Navigation:

Schöne Aussicht, guter Start: Die meisten Urlauber beginnen ihre Garden-Route-Tour in Kapstadt.© tui

Südafrika

Wildnis, Wein und WM

Die Fußballer kommen noch. Aber die schönsten Ecken Südafrikas werden sie nicht sehen. Zum Beispiel die Garden Route.

Ausgerechnet Barrydale. Kurz vor dem nächsten Reiseziel versagt die Kupplung unseres Reisebusses. Der Ort, in dem wir die nächsten fünf Stunden auf einen Ersatztransport warten werden, liegt nur 240 Kilometer östlich von der schillernden Metropole Kapstadt entfernt. Aber das Auto streikt eben in Barrydale, einem Kleinod, das den meisten Reiseführern keine Zeile wert ist und von Touristen nur für den Toilettengang genutzt wird. Was sollen wir also hier? Doch es soll keine Stunde dauern, bis wir wie aus einem Munde flöten: „Ach, ist das schön in Barrydale.“

Künstler und Wüstenrosen

Barrydale hat viele Künstler und ebenso viele liebevoll gestaltete Häuser, blau blühende Jakaranda-Bäume und Bioläden mit selbst gemachten Hautcremes und Olivenölpasten, und Barrydale hat Martina und Klaus Stöcker. Die beiden Einwanderer aus Bad Pyrmont haben sich auf der Suche nach Sonne und Glück fernab der Heimat in dem 3000-Einwohner-Ort kurz vor „Heidelberg“ an der Nationalstraße 2 niedergelassen.

Vor ihrem Café und Souvenirshop empfängt ein dunkelhäutiger Koch aus Gips die Besucher, der von einer Künstlerin so ausdrucksstark in Szene gesetzt wurde, dass man ihm als Erstes ein freundliches „Guten Tag“ entgegenschmettert und sich dann wundert, warum der Mann mit der Kochmütze nichts ebenso Freundliches entgegnet.

Martina Stöcker verkauft Würstchen mit Kartoffelsalat ebenso wie Rooibos-Cappuccino, und für ihre Pasteten „Rosen der Karoo“, für die sie die Rezepte ihrer Großmutter mit Fleisch von Kudu und Zebra entfremdet hat, würde man töten wollen. „Wir haben den Ort damals erst gar nicht wahrgenommen. Aber nun können wir uns keinen schöneren Platz zum Leben vorstellen“, sagt sie und strahlt. Ja, so ähnlich geht es uns auch – zumindest für die ungewollte Dauerpause.

Wir erfahren, dass die kleine Stadt 1882 gegründet und nach John Joseph Barry benannt wurde. Mr. Barry hatte zwar nie in Barrydale gelebt, aber dessen Handelsgesellschaft im benachbarten Swellendam dominierte im 19. Jahrhundert die Region. Deshalb der hübsche Name für eine hübsche Stadt, die mit dem Anna-Roux-Wildblumengarten und einem wild bewachsenem Labyrinth durchaus etwas zu bieten hat.

Die grüne Lunge

Barrydale liegt am unteren Zipfel der Kleinen Karoo, durch die sich die berühmte Route 62 schlängelt. Die meisten Reisenden unternehmen nur einen Abstecher durch die Halbwüste mit den beschaulichen Orten und Straußenfarmen, um dem Touristentreiben an der Küste zu entkommen. Auch hinter uns liegt die bekannteste Straße Südafrikas, die zu einer der schönsten weltweit zählt: Die Garden Route, auch „Grüne Lunge“ genannt, grenzt an den Indischen Ozean zwischen dem Küstenort Mossel Bay im Westen und der Industriestadt Port Elizabeth im Osten. In „PE“, wie Port Elizabeth von den Einheimischen kurz genannt wird, werden auch zur WM all die Besucherströme erwartet, die über die Küstenstraße kommen oder dahin aufbrechen wollen.

Die Garden Route ist umgeben von Seen und Lagunen, von Bergen und Wäldern, schlängelnden Pfaden und weitläufigen, goldenen Stränden, und von hochmodernen Urlaubsorten, in denen es fast schon zum guten Ton gehört, in seinem Privathaus Zimmer für Bed & Breakfast anzubieten. Mit dem Klischee aus dem Klassiker „Jenseits von Afrika“, von Giraffen und hitzegesenkten Akazienbäumen vor untergehender Sonne, hat Südafrikas westlich geprägte Ostküste allerdings wenig gemein.

