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Weithin sichtbar ist der Turm der Kirche Saint-Sauveur in La Rochelle. Foto: Andreas Heimann

Weithin sichtbar ist der Turm der Kirche Saint-Sauveur in La Rochelle. Foto: Andreas Heimann

Tourismus

Schöne Rebellin am Atlantik - La Rochelle ist etwas anders

La Rochelle liegt direkt am Atlantik. Für Segler ist die Stadt schon deshalb eine gute Adresse. Für Kulturinteressierte gibt es eine Reihe Museen, für Familien ein ungewöhnliches Aquarium. Und wer gerne isst und trinkt, braucht hier auch nicht lange umherirren.

La Rochelle. Morgens um sieben ist die Welt noch ganz ruhig. Jedenfalls am Quai Valin in La Rochelle. Die Cafés und Bars, die am Abend so voll waren, dass man sogar auf dem Bürgersteig davor kaum vorwärts kam, sind nun verwaist. Genau wie die Restaurants am Hafenbecken des Vieux Port.

Die Trikolore über dem Tour Nicolas hängt schlaff. Wie still La Rochelle sein kann. Meistens sind hier in der Hafenstadt am Atlantik die Nächte lang und die Tage laut.

La Rochelle war schon immer etwas anders. Eigensinnig, selbstbewusst, rebellisch, sagen die Rochelais, wie seine Bewohner heißen. Schon im Mittelalter, als die Stadt durch den Handel mit Salz und Wein reich wurde, ließen sich die Bürger nichts sagen, schon gar nicht vom französischen König. Im Zweifel gehörte man lieber zu England.

La Rochelle steht heute für die Leichtigkeit des Seins. Mehr als 12 500 Studenten gibt es in der Stadt mit rund 76 000 Einwohnern. Das macht sich abends in den Kneipen, Bars und Restaurants eindrucksvoll bemerkbar: Hier ist jeden Tag viel los.

La Rochelle ist aber auch die Stadt der Segler: Der Jachthafen ist mit 4700 Liegeplätzen einer der größten der Welt. Daran, dass La Rochelle eine Stadt am Meer ist, wird man immer wieder erinnert, nicht nur direkt am Wasser. Eines der größten und populärsten

Aquarien Frankreichs ist hier zu Hause.

Rund 12 000 Meerestiere gibt es zu sehen. In einem Tunnel aus Glas schweben Quallen auf allen Seiten über und neben einem. Seewolf und Rotbarsch lassen sich beobachten. Mal guckt man durch große Bullaugen in die Unterwasserwelt hinter der Beckenwand, mal läuft man unter den Becken durch, während Fischschwärme über einen hinwegziehen. Ein etwas mulmiges Gefühl ist fast unvermeidbar, wenn ein Stierhai mit seinen drei Reihen scharfer Zähne plötzlich auf einen zuschwimmt.

In der Markthalle von La Rochelle ist ständig Bewegung. Schon davor gibt es Stände mit faustgroßen Tomaten, Bergen von Weintrauben, Mirabellen, Feigen, Pfirsichen, Pflaumen und Avocados. Melonen aus dem Nachbardepartement Vendée, Girolles-Pilze, Bohnen, Kartoffeln. Und Saucisson d'Auvergne, eine Wurstspezialität.

Wer den ersten Schritt in die Markthalle hinter sich hat, steht vor einem noch viel größeren Angebot. Hier geben sich La Rochelles Fischhändler ein Stelldichein. Doraden liegen im Dutzend gefächert auf Eis, neben Thunfisch, Butt und Sardinen. Langusten gibt es, Miesmuscheln für vier Euro das Kilo.

Fünf Minuten vom Markt entfernt findet sich seit rund drei Jahren in der Rue des Dames ein Museum der etwas anderen Art.

"Le Bunker" steht über dem Eingang, und auf dem Schild daneben macht eine schwarze Katze einen Buckel. Was soll das? "Die Katze war das Emblem der 3. U-Boot-Flotte, die im Zweiten Weltkrieg in La Rochelle stationiert war", sagt Museumsleiter Hervé Sinquin. Und der Bunker wurde für deutsche Offiziere gebaut. Es gibt dort eine Reihe von historischen Fotos zu sehen - etwa von den Bombardements des U-Boot-Stützpunkts.

Alle Besucher landen irgendwann am Alten Hafen, dem Wahrzeichen der Stadt. Er ist schon im 13. Jahrhundert angelegt worden. Verpassen kann man ihn nicht, weil die drei Türme, die in seiner unmittelbaren Nähe stehen, von weitem gut zu sehen sind. Das gilt vor allem für den höchsten von ihnen: Saint Nicolas direkt an der Hafeneinfahrt. Der Turm ist unbedingt einen Besuch wert.

Bei Touren durch den Turm schlüpft der Führer schon mal ins Kostüm und zeigt mit dreiviertellanger Hose, bunter Weste, schwarzem Hut samt gelber Feder, wo die Wachen stationiert waren und die Bewohner durch ein "Mordloch" Steine auf Angreifer werfen konnten. Im obersten Stockwerk kommt man wieder ins Freie. Von dort hat man einen tollen Blick über den Hafen und die Dächer der Altstadt.

Am Quai Valin ist es inzwischen schon wieder ganz schön laut und trubelig. Und in den umliegenden Straßen im Saint-Nicolas-Viertel auch. Gemütliche kleine Restaurants gibt es viele, fast immer mit Tischen und Stühlen vor der Tür. Und weil es hier trotz der Nähe zum

Atlantik abends selten kühl wird, sitzt man entspannt beim Essen draußen - idealerweise mit Blick auf die Schiffsmasten über dem Vieux Port. Schöner kann La Rochelle gar nicht sein.

dpa


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