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Pilgern nach Trondheim ist im Trend. Auf dem 1997 offiziell eröffneten Olavsweg sind von Jahr zu Jahr mehr Wanderer unterwegs. Foto: Bernd F. Meier

Pilgern nach Trondheim ist im Trend. Auf dem 1997 offiziell eröffneten Olavsweg sind von Jahr zu Jahr mehr Wanderer unterwegs. Foto: Bernd F. Meier

Tourismus

Trondheim: Pilgertradition und Party-Moderne

Fromme Pilger am mehr als 900 Jahre alten Nationaldenkmal, dem romanisch-gotischen Nidarosdom, feierfreudiges Partyvolk in den Restaurants der jungen Hafencity Solsiden am Nedre Elvehavn - Norwegens drittgrößte Stadt Trondheim steckt voller Kontraste.

Trondheim. "Die meisten Besucher sehen nur den Nidarosdom und die alten Lagerhäuser am Fluss Nidelva. Dabei haben wir in Trondheim viel mehr zu bieten", meint Jo Esten Hafsmo. Der Biologe arbeitet tagsüber an der Universität NTNU.

Abends entwickelt er mit seiner Frau Anne Morkemo neue Gastronomie-Ideen. Zusammen mit Partnern hat das Duo in der Prinsens Gate ein ehemaliges Kaufhaus zur Markthalle mit Lebensmittelständen, Restaurants und einem Cafė umgewandelt. Von 7.00 bis 19.00 Uhr ist die Mathall geöffnet. Und danach?

"Am Abend ist Solsiden unsere Partyzone. Unter den mehr als einem Dutzend Restaurants findest du alles, von der Pizzeria über die Sushi-Bar bis zu Burgerläden", sagt Hafsmo. Wo früher auf der Schiffswerft hart gearbeitet wurde, entstanden in den vergangenen zwei Jahrzehnten schicke Wohnungen am Wasser, Restaurants und das Einkaufszentrum Solsiden, zu Deutsch "Sonnenseite". Wann immer die Sonne vom Himmel blinzelt, bevölkern sich im Nu die Terrassen der Restaurants rund um die alten Schiffsdocks. Trondheimer wie Touristen zieht es in den kurzen Sommerwochen nach draußen.

Im Schatten des im Jahr 1161 eingeweihten Nidarosdomes ist Trine Neumann-Larsen anzutreffen.

Im Pilegrimsgård, dem Pilgerhof, betreut sie Reisende, die zwischen Juni und September auf dem Olavs-Pilgerweg unterwegs sind. "Auf dem Pferd, mit dem Kanu und dem Fahrrad, und vor allem zu Fuß brechen die Pilger auf verschiedenen Routen in Richtung Trondheim auf", erzählt Trine. Ziel ist der Nidarosdom. Im größten Gotteshaus Skandinaviens befindet sich der Überlieferung nach das Grab des norwegischen Schutzpatrons Olav Haraldsson.

Pilgern nach Trondheim ist im Trend. Auf dem 1997 offiziell eröffneten Olavsweg sind von Jahr zu Jahr mehr Wanderer unterwegs. "Für Einige ist das Pilgerwandern nur eine sportliche Herausforderung, für die Allermeisten jedoch eine Reise zu sich selbst", sagt Neumann-Larsen. "Eine Wanderung etwa am Ende eines Lebensabschnitts, um sich in der Stille der Natur neu zu orientieren". Nach den Norwegern stellen Deutsche mit rund einem Drittel die zweitgrößte Gruppe. 643 Kilometer lang ist die Route ab Oslo, verkürzte Strecken beginnen in Hamar oder Lillehammer. Besonders anspruchsvoll sind die Tagesmärsche über das Dovrefjell durch einsame Gebirgshöhen auf etwa 1000 Höhenmetern. Pilgerexpertin Trine weiß: "Dort kann selbst im Frühsommer noch Schnee liegen, die Tour ist härter als der Jakobsweg."

Hin und wieder nimmt Trine Neumann-Larsen auch Gäste mit auf eine kurze Pilgertour - Schnupperpilgern für Einsteiger. Die mehrstündige Wanderung auf dem Olav-Pilgrimsleden führt im Südwesten der Stadt über Kuhwiesen und durch Nadelwälder zur Endstation der Gråkall-Straßenbahnlinie. Vom hügeligen Vorort Lian ruckelt die Trondheimer Tram rund neun Kilometer hinunter ins Stadtzentrum.

"Auf unsere Straßenbahn sind wir sehr stolz: Sie ist schließlich die nördlichste der Welt", sagt Maria Kühnl. Die junge Leipzigerin arbeitet in der Hafenverwaltung und nennt gleich eine weitere Besonderheit: den ersten Fahrradlift der Welt, der 1993 im historischen Stadtteil Bakklandet gebaut wurde. Mit 7,4 Kilometern pro Stunde hilft der Lift Radfahrern 130 Meter weit die extrem steile Straße Brubakken hinauf in Richtung der Festung Kristiansten. Kühnl warnt: "Die Tour ist nur etwas für sportliche Mitmenschen." Der Lift heißt Trampe oder - scherzhaft - "Krampe", "weil man von der einseitigen Belastung des Fußes einen Krampf bekommen kann."

Mit dem Fahrrad lassen sich Trondheims Zentrum und die Hafengebiete leicht erkunden. Für die Besucher stehen an 15 Stationen Mieträder zur jeweils dreistündigen Nutzung bereit. "Hopp on und Hopp off" mit dem Zweirad zu Sehenswürdigkeiten, vom Nidarosdom bis zum

Museum Rockheim. Hier wird multimedial die Geschichte norwegischer Pop- und Rockmusik von den 1950er Jahren bis heute erzählt - von Wencke Myhre über a-ha bis zu aktuellen Bands.

Unterwegs lohnt die Einkehr im urigen Café-Restaurant Baklandet Skydsstation von Gurli R. Holmen, wo sich Wanderer beim Pilgermenü - Fischsuppe, Rentierbraten, Käsekuchen mit Blaubeersoße, ein Gläschen Aquavit - stärken. Die Dänin hat genau 111 Sorten des Lebenswassers aqua vitae im Angebot. Darunter auch Linie Aquavit, der 1805 erstmals in Trondheim zur Reise über die Äquator-Linie verschifft wurde.

dpa


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