Modern: Vassili Vassilou hat das „Bianco“ in Hemmingen eröffnet.
Hemmingen.
Ambiente
Vassili Vassilou ist Grieche – und dennoch seit Jahren für ausgezeichnete italienische Küche bekannt. Mit Gattin Flavia (sie ist Italienerin) führt er das „Castello“ in Herrenhausen. Aber Vassilou kennt keine Grenzen. Erst übernahm er das Rick’s im Freizeitheim Ricklingen, nun will der Gastronom am Hemminger Rathaus feine italienische Küche etablieren. Das „Bianco“ schafft den Spagat zwischen edel und modern.
Der Weinschrank aus Holz ist ein Hingucker, wie auch der Bilderrahmen an der Decke, dessen Hintergrundlicht die Blicke anzieht. Die Stühle sind bequem, die Tische haben den nötigen Abstand, die LED-Lichttechnik mag manchem zu fahl wirken. Aber „Bianco“ heißt ja nicht nur „weiß“, sondern auch „blass“.
Publikum
Schon kurz nach der Eröffnung reichen die Plätze kaum. Was diesmal auch an einer 55-köpfigen Geburtstagsgesellschaft liegt – ein echtes Luxusproblem. Die Gäste, meist mittleren Alters, sind gut gekleidet und haben Zeit für ein genussvolles Dinner mitgebracht. Die Atmosphäre ist angenehm – auch wenn der Geräuschpegel der Gesellschaft grenzwertig ist.
Service
Der zuvorkommende Kellner hat Spaß an der Arbeit und sein Handwerk gelernt, unter anderem im Castello und im Basil. Auf nichts müssen wir (zu) lange warten, Wasser wird oft nachgeschenkt, das Essen immer von rechts angereicht. Zurückhaltend, aber engagiert – so mag es unser Sechsertisch. Auch Chef Vassilou erkundigt sich mehrmals nach unserem Befinden.
Essen und Trinken
Die Speisekarte ist üppig bestückt: sieben Vorspeisen, zwei Suppen, drei Salate, zehn Pasta-Gerichte, neun Pizzen, siebenmal Fleisch, Steaks und Filet extra. Siebenmal Fisch, dazu eine zweiseitige Empfehlungskarte und zwei Menüs. Uff, das macht die Wahl richtig schwierig. Den Gruß aus der Küche muss man nicht wählen, der kommt automatisch: Süßkartoffelpüree mit Kalbsleber. Meine Frau und ich sind keine Leber-Fans, aber dieses zarte Stückchen schmeckt auch uns.
Wir teilen uns eine Vorspeisen-Platte (Antipasti Vitrina, elf Euro), die appetitlich an den Tisch kommt. Ein Baukasten mit neun Nischen – gefüllt mit Austernpilzen, Artischocken, Hühnchen, Tomate/Mozzarella, scharfem Sellerie und anderen Kleinigkeiten. Zum Teilen eher ungeeignet, und große Überraschungen sind auch nicht drin – solide ist das richtige Wort. Pizzabrot als Gratis-Gabe stimmt uns auf die Pasta ein.
Meine Rigatoni Pollo (elf Euro) sind ein Gedicht: Hähnchenfilet mit Parmaschinken, Erbsen in Salbeicreme mit Pecorino-Spänen. Fein abgeschmeckt, gut portioniert, das schmeckt bis zur letzten Gabel. Meine Frau hats ähnlich gut: Tagliatelle Amalfi – hausgemachte schwarz-rote Bandnudeln mit Zucchini, Flusskrebsen und Jakobsmuscheln. Exquisit und mit 12,50 Euro perfekt im Preis. Ein Blick zu den Freunden: Überall Nicken, die Pasta war sechsmal ein Volltreffer.
Dazu schmecken ein frisches Hasseröder (0,4 Liter 3,80 Euro) und ein vollmundiger Montepulciano Indio (0,2 Liter für fünf Euro). Das locker-leichte Tiramisu (fünf Euro) rundet den Besuch ab, so lecker kann ein Sonnabend sein.
Fazit
Sie werden auch in sechs Monaten immer einen Tisch im „Bianco“ vorbestellen müssen. Das Restaurant wird ein Renner.