Navigation:
Zeigt die Ansichten des geplanten Gebäudekomplexes: Geschäftsführer Fred Mente.

Zeigt die Ansichten des geplanten Gebäudekomplexes: Geschäftsführer Fred Mente.© Fotos: Wolfgang Maxwitat, Modell: Heske Hochgürtel Lohse

St. Lorenz Süd

Start für neue Ära in der Fliederstraße

Flüchtlinge haben Jochen-Klepper-Haus geräumt — 2017 soll das Wohn- und Pflegezentrum fertig sein.

St. Lorenz Süd. Jetzt ist es soweit: Das ehemalige Jochen-Klepper- Haus der Vorwerker Diakonie wird in diesen Tagen ausgeräumt, spätestens am Montag soll dann der Abriss beginnen. Laut Geschäftsführer Fred Mente wird dann endlich die Planung umgesetzt, die seit drei Jahren besteht.

Damals, als das Jochen-Klepper- Haus zwischen Nelkenstraße, Moislinger Allee und Fliederstraße entstand, sei es eine hochmoderne Einrichtung gewesen, sagt Mente. Doch das war vor gut 40 Jahren. Das Altenheim hatte einen hohen Anteil an Zweibettzimmern, sogar einige Vierbettzimmer, die schon lange nur mit zwei Personen belegt wurden. Heute seien jedoch Einzelzimmer gefragt. Zudem gab es immer wieder Probleme mit der Wasserversorgung — Legionellen waren die Folge — und aktuelle Brandschutz-Auflagen. „Eine Rundum-Sanierung, noch dazu im laufenden Betrieb, wäre kaum machbar gewesen.“ Also entschloss man sich 2012 zum Abriss und Neubau. Als der Neubau der Vorwerker Diakonie in Travemünde bezugsfertig war, wurde das Klepper-Haus geräumt. Mente: „Wir wollten 2014 mit dem Neubau beginnen.“

Dann dann zog sich das Genehmigungsverfahren hin, im Zuge der vermehrten Flüchtlingsankunft schloss man einen Vertrag bis Juni 2015 und richtete das Haus im Auftrag der Stadt für Flüchtlinge her, verlängerte weitere zwei Mal bis Mitte Oktober. Inzwischen sind die 55 Menschen aus der Fliederstraße zum Teil in die Solmitzstraße nach Kücknitz, zum Teil nach St. Jürgen umgezogen.

Nun soll und muss es endlich losgehen: In drei Gebäuden entstehen 178 Pflegeplätze in Einzelzimmern — mit eigenem Sanitärbereich —, dazu zehn Mietwohnungen unter dem Motto „Wohnen mit Service“ mit Größen von 50 bis 60 Quadratmetern. Quadratmeterpreis: zehn bis elf Euro. Mente und Sprecher Lutz Regenberg sind überzeugt: Diese Wohnungen werden ruckzuck weggehen. Hinzu kommen 45 Tiefgaragenplätze.

Das Gebäude zur Nelkenstraße hin hat drei nutzbare Geschosse, das zum Kanal hin vier. Da das Gelände abschüssig ist, werde das viergeschossige Gebäude von der Nachbarschaft nicht als störend wahrgenommen. In einem nahezu quadratischen Komplex mit Innenhof werden demenziell Erkrankte mit Weglauf-Tendenz untergebracht. Es gebe eine Menge Betroffene, so Mente, die aber einen großen Bewegungsdrang hätten. Dem können sie in dem nahezu quadratischen Gebäudepart mit Innenhof gefahrlos nachgehen.

Das neue Wohn- und Pflegezentrum Travetal (vorläufiger Arbeitstitel) wird vom Architekturbüro Heske Hochgürtel Lohse geplant. Die Fassade soll weitestgehend geklinkert werden. Balkone wird es nicht geben, dafür aber nach wie vor den großen, von allen Bewohnern nutzbaren Garten in Richtung Kanal.

Die Vorwerker Diakonie investiert 19,5 Millionen Euro reine Baukosten in die Einrichtung. Den Abriss übernimmt die Firma Gollan, der Auftrag für den Neubau wird Anfang November an einen Generalunternehmer erteilt. „Im Juni 2017 wollen wir fertig sein.“

Langes Hin und Her
2013 im Januar bietet die Vorwerker Diakonie der Stadt das ausgemusterte Altenheim in der Fliederstraße zur Unterbringung von 60 bis 80 Flüchtlingen an. Im Frühjahr ziehen zwar die Altenheim-Bewohner aus, aber nach einer Begehung durch Brandschutzexperten und das Gebäudemanagement heißt es: nicht geeignet. Im Februar ist Sozialsenator Sven Schindler noch zuversichtlich, die Flüchtlinge anderweitig unterbringen zu können. Im Mai heißt es, die Unterkunft sei endgültig vom Tisch.
2014 im Januar ziehen dann doch 55 Flüchtlinge ein.
2015 im Oktober ziehen die Flüchtlinge in andere Einrichtungen um. Zweimal hat bis dato die Vorwerker Diakonie die Belegung verlängert, jetzt beginnt der Abriss.

Sabine Risch