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Klaus Hellmann zeigt auf die Giebelwand seines Hauses in der Märkischen Straße 2a, die seit drei Jahren nur provisorisch verkleidet ist.

Klaus Hellmann zeigt auf die Giebelwand seines Hauses in der Märkischen Straße 2a, die seit drei Jahren nur provisorisch verkleidet ist.

St. Lorenz Süd

Unkraut statt Wohnungen

17,6 Millionen Euro wollte die „Trave“ investieren. Doch noch tut sich nichts in St. Lorenz Süd.

St. Lorenz Süd. Klaus Hellmann ist verärgert. Und zwar ordentlich. Der Eigentümer des Tonnendach-Hauses Märkische Straße 2a hat, wie die Eigentümerin der Märkischen Straße 2, sein Haus aus den 1920er-Jahren aufwendig saniert. Nebenan standen bis zum Abriss im Jahr 2012 die verfallenen Tonnendach-Häuser der Grundstücksgesellschaft „Trave“. Hellmanns Haus war an der Giebelseite mit dem Nachbarhaus der „Trave“ verbunden. Als dieses abgerissen wurde, brachte die Grundstücksgesellschaft eine provisorische Isolierung an Hellmanns Haus an — „für ein halbes Jahr, wie es damals hieß“, sagt der 70-Jährige. Inzwischen sind fast drei Jahre vergangen, die Plane hat sich an einigen Stellen gelöst. Doch obwohl er darauf und auf den möglichen Schaden für sein Haus hingewiesen habe, unternehme die „Trave“ nichts. „Trave“-Geschäftsführer Matthias Rasch war das Problem mit der Plane bislang nicht bekannt. Er werde sich jedoch des Themas annehmen.

Auch rein wirtschaftlich kann Hellmann die Vorgehensweise der Grundstücksgesellschaft nicht nachvollziehen. „Die ,Trave‘ verschenkt Millionen, indem sie das Grundstück brachliegen lässt“, ist der Hauseigentümer überzeugt. Dass eine erfahrene städtische Gesellschaft erst zweimal mit ihren Bauplänen am Gestaltungsbeirat scheitere und sich nun wegen der Stellplatz-Frage nicht einigen könne, sei schon speziell.

Die Fakten: Im August 2013 hatte der damalige „Trave“-Geschäftsführer Hartmut Sörensen noch angekündigt, in St. Lorenz Süd insgesamt 17,6 Millionen Euro in den Neubau von 170 Wohnungen investieren zu wollen. In der Märkischen Straße sollte es Ende 2013 losgehen. Geplant: 42 Wohnungen zwischen 50 und 85 Quadratmetern — in einem langgestreckten Baukörper mit sechs Eingängen. Doch dann forderte die Bauverwaltung den Bau von 18 Stellplätzen auf dem Grundstück.

Zu dem Vorwurf, Millionen zu verschenken, sagt Rasch: „Wir verschenken kein Geld, wenn wir ein Grundstück brachliegen lassen.“ Um Mieteinnahmen aus Neubauten zu haben, müsse man ja auch erst einmal Kredite aufnehmen und investieren. Derzeit verhandele man mit der Stadt über den Nachweis etlicher Stellplätze in der Nähe des besagten Grundstückes, die Baugenehmigung werde in Kürze erwartet. Aber: „Wir können nicht alles gleichzeitig machen, und auf unserer Prioritätenliste steht das Vorhaben in der Stettiner Straße deutlich weiter vorn.“

Dort sollte — auf dem Grundstück zwischen Edeka-Markt und Kolberger Platz — eigentlich noch im Jahr 2013 mit dem Bau von 95 Wohnungen, davon 40 öffentlich geförderte, begonnen werden. Doch auch hier tut sich nichts, die Fläche ist ein kräftig bewachsenes Biotop. Und das, obwohl die Baugenehmigung für die drei von Uwe Ellinghaus und Klaus Mai entworfenen Gebäude laut Matthias Rasch schon seit Längerem vorliegt.

Der Grund für die Verzögerung: Man habe festgestellt, dass Wasser- und Fernwärmeleitungen mitten im Weg für die Neubebauung lagen. Bis zum Spätsommer sollen die Stadtwerke nun im Auftrag der „Trave“

die Leitungen herausnehmen und neue, dem Gebäudeverlauf entsprechende, verlegen. Gestern noch kündeten nur ein paar Rohre auf einem kleinen gemähten Teilstück von der Aussicht, dass dort demnächst etwas passiert.

Schon in der kommenden Woche soll der Aufsichtsrat der städtischen Grundstücksgesellschaft über das Bauvorhaben Stettiner Straße beraten, „dann können wir uns an die Ausschreibung machen.“ Rasch hofft, dass man — ein milder Winter wird vorausgesetzt — noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen kann. Der Wille ist definitiv da. „Es ist ein sehr guter Standort“, versichert der Geschäftsführer.

Was hingegen die Märkische Straße anbelangt, ist Rasch eher verhalten. Man müsse erst einmal sehen, wie hoch die Baukosten an dieser Stelle würden.

„Die ,Trave‘ verschenkt Millionen, indem sie das Grundstück brachliegen lässt.“
Klaus Hellmann, Nachbar

Sabine Risch