dass auch ein großer Kinderwagen abgestellt werden kann. Angrenzend an das Restaurant ist ein öffentlicher Spielplatz mit Klettergerüsten und Bolzplatz.
Besonderheiten