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AMBITIONIERT: Tony Hohlfeld nimmt seine Gäste im Jante mit auf eine Erlebnisreise durch die Welt der Aromen. Die Gerichte sind nicht riesig – aber groß im Geschmack.

AMBITIONIERT: Tony Hohlfeld nimmt seine Gäste im Jante mit auf eine Erlebnisreise durch die Welt der Aromen. Die Gerichte sind nicht riesig – aber groß im Geschmack.© Frank Wilde

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Internationale Küche

Das Jante zündet Aroma-Raketen

In der Küche der „Ole Deele“ in Burgwedel verteidigte Tony Hohlfeld einen Michelin-Stern, jetzt zaubert er in seinem eigenen ?Restaurant: Im Jante greift er zusammen mit Sommelière Mona Schrader nach den Sternen. Die NP hat das Mittagsmenü getestet.

Ambiente
Wie einfach guter Stil sein kann. Das Jante am Braunschweiger Platz ist kein bisschen protzig eingerichtet, wirkt stattdessen sehr edel und behaglich. Der helle Holzfußboden, die soliden Holztische, bequeme Loungesessel in beige und blau, dazu gold schimmernde und blau getünchte Wände – das ergibt eine sehr aufgeräumte, gemütliche Atmosphäre. Mit Verzierungen und Dekoration wollen es die Betreiber, Küchenchef Tony Hohlfeld und Sommeliere Mona Schrader, nicht übertreiben. Beide haben zuvor in der mit einem Michelin-Stern dekorierten „Ole Deele“ in Burgwedel gearbeitet und sich im August in Hannovers Süden selbstständig gemacht. Auf den Tischen stehen herbstlich arrangierte Ministräuße in weißen Vasen, eine weiße Kerze brennt auch tagsüber. Die Butter kommt in einem Holzschälchen, die Vorspeise auf einem Kupferteller – der Materialmix ist bodenständig und ästhetisch. Die Sonne scheint durch die hohen Fenster, wir blicken in den hübschen Restaurantgarten, in dem späte Hortensien blühen. Es ist unser erster Besuch im Jante, aber wir sind augenblicklich angekommen.

Publikum
So gehts offensichtlich auch den Freundinnen mittleren Alters, dem Geschäftsmann mit Smartphone sowie den schicken beiden Paaren, die sich an diesem Mittag im Jante verabredet haben. Die Damen werden mit Bussi links und rechts begrüßt, zur Vorspeise ordert man Grauburgunder, zum Hauptgang einen Roten. Das geht sogar noch opulenter: Am Abend bietet Sommeliere Schrader zu den Fünf- (69 Euro) oder Sechs-Gänge-Menüs (79 Euro) eine Weinreise an, die man für 61 Euro antreten kann.

Service
Wir hatten für unsere Mittagspause einen Tisch reserviert (was sich sehr empfiehlt, für die Abende an Wochenenden muss man mindestens einen Monat im Voraus bestellen) und werden an der Tür sogleich im Empfang genommen. Die freundliche Kellnerin ist mit Jeans, Turnschuhe und Bluse ganz normal gekleidet, nimmt uns die Jacken ab, führt uns zu unserem Platz und erläutert das Menü. Das ist hilfreich, denn die Karte ist im aktuell schwer angesagten Minimal-Stil formuliert. Wir lesen „Saibling/Tomate, Kartoffel, Olive. Ochse/Backe, Champignon, Zwiebel. Stachelbeere/Nuss, Karamell, Buchweizen“. Das kostet tagsüber von 19 Euro (nur Hauptgang) bis 29 Euro (drei Gänge). Wir erfahren, dass es alternativ zur Ochsenbacke auch Zander gibt und beschließen, uns die Vor- und Nachspeise zu teilen, beide Hauptgänge zu bestellen und uns ansonsten genussvoll überraschen zu lassen.

Essen und Trinken
Überraschend ist bereits der Gruß aus der Küche. „Hausgemachtes Ciabatta mit geschlagener Butter und Kartoffelsand“ hat Meister Hohlfeld das köstliche Entree genannt. Das Brot ist würzig, die schaumige Butter zergeht im Mund wie Sahne, der Kartoffelsand (sehr fein geriebene Kartoffel, im Ofen geröstet) spendet ein erdiges Aroma. Das ist schlicht eine Wucht, war aber nur der Anfang. Der warme Saibling der Vorspeise liegt auf Rucola, warmen Kartoffelwürfeln und Olivenscheiben, ein cremiges Dressing und krosse Chips aus Kartoffelschalen runden diese fantastische Vorspeise ab. Wichtiger Hinweis für Menschen mit Riesen-Appetit: Groß sind die Portionen im neuen In-Lokal nicht. Dafür delikat. Für das geschmorte Ochsenbäckchen braucht man kein Messer, die Gabel gleitet durch das Fleisch wie durch Butter. Darauf hat die Küche junge Möhren arrangiert, frische Champignons begleiten das Kunstwerk genauso wie eine unbeschreiblich köstliche Pilzmousse. Eine witzige Idee sind die Speckchips, die eine kräftige Note haben, die anderen Aromen auf dem Teller dennoch nicht verdrängen. Der zarte Zander hat eine krosse Haut und bis auf die Chips die gleiche Begleitung wie die Ochsenbacke, ihn krönt außerdem eine bunte Mischung frischer, aromatischer Kräuter wie Dill und Petersilie. Die Kunst, Aromen zu kombinieren, dabei aber nicht eine einzige Geschmacksnote untergehen zu lassen, entfaltet sich auch bei dem höchst kreativen Dessert. Ganz normale regionale und saisonale Zutaten wie Stachelbeere, Haselnuss oder Süßkartoffel verwandelt die Jante-Küchencrew in kulinarische Raketen, die im Mund explodieren. Aus der Stachelbeere wurde das cremigste Sorbet der Welt, aus der Süßkartoffel ein erdiges und krosses Stroh, aus den Nüssen eine schmeichelnde Creme. Die vielen Arbeitsschritte, die für diese Metamorphosen nötig sind, lassen sich höchstens erahnen.

Fazit
Tony Hohlfeld ist 26 Jahre alt und kocht wie ein Paul Bocuse mit den Ideen eines Albert Einsteins. Wie soll das nur weitergehen?

  • Für Kinder geeignet
  • Hunde willkommen
  • Kein Raucherzimmer
  • Barrierefrei
  • Bar, EC, Kreditkarten

Jante
Marienstraße 116
30171 Hannover
0511/54 55 56 06
www.jante-restaurant.de
Öffnungszeiten: Lunch dienstags bis freitags von 11.30 bis 14. Dinner dienstags bis sonnabends von 19 bis 22 Uhr.


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