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Sie setzen sich für ihren Pädagogen Marc-Udo Wrage ein: Gian Luca (v. l.), Jasmin Oldenburg, Ayleen, Timo, Sarah, Celine, Constanze Poerschke, Gamze Yavuz, Ali Cheaito und Ahmo Özden.

Sie setzen sich für ihren Pädagogen Marc-Udo Wrage ein: Gian Luca (v. l.), Jasmin Oldenburg, Ayleen, Timo, Sarah, Celine, Constanze Poerschke, Gamze Yavuz, Ali Cheaito und Ahmo Özden.© Fotos: Alessandra Röder

St. Lorenz Süd

„Ohne ihn ist der Jugendtreff nichts“

Für die Kinder vom Jugendtreff Dorne 62 ist Pädagoge Marc-Udo Wrage wie ein Vater. Nach seiner Kündigung kämpfen sie für ihn.

St. Lorenz Süd. Tränen laufen Gamze Yavuz über die Wangen, während sie erzählt, was sie Pädagoge Marc-Udo Wrage alles zu verdanken hat. „Er ist wie ein Vater für uns. Er hat uns unheimlich unterstützt. Ohne ihn ist der Kinder- und Jugendtreff nichts“, sagt die 22-Jährige. Die Nachricht, dass Pädagoge Wrage nicht länger im Jugendtreff Dorne 62 arbeiten wird, schlug bei Kindern und Eltern ein wie eine Bombe. 19 Jahre lang war der 51-Jährige dort für die Kinder da. Jetzt hat der Träger „Sozialistische Jugend Deutschland (SJD) — Die Falken“ ihm gekündigt — ohne eine schriftliche Begründung.

Seine Schützlinge wollen das um jeden Preis verhindern. Ihre Unterstützerseite auf Facebook hatte innerhalb kürzester Zeit 450 Likes. Doch nicht nur im sozialen Netzwerk wird die Kündigung scharf kritisiert. „Die Kinder lieben ihn, und wir Eltern vertrauen ihm“, sagt Mutter Jasmin Oldenburg. „Ich kann nicht verstehen, wie ein sozialer Träger derart asozial agieren kann. Hier wird überhaupt nicht auf das Wohl der Kinder geachtet.“ Für die Kündigung gebe es keinen Anlass. „Wir leben hier in einem sozialen Brennpunkt, da ist eine Vertrauensperson sehr wichtig.“ Wrage habe viele Jugendliche wieder auf die richtige Bahn gebracht.

Einer von ihnen ist Ahmo Özden. „Ich habe früher viel Mist gebaut. Marc-Udo hat mich dazu bewegt, wieder zur Schule zu gehen. Er war auch der Erste, dem ich von meinem Traumjob erzählt habe:

Kriminalpolizist“, sagt der 24-Jährige. Durch die Unterstützung des Sozialpädagogen habe er sein Fachabitur nachgemacht und schaffte es, sich seinen Berufswunsch zu erfüllen. „Er hat privat Schwimmunterricht gegeben, damit ich den Sporttest bestehe. Ohne ihn würde ich heute vermutlich bei einer Zeitarbeitsfirma arbeiten.“ Die 22-jährige Gamze Yavuz arbeitet heute bei der Bank. Wrage habe ihr das Praktikum vermittelt. Einige der jungen Menschen hat der Jugendleiter sogar im Gefängnis besucht, um sie davon abzuhalten, weiter abzurutschen. Die Kinder und Erwachsenen berichten emotional von Mathenachhilfe, Deutschunterricht und dem immer offenen Ohr für alle Probleme. „Auch die zukünftigen Generationen brauchen ihn“, fasst Constanze Proeschke zusammen. Wrage selbst ist von dem Zuspruch sehr gerührt. „Ich habe noch große Lust mit den Kindern zu arbeiten“, sagt er.

Die Falken möchten sich zu den Vorwürfen dagegen nicht äußern. „Dazu kann ich nichts sagen. Über Personalangelegenheiten sprechen wir nicht“, erklärte die Vorsitzende der Lübecker Falken, Renate Paulien-Wittmaack. Der politische Verband ist, wie die Jusos, Mitglied in der sozialistischen Jugendinternationale.

Doch die Kinder und Eltern wollen Antworten. „Wir fordern die Falken zum Gespräch auf“, sagt Oldenburg. Und sie werden für den beliebten Pädagogen kämpfen. „Wir organisieren gerade eine Unterschriftenaktion und wollen auch streiken. Wenn er wirklich gehen muss, wird keiner von uns mehr in diesen Jugendtreff gehen“, sagt Oldenburg. „Wir wollen nicht auf ihn verzichten.“

Alessandra Röder