Wer dennoch ein Stück „wildes“ Afrika erleben will, sollte eine der Privatfarmen rund um Port Elizabeth besuchen, der Aufenthalt ist mit Preisen bis zu 250 Euro pro Person und Nacht zwar nicht ganz billig, aber er lohnt sich. Das etwa 130 Kilometer östlich gelegene „Kariega Game Reserve“ zählt zu den preisgünstigeren Herbergen und verfügt über Holz-Chalets mit kilometerweitem Ausblick in die afrikanische Wildnis und Pools vor den Hütten. Am Abend nimmt uns Justus mit auf eine Safari im offenen Geländewagen.

Der Ranger von Kariega hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will uns zumindest einige der „Big Five“ zeigen, die auf der 9000 Hektar großen Farm leben. So einfach ist das aber nicht, wenn es viel geregnet hat und die Tiere sich zwischen grünen Büschen verstecken können. Immerhin sehen wir einen schlafenden Löwen. Der aber nimmt nicht einmal Notiz von uns, als das Auto nur wenige Meter vor ihm hält. Beim zweiten „Game Drive“ am nächsten Morgen geraten wir dann doch noch in eine Elefantenherde. „Bloß nicht aufstehen“, ermahnt Justus. „Die Tiere sehen uns und den Wagen als eine Einheit an, wenn sich jemand hervorhebt, greifen sie an. Das ist dann kein Spaß mehr.“ Die Safari-Neulinge unter uns verstummen sogar.

Die Küstenstadt Knysna empfängt uns mit Regen – dabei hat sich die Region wider besseres Wissen hartnäckig den Namen „Sunshine Coast“ bewahrt. Einst als Hippie-Stadt verschrien, trägt Knysna heute ihren zweiten Spitznamen als Côte d’Azur Afrikas zu Recht: Auf der Lagune dominiert der Wassersport, und die Austern in Knysna sollen die besten der Welt sein.

Ein paar Kilometer außerhalb der schneeweißen Kolonialstil-Villen Knysnas empfängt uns das Township Qolweni (Auf dem Berg) mit seinen Wellblechhütten und einem Kabelsalat zwischen den Baracken. Hier haben sich die Menschen Friseursalons in Containern eingerichtet und die Telefonleitungen im Boden angezapft, um ein paar südafrikanische Rand mit Telefonshops zu verdienen.

Die Mitarbeiter von der Hilfsorganisation „From us with love“ bieten Führungen durch das Dorf und zu der Grundschule an. Eine Hundertschaft lachender Kinder umringt uns, während die Mitarbeiter aus dem Alltag der Township-Bewohner erzählen. Wir könnten uns noch ewig mit den kleinen Bewohnern beschäftigen. Aber es geht weiter, am Nationalpark Tsitsikamma vorbei, wo sich Waghalsige beim Bungee-Jumping 216 Meter in die Tiefe fallen lassen. 60 Euro kostet der Spaß umgerechnet, Menschen im Rentenalter dürfen umsonst springen.

Lorenzo und der Korken

In Franschhoek, dem berühmten französisch geprägten Weinanbaugebiet Südafrikas, wird unser Bus von Bediensteten im schwarzen Smoking und weißen Handschuhen zu einem Parkplatz gewunken. Auf dem Hubschrauberlandeplatz kommen zeitgleich drei Helikopter an, die Gäste aus Kapstadt bringen, die eine Weinprobe gebucht haben. Die Gutsherren, die an der Mosel geborene Hildegard und der Südafrikaner Achim von Arnim, warten schon auf uns mit einer Flasche Champagner ihrer Hausmarke Pierre Jourdan, benannt nach dem ersten Bauern der Gegend.

„Das ist Lorenzo, er wird sich um den Korken kümmern“, sagt Hildegard von Arnim, deutet auf ihren Mitarbeiter im Smoking und köpft die Flasche mit einem Säbel: „Sabrez les bouteilles!“ Lorenzo findet und bringt den Korken, den man sich als Trophäe auf einem kleinen Podest mitnehmen könnte, wenn man das denn wollte. Die Familie von Arnim, so ist zu erfahren, betreibt das Weingut schon in der fünften Generation, allerdings zunächst als Bierbrauerei.

Hildegards Mutter, Lehrerin einer Kochschule, lernte den Bierbrauer von Arnim auf einem Weinblütenfest in Deutschland kennen. Sie beschlossen, zu von Arnims Familie nach Südafrika auszuwandern und an den sonnigen Hängen Wein anzubauen. Während das Gut in den achtziger Jahren zu Zeiten der Apartheid noch von internationalen Sanktionen gebeutelt war, ließ sich ihr Nischenwein aus den Trauben Chardonnay und Pinot Noir Mitte der neunziger Jahre gut verkaufen. „Seitdem haben wir gut eine Million Flaschen produziert“, sagt die Gutsherrin.

Schillerndes Kapstadt

Gut 80 Kilometer weiter, in Kapstadt, hat die WM schon lange Einzug gehalten. In der quirligen Metropole werben die Unternehmen mit Fußbällen, die Radiosender zählen den Countdown bis zum Startschuss am 11. Juni, und am Flughafen gibt es eigene Schalter für FIFA-Delegationen. Die schillernde 3,5-Millionen-Einwohner- Metropole zwischen Tafelberg und Atlantischem Ozean ist gerüstet für die vielen Fans aus der ganzen Welt. Gilt sie doch sowieso als Touristenmagnet mit ihren kilometerlangen Sandstränden, dem Naturschutzgebiet Kap der Guten Hoffnung, der berühmten Gefängnisinsel Robben Island, dem Einkaufs- und Vergnügungsviertel Waterfront und dem sensationellen Blick vom Tafelberg über die Kaphalbinsel.

Das alles ist spektakulär und aufregend. Aber wenn wir uns erinnern, dann denken wir auch an Barrydale. Ausgerechnet an Barrydale.

Sonja Fröhlich

Informationen:

Wer über die Reiseangenturen, die mit der FIFA kooperieren, Pauschalangebote inklusive WM-Tickets und Flug bucht, muss sich auf eine fünfstellige Summe gefasst machen. Wegen der horrenden Preise haben viele Veranstalter während der WM vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 erst gar keine pauschalen Reisen im Programm..

Rundreisen:

Vor und nach der WM gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Land zu erschwinglichen Preisen zu bereisen. Die TUI bietet etwa die 14-tägige Busrundreise „Klassisches Südafrika“ inklusive Flug für 2099 Euro an, zu den Zielen der Tour gehört auch die Garden Route.

Für Individualreisende gibt es Drei- bis Vier-Sterne-Hotels in Kapstadt oder an der Garden Route ab 40 Euro. In den privaten B&B-Herbergen ist der Aufenthalt noch günstiger.


Anzeige
Auf Tour - Reisetipps für den Urlaub zwischendurch
Auf Tour - Reisetipps für den Urlaub zwischendurch

Entdecken Sie die schönsten Urlaubsziele! Lassen Sie sich zu interessanten Reisen inspirieren. Wir geben Tipps von der Müritz...

Zimmer mit Aussicht

Buntes Himmelsschauspiel: Ballons in Form von Vögeln, Bienen und Hydranten, die über dem Parliament Hill schwebten, entdeckte Sigrid Berlin am Morgen des 1.September beim Blick aus ihrem Hotelzimmer im Westin Ottawa. „Kanada feierte an diesem Wochenende den Abschied vom Sommer“, berichtet die Pattenserin.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihr Traumbild!

Auch Sie, liebe Leser, haben im Urlaub die Aussicht aus Ihrer Unterkunft genossen? Schicken Sie uns ein Foto!

Ihre Region
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h
° °
%
km/h

Reisekatalog bestellen

Aktuelle Reisekataloge

Ein gelungener Urlaub will geplant sein. Hier finden Sie die richtigen Informationen für Ihre Traumreise. Fordern Sie noch heute gratis die neuen Reisekataloge an.

Leserreisen

Strandkörbe

Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen von NP und HAZ bieten für jeden Anspruch genau das Richtige.