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Auf eigene Faust dürfen Touristen das Gelände, auf dem in den 1950er und 60er Jahren Atomtests durchgeführt wurden, nicht betreten. Foto: Frank Walker

Auf eigene Faust dürfen Touristen das Gelände, auf dem in den 1950er und 60er Jahren Atomtests durchgeführt wurden, nicht betreten. Foto: Frank Walker

Tourismus

Australien öffnet Atomwaffentestgelände für Touristen

Der rote Wüstensand um das alte Atomwaffentestgelände im australischen Outback ist von kleinen Glaskügelchen übersät. Sie bestehen aus Sand, der vor 60 Jahren in der Hitze der Explosion einer zehn Kilotonnen starken Atombombe geschmolzen war.

Sydney. Trotz zahlreicher Reinigungsversuche sind einige Teile in der Gegend Maralinga noch immer so stark radioaktiv, dass dort keine Besucher erlaubt sind. Die

Atomtests der 1950er und 60er Jahre haben der abgelegenen Region übel mitgespielt. Die Ureinwohner, die einst auf diesem Land lebten, sowie tausende Militärangestellte wurden mehr oder weniger als Versuchskaninchen missbraucht.

 

Zwischen 1952 und 1957 zündeten die Briten zwölf Atombomben auf australischem Boden und führten bis 1963 Hunderte kleinere, höchst radioaktive Tests durch. Sieben der Atombomben wurden an einem speziell dafür konstruierten Außenposten in der Wüste gezündet. Die Ureinwohner kamen in eine Sperrzone, die so groß ist wie Deutschland, die Niederlande, Belgien und Frankreich zusammen.

Nach verschiedenen Reinigungsversuchen wurde das Land 2009 an seine ursprünglichen Besitzer, die Aborigine-Gemeinde von

Maralinga Tjarutja, zurückgegeben. Aber die Strahlenbelastung machte eine Siedlung dort unmöglich. Zwar kann man das Atomwaffentestgelände besuchen, aber nur für ein paar Stunden. Schilder warnen die Besucher, nicht zu lange zu verweilen. Große Erdaufschüttungen bedecken radioaktive Erde und verseuchte Testausrüstung wie Panzer, Flugzeuge, Uniformen und Jeeps.

 

Neuerdings laden die ursprünglichen Besitzer des Geländes aber Touristen zu einem Besuch ein, um zu zeigen, was einst in dieser verbotenen Gegend in der nordwestlichen Ecke des Bundesstaats Südaustralien 1000 Kilometer von Adelaide entfernt geschah.

Touristen brauchen eine spezielle Erlaubnis und dürfen sich nur in Begleitung des Verwalters Robin Matthews auf dem Gelände bewegen. Seit eine Reisegesellschaft im April anfing, Touren auf dem ehemaligen Atomwaffentestgelände zu organisieren, haben sich bereits mehr als 250 Touristen angemeldet. Sie übernachten in Hütten oder Wohnwagen in dem alten Dorf von Maralinga, das damals vom Militär und von Forschern genutzt wurde. Es ist 37 Kilometer von dem Testgelände entfernt und selbst nicht verseucht.

Mit einem Bus bringt Matthews die Touristen zu den verschiedenen Stellen, an denen die Bomben explodierten. Jeder Detonationsort ist durch eine Betonsäule gekennzeichnet, geschmolzener Sand glitzert in der Sonne. "Die meisten Australier sind schockiert, wenn sie hören, was in Maralinga passiert ist", sagt Chris Burchett, der den Besitzern von Tjarutja geholfen hat, die Touren zu organisieren.

"Die ursprünglichen Besitzer von Tjarutja sehen den Tourismus als Plattform, um ihre Geschichte der Vertreibung zu erzählen", erzählt Burchett. "Sie besuchen das Land nur ungern selbst, weil es so beschädigt ist. Aber sie hoffen, durch den Tourismus genug Geld zu verdienen, um in ihren traditionellen Gebieten außerhalb der Explosionsorte überleben zu können."

Viele der Menschen, die während der Tests der Strahlenbelastung ausgesetzt waren, starben an Krebs. Besucher heute müssen sich Matthews zufolge aber keine Sorgen um ihre Gesundheit machen: Er und seine Frau, eine Ureinwohnerin, müssten jedes Jahr auf Strahlenbelastung getestet werden, erklärt er. "Bis jetzt haben sie nichts gefunden, und ich arbeite hier schon seit 1972." Außerdem prüfen Wissenschaftler einmal jährlich, ob belastetes Material aus den großen Erdhügeln sickert.

Matthews hofft, dass der Tourismus den ursprünglichen Besitzern des Landes helfen wird. Doch für sie selbst ist Maralinga ein Ort des Bösen und des Todes. "Dieses Land ist tot. Es ist jetzt 60 Jahre her, aber noch immer wächst in einem Umkreis vieler Kilometer um die alten Explosionsorte nichts", sagt der Verwalter. "In der Vergangenheit gingen die Ureinwohner über dieses Land zu ihren Tränken, um andere Familien zu besuchen und Geschichten zu erzählen. Das Land war Teil ihrer Seele. Das alles endete mit den Explosionen der Atombomben."

dpa


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