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Robert Beck serviert vegetarische Leckerbissen im Restaurant „Hiller“ in der List.

Robert Beck serviert vegetarische Leckerbissen im Restaurant „Hiller“.© Christian Behrens

Vegetarische Küche

Hiller

Das „Hiller“ bietet vegetarische Küche. „Fleisch ist mein Gemüse“-Anhänger sollten das Restaurant in der List mal probieren.

Ambiente
Der Namenszug an der Tür und auf den Speisekarten ist schnörkelig. Er stammt aus dem Jahr 1955 – das „Hiller“ war damals Deutschlands erstes vegetarisches Restaurant, Hannover die Speerspitze einer Bewegung, die fleischlosen Genuss und ethischen Lebensstil in den üppigen Wirtschaftswunder-Zeiten predigte. Denn Geo Hiller führte nicht nur das Lokal, sondern brachte auch die Zeitschrift „Der Vegetarier“ heraus und gründete die Vegetarier-Union. Die heißt heute Vegetarier-Bund (VEBU) und hat ein Büro Tür an Tür mit dem Restaurant, das noch immer eine Möhre im Logo trägt. An den Wänden des „Hillers“ hängen alte Schwarz-Weiß-Fotos aus den Anfangstagen des Lokals, als es noch revolutionär war, statt Braten Rohkost zu servieren. Orange getünchte Wände, altmodische Lampenschirme, große Spiegel, geraffte rosa Vorhänge an der Front zur Straße – die Atmosphäre im „Hiller“ ist ein wenig betulich, das Restaurant wirkt, als wäre es in den 80ern stehen geblieben. Ach ja, einen Raucherraum sucht man hier natürlich vergeblich.

Publikum
Der Frauenanteil ist hoch. Am Nebentisch tagt ein Stammtisch, die acht Damen diskutieren angeregt. Ein Tisch ist reserviert für die Frauen, die ein Stockwerk höher einen der Yoga- oder Qi-Gong-Kurse besucht haben und extrem entspannt wirken. Ältere Ehepaare, Familien – die Tische sind gut besetzt, und wer Mitglied im VEBU ist, bekommt zehn Prozent Ermäßigung. Jung, szenig und hip ist das Publikum zwar nicht unbedingt, aber die „Hiller“-Besucher wirken auch nicht wie missionarische Überzeugungstäter, die gelegentliche Fleischesfreuden als politisch unkorrekt verdammen würden. Hier gehts um Genuss. Vegetarier-Vorurteile kann man also getrost an der Tür abgeben.

Service
Unser hilfsbereiter Kellner steht uns zur Seite und erklärt geduldig, welche Art von Fleischersatz „Seitan“ eigentlich ist („Wird aus Weizenmehl hergestellt“) und woher die „Waerlandplatte“, die hauptsächlich aus Rohkost besteht, ihren Namen hat („So hieß ein schwedischer Ernährungsreformer“). Aha. Are Waerland kurierte übrigens mit Karotten, Sellerie und einem speziellen Getreidebrei seine chronischen Magenprobleme und Kopfschmerzen. Viele Gerichte im „Hiller“ können im
Übrigen auch vegan zubereitet werden – also ohne Eier und Milchprodukte.

Essen & Trinken
Arabische, asiatische und mediterrane Einflüsse – die „Hiller“-Speisekarte ist abwechslungsreich. Nur beim Datum ist sie nicht ganz auf der Höhe: „Oktober bis November“ steht auf der ersten Seite, die saisonalen Einflüsse bei den Zutaten haben aber auch bei unserem Besuch kurz vor Weihnachten noch Bestand. An die bestimmt (roh-)köstliche Waerlandplatte (7,50 Euro) trauen wir uns nicht, obwohl sie mit Pell- oder Bratkartoffeln serviert wird. Was mein männlicher Begleiter mit Galgenhumor kommentiert: „Von irgendwas muss man ja satt werden.“ Wir starten mit einer Rohkost-Vorspeise (3,20) und stellen uns auf harte Arbeit für die Kiefer ein: Aber Möhren, Kohlrabi, Radi und Kohl kommen nicht als harte Sticks, sondern als geschmeidig angemachte Raspel-Hügel in verschiedenen Geschmacksnoten. Sehr lecker, und durchaus nahrhaft.

Der Buchweizenpfannkuchen mit Avocado-Tomaten-Salat (7,70) ist zwar leider kalt, sein opulentes Innenleben aber umso erfreulicher: Die Tomaten schmecken nach Sommer, die Avocado ist schön fest, das Salat-Dressing würzig. Das Kichererbsencurry (8,20 Euro) wird mit Couscous serviert, der milde Weichkäse im Bierteig ist die Krönung – eine gelungene Kombination aus arabischen und französischen Elementen. Noch überzeugender sind aber die Gemüsevariationen mit super-knusprigen Bratkartoffeln und einem handtellergroßen Soja-Steak (9,25 Euro). Die scharfe Dijonsenf-Soße schmeichelt Bohnen, Brokkoli und Blumenkohl, die sanften Biss haben. Der winterliche Grünkohl passt prima dazu, das Soja-Steak ist ein körniger Buletten-Ersatz. Das macht pappsatt. Und auch der Mann am Tisch hat nichts zu meckern.

Ist es das Geld wert?
Gesund, günstig, gut für das Gewissen.
Zahlung in bar und mit allen Kreditkarten möglich

Fazit
Wer braucht schon Schweinebraten und Gänsekeule, wenn vegetarische Küche so raffiniert ist. Sogar „Fleisch ist mein Gemüse“-Anhänger sollten es mal probieren.

Besonderheiten

  • Für Kinder geeignet
  • Hunde willkommen
  • Zahlung in bar und per EC möglich

Das Restaurant „Hiller“ in Hannover-List im Branchenführer


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