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Bedeutender Ort: In Charleroi, wo Napoleon einst sein letztes Hauptquartier einrichtete, steht heute seine Statue.

Bedeutender Ort: In Charleroi, wo Napoleon einst sein letztes Hauptquartier einrichtete, steht heute seine Statue. © Sabine Glaubitz

Tourismus

200 Jahre Waterloo: Auf Napoleons Spuren wandeln

Gerstenfelder, soweit das Auge reicht. Vor 200 Jahren versteckten sich darin die Soldaten Napoleons vor den alliierten Truppen von General Wellington und den Preußen.

Waterloo. Noch heute kann man sie besichtigen - die Gräser bedecken ein Stück Land, auf dem sich etwa 180 000 Soldaten blutige Kämpfe lieferten.

Innerhalb weniger Stunden starben am 18. Juni 1815 schätzungsweise mehr als 40 000 Soldaten. Bei Waterloo, rund 15 Kilometer von Brüssel in Belgien entfernt, führte Napoleon Bonaparte sein letztes Gefecht. Mit mehr als 5000 Statisten, 300 Pferden und tonnenweise Schwarzpulver wird Mitte Juni die Schlacht nachgestellt, die das Ende von zwei Jahrzehnten Krieg in Europa brachte. Es ist die bislang größte Fassung des traditionsreichen Schauspiels.

Auf den Hügeln bei Waterloo wollte Wellington vor 200 Jahren mit seinen alliierten Truppen aus Engländern, Belgiern, Niederländern, Braunschweigern, Hannoveranern, Nassauern und den Preußen unter Gebhard Leberecht von Blücher den Kaiser von Frankreich auf seinem Marsch nach Brüssel stoppen. Napoleon hatte Anfang des 19. Jahrhunderts mit blutigen Kriegen große Teile Europas unterworfen.

Ein Besuch auf den Schlachtfeldern ist eine eindringliche Zeitreise in die Vergangenheit, auch wenn die Spuren der Kämpfe heute weitgehend verschwunden sind. Zwar wurde erst vor drei Jahren ein erstaunlich gut erhaltenes Skelett eines Soldaten entdeckt, doch der Großteil der Menschenleichen und Pferdekadaver wurde in Massengräbern verscharrt oder verbrannt. Die Scheiterhaufen sollen noch acht Tage nach der Schlacht gebrannt haben und das menschliche Fett bis auf die angrenzende Chaussee de Charleroi geflossen sein, erzählt Daniel Boydens, der Touristen über die Schlachtfelder führt.

Auf der Anhöhe, hinter der Wellington mit seinen Soldaten auf die Franzosen wartete, erhebt sich seit 1826 der 40 Meter hohe Löwenhügel. Wilhelm I. von Oranien, König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, ließ ihn in Gedenken an seinen Sohn errichten, der wahrscheinlich an dieser Stelle an der Schulter verletzt wurde. Mehr als 220 Stufen führen auf die Plattform hinauf, auf der ein 28 Tonnen schwerer Löwe aus Bronze steht und seine Zähne fletscht - nach Süden in Richtung Frankreich.

Von dem Tumulus aus hat man den besten Blick über die Schlachtfelder, die zu den kleinsten jener Zeit zählen. Sie erstrecken sich auf rund 2 500 Hektar über die Gemeinden Braine-l’Alleud, Genappe, Lasne und Waterloo. Hier starben vor 200 Jahren Tausende Menschen. Ein Nahkampf, den der französische Dichter Victor Hugo (1802 - 1885) als "Erdbeben" bezeichnete. In seinem Buch "Die Elenden" schreibt er: "Nie haben sich zwei Heere mit einer solch schmalen Front und solcher Tiefe gegenüber gestanden, als bei Waterloo. Daher denn auch das furchtbare Gemetzel."

Die Schlachtfelder sind seit 1914 per Gesetz geschützt. Das Panorama, das unterhalb des Löwenhügels liegt, wurde zwei Jahre zuvor eingeweiht. In dem Gebäude im neoklassischen Stil stellt eine 110 Meter lange und 12 Meter hohe Leinwand die Kämpfe mit Hilfe spezieller Effekte fast hautnah dar. Vor wenigen Wochen wurde auf der Anhöhe das Mémorial 1815 eröffnet. Das Gedenkstätten-Museum liegt wegen des Gesetzes von 1914 unter der Erde. Hier wartet eine andere Zeitreise auf den Besucher. In einem 3D-Film geht es an der Hand eines jungen Trommlers mitten in das Kampfgeschehen, das am 18. Juni als die Schlacht von Waterloo in die Weltgeschichte einging.

dpa


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