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Reisen

Reise durch Europas Mitte

Über etliche Serpentinen kämpft sich das Auto hinauf an den Tschirmer See. In der Landesprache heißt der Ort Strebsk Pleso. Pleso bedeutet "Bergsee". Und von denen gibt es im Gebirgszug der Tatra, mit ihren gewaltigen, über 2.600 Meter hohen Gipfeln, jede Menge.

Strebsk Pleso. Gerade in den heißen Sommermonaten zogen sich die, die es sich leisten konnten, einst aus Wien oder Bratislava in die kühlen Höhenlagen am See zurück. Die klare Bergluft hilft vor allem bei der Behandlung von Atemwegsbeschwerden. Schon 1885 wurde der Tschirmer See als Heilbad deklariert, kurz nach der Jahrhundertwende entstanden die meisten Hotels und Sanatorien. Verwunschen und märchenhaft gelegen, versprüht der einstige Gebirgskurort bis heute einen Hauch von Fin de sicle.

Wilde Berglandschaft am höchsten See der Slowakei

Strebsk Pleso ist der höchstgelegene Ort der Slowakei. 2009 eröffnete hier das erste slowakische Fünf-Sterne-Haus, das Grand Hotel Kempinski High Tatra. Das eigenwillige Gebäude setzt sich aus drei historischen Häusern aus verschiedenen Epochen zusammen, wie die aus Freiburg stammende Hotelchefin Kathrin Noll erklärt. Ein herrlicher Kontrast zur wilden Berglandschaft, zu den kirchturmhohen Tannen und zum Blick auf den Tschirmer See auf 1.350 Metern zur einen und auf das gewaltige Bergmassiv der Tatra zur anderen Seite. Die Sprungschanze erinnert daran, dass der Ort 1970 Austragungsort der Nordischen Ski-WM war.

Ein kleines, weitestgehend unbekanntes Land

Die Slowakei ist flächenmäßig so groß wie Niedersachsen. Vielleicht liegt es an der geringen Größe, dass sie eines der am wenigsten bekannten Länder in Europa ist, das zudem noch oft mit Slowenien im früheren Jugoslawien verwechselt wird. Ein junger Staat, erst 1993 nach der Aufteilung der Tschechoslowakei gegründet, seit 2004 EU-Mitglied. Als kleinstes Hochgebirge Europas bildet die Hohe Tatra den höchsten Teil der Karpaten und eine natürliche Grenze zwischen Polen und der Slowakei. In beiden Ländern steht das Gebiet als Nationalpark unter Schutz und ist bei der UNESCO als Biosphärenreservat gelistet. Die Region gilt noch als Geheimtipp und die abgelegen Wälder und Hochtäler bieten Lebensraum für Tiere wie Mufflons, Rotwild und Braunbären.

Keine Schneekanonen stehen in der Landschaft und man trifft noch das an, was andernorts in den Alpen längst verschwunden ist: Ursprünglichkeit, sanfter Tourismus, bezahlbare Preise. Einheimische sind unter sich. Statt auf Touristen trifft man eher auf wilde Bären - die lassen sich im Sommer auf geführten Bären-Safaris beobachten. Wo anderen Orts Materialseilbahnen Hütten und Aussichtspunkte versorgen, sind hier noch, einer langen Tradition folgend, Sherpas unterwegs, die ihre schweren Lasten auf dem Rücken transportieren und so die kleinen Hütten mit dem Lebensnotwendigen versorgen. Wer sich einen Überblick verschaffen will, kann von Strebsk Pleso aus mit der Bahn hoch zur Lomnitzer Spitze auf 2.634 Metern fahren: Der zweithöchsten Berg des Landes beheimatet Europas höchstgelegenen Botanischen Garten.

Auf deutschen Spuren durch die Region Zips

Interessant sind auch die deutschen Siedlungen in der Karpaten-Region Zips. Sie war eine der drei deutschen Sprachinseln in der Slowakei, in denen deutschsprachige Bürger jahrhundertelang die wirtschaftliche Elite bildeten - neben slowakischen Bauern und ungarischen Beamten und Adeligen. Levoca (ehemals Leutschau) ist so ein Ort, dem man das deutsche Erbe an den Giebelspitzen ansieht, die sich rund um den mittelalterlichen Hauptplatz gruppieren. An einer Fassade am Hauptplatz ist auf Deutsch "Kino" zu lesen. 2009 hat die UNESCO den Ort in die Liste der Welterbestädte aufgenommen. In der Jakobs-Kirche von Levoca findet sich ein beeindruckender, 18 Meter hoher gotischer Altar. Der Ort liegt weniger als eine Fahrtstunde von Strebsk Pleso entfernt. Auch die Zipser Burg (Spiaskc hrad), die größte Burgruine Europas, die kulissenartig auf einem Hügel thront, und die Hölzerne Kirche von Kezmarok (Käsmark) lohnen einen Abstecher.

Neben den gerade für Deutsche geschichtsträchtigen Orten fasziniert die weitgehend intakte Natur: Eine Fahrt mit einem von Huskys gezogenem Schlitten durch die Hohe Tatra sollte man sich bei Daniel Filo nicht entgehen lassen. Man nenne die Region aufgrund der fantastischen Schneeverhältnisse "Alaska am Fuß der Tatra", erzählt Janko, der Musher. Mit seiner russischen Fellmütze und dem wettergegerbten Gesicht signalisiert er sofort, wo er sein Leben verbringt: draußen. Bis weit in den Mai hinein türmt sich hier meterhoch Schnee. "Hundeschlitten haben bei uns in der Slowakei lange Tradition", sagt er auf Slowakisch. Ein Kollege dolmetscht.

Dann lächelt er verschmitzt und tritt vom Gespann runter. Er meint: "Magst du?" Also gut. Jetzt müssen die Vierbeiner dem Kommando des Gastes gehorchen, der dick in Thermooverall und Stiefel verpackt ist. Keine Minute später saust der Schlitten durch die einsame, schneebedeckte Landschaft, die Kufen knirschen, das Hecheln und Jaulen der acht Hunde erfüllt die Stille. Peitsche oder langes Antreiben ist nicht nötig. Huskys laufen von selbst. Alaskafeeling am Fuß der Tatra - die Einsamkeit und Stille wohnen nur wenige Autostunden von Deutschland entfernt.

dapd


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Buntes Himmelsschauspiel: Ballons in Form von Vögeln, Bienen und Hydranten, die über dem Parliament Hill schwebten, entdeckte Sigrid Berlin am Morgen des 1.September beim Blick aus ihrem Hotelzimmer im Westin Ottawa. „Kanada feierte an diesem Wochenende den Abschied vom Sommer“, berichtet die Pattenserin.

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