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Tschechische Küche

Im „Prager Hof“ macht man Genießern den Hof

Volle Teller, köstliche Fleischgerichte, faire Preise: Das sind seit Jahrzehnten gute Argumente für einen Besuch im „Prager Hof“.
Jaroslav Gottwald in seinem „Prager Hof“.

Eine Institution: Jaroslav Gottwald betreibt den „Prager Hof“.

© NANCY HEUSEL

Zooviertel. Und ein wenig merkt man das der Ausstattung auch an. Das Ambiente ist sehr plüschig und zeichnet sich durch warme Farben und allerlei Deko, wie Kunstblumen, Porzellanpüppchen und Kerzenhalter, aus. In Vitrinen stehen geschliffene Gläser und Likörflaschen, Spiegel vergrößern den verwinkelten Raum, der viele Nischen bietet. So sitzt man mittendrin und hat dennoch seine Privatsphäre. Im Sommer kann man in der schönen Gellertstraße auch draußen sitzen. Im Augenblick stehen vor der Tür zwei mit Lichtketten verzierte Zelte: Unter einem warten Biergartentische auf wärmere Zeiten, unter dem anderen stehen für Raucher Aschenbecher und Kerzen bereit.

Publikum
Ein windiger Wochentag im Januar – und der „Prager Hof“ ist voll besetzt. Geschäftsleute lassen sich die deftige böhmische Küche schmecken, außerdem treffen sich ein zehnköpfiger Sportverein, viele ältere Stammgäste sowie zwei junge Paare mit Kleinkindern. Auf die Frage, ob sein Lokal immer so voll sei, antwortet der Kellner: „Mal ist es leer, mal so voll, dass ich die Leute wegschicken muss – es ist verrückt.“ Also: besser reservieren!

Service
Mit dem großen Ansturm wurde an diesem Abend jedenfalls nicht gerechnet – ein Kellner und eine Kellnerin müssen Gas geben, um alle Wünsche ihrer Gäste zu erfüllen, ohne sie lange warten zu lassen. Da bleibt wenig Zeit für einen Plausch am Tisch, was atmosphärisch gut zu dem Traditionslokal passen würde. So erledigen die beiden ihre Aufgabe freundlich, aber eilig. Was am Ende auch dazu führt, dass wir mit einem anderen Tisch zusammengebongt werden und eine handschriftliche Rechnung bekommen.

Essen & Trinken
Fleisch, Knödel, Kroketten, Spätzle, Prager Schinken mit Setzei, Bratkartoffeln, Sauerkraut – die Speisekarte des „Prager Hofs“ ist die perfekte Lektüre für alle, die es im Winter deftig mögen. Aktuell werden neben dem umfangreichen Standard auch Ente und Gans mit Rotkohl und Klößen (um 15 Euro) angeboten.

Wir beginnen mit einer Leberknödelsuppe (drei Euro), pikanten Schnecken (5,50 Euro) und einer Portion Topinky (1,50 Euro), das sind geröstete, mit Knoblauchbutter beriebene Roggenbrotscheiben. Das Süppchen hat ein gutes, kräftiges Rindsaroma, auch die Mini-Leberknödel schmecken lecker. Gut für kalte Tage: Die kleine Portion heizt schön ein. Die sechs Schnecken sind delikat: Sie kommen in einer Knoblauchsauce und mit Käse überbacken auf den Tisch, und die Sauce ist so lecker, dass wir sie mit dem Weißbrot vollständig aufdippen. Ganz einfach, aber supergut sind die Topinky – das Roggenbrot ist außen kross, innen weich und perfekt mit Knoblauch und Petersilie gewürzt.

„Svickova – Perle der Kochkunst“ nennt sich eines der Hauptgerichte verführerisch. Dahinter verbirgt sich eine üppige Portion von in Wein gebeiztem, gespicktem Rinderlendenbraten mit Sahnegemüsesauce, böhmischen Semmelknödeln und Preiselbeeren – was für erstaunlich günstige 10,50 Euro angeboten wird. Das Fleisch wird dem blumigen Titel des Gerichts in jeder Weise gerecht: Es ist so zart, dass man es mit der Gabel teilen kann, die Preiselbeeren geben ihm eine fruchtige Note. Die Sauce ist dezent sahnig, viel mehr schmeckt man frisches Gemüse heraus. Einziges Manko sind leider die böhmischen Knödel, auf die wir uns besonders gefreut haben. Der Küchenklassiker ist, zumindest an diesem Abend, äußerst trocken und ein wenig fad geraten.

Noch ein Klassiker, nicht nur der österreichischen, sondern auch der böhmisch-tschechischen Küche, ist der Tafelspitz (10,50 Euro). Im „Prager Hof“ wird er nicht aus Kalb-, sondern aus Rindfleisch gekocht, und das gelingt dem Koch ebenso perfekt wie beim Rinderlendenbraten – der Tafelspitz ist auf den Punkt gegart und butterweich. Dazu gibt es bissfeste Karotten und Brokkoli, Bouillonkartoffeln und reichlich Krensauce, die – untypisch für Meerettich – angenehm mild ist. Zu diesem Essen schmeckt natürlich ein Original-Budweiser (0,4 Liter für drei Euro), der Cabernet Sauvignon (0,2 Liter für vier Euro) ist solide.

Das Dessert – das wir angesichts der Portionsgrößen nur noch aus Neugier bestellen – ist leider kein krönender Abschluss: Die Powidltascherln (mit Pflaumenmus gefüllte Teigtaschen, vier Euro) hätten definitiv mehr von der leckeren fruchtigen Füllung verdient gehabt.

Fazit
Kleine Schwächen bei Knödeln und Dessert sind in Anbetracht des Gesamteindruckes schnell vergessen. Der „Prager Hof“ bietet köstliche Küche zu einem erstaunlichen Preis-Leistungs-Verhältnis.

[Julia Braun]

